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Rezensionen von Büchern aus den Kultur- und Geisteswissenschaften

Ulla Atzert, Uli Höhmann: „Leben für Fortgeschrittene“

Am: | September 16, 2009

Ulla Atzert, Uli Höhmann: "Leben für Fortgeschrittene - Vom Glück des Älterwerdens"Es sollte mal untersucht werden, warum in den letzten Jahren zunehmend Literatur und Sachbücher auf den Markt kommen, die sich mit dem Alter und dem Älterwerden befassen.

Vielleicht liegt es daran, dass die verantwortlichen Mitarbeiter in den Verlagen langsam selbst in das Alter kommen und sich mit Hilfe der Autoren auf das eigene Älterwerden vorbereiten wollen. Jedoch auch der Autor dieser Zeilen bewegt sich langsam aber stetig auf der Bevölkerungspyramide nach oben und sollte sich, bevor er in die Midlife-Crisis schlittert, mit der Vorsorge für die eigene Grauzeit beschäftigen. Und in der Tat sind ernste Themen wie Testament und Patientenverfügung auch in das Blickfeld meiner zurzeit noch wachen und ungetrübten Aufmerksamkeit gerückt.

Ulla Atzert und Uli Höhmann haben ein fröhliches Buch vorgelegt. Es handelt vom „Leben für Fortgeschrittene“, für Menschen also, die rein rechnerisch bereits den Scheitelpunkt ihres irdischen Daseins überschritten haben und bei denen sich (vor allem bei den Männern) das Haupthaar um den Scheitel auch beginnt zu lichten.

In Fallbeispielen beschreiben sie verschiedene Charaktere, die sich im Mittelalter des Lebens eingerichtet haben, mit ihrem Alter hadern, es akzeptieren, triumphieren oder resignieren – ganz nach Gusto und im Rahmen der eigenen psychosozialen Möglichkeiten.

Das Taschenbuch im Fischer-Verlag hat knapp 260 Seiten und ist humorig geschrieben. Sicherlich findet sich jeder Leser (und jede Leserin) in einem oder mehreren Fallbeispielen wieder. Wie der Mensch mit dem eigenen Älterwerden umgeht, zeigt, wie er lebt. Verdrängt oder akzeptiert er sein Älterwerden?

Die Frage „Kommt noch was?“ stellt sich vor allen demjenigen, der bislang sein Leben nicht richtig gelebt und alle Träume immer wieder nach hinten geschoben hat. Erste körperliche Gebrechen stellen sich ein. Der Motor läuft nicht mehr so rund wie mit 30. Im Freundeskreis gibt es die ersten Todesfälle durch schwere Krankheiten. Das Leben ist plötzlich nicht mehr lustig, und den blauen Himmel der Zuversicht durchziehen immer öfter graue Wolkenbänder.

In solchen Phasen gilt es, Bilanz zu ziehen und zu schauen, ob man sich noch auf dem eigenen Weg befindet. Wo stehe ich? Wohin gehe ich? – Jeder von uns kennt solche Zeiten des Innehaltens und Zögerns.

Doch Schluss mit den traurigen Gedanken! Älterwerden ist eine Herausforderung, die das leben an uns stellt. Nehmen wir diese Herausforderung an! Was für ein Glück, mit zunehmenden Jahren zum „Regisseur“ des eigenen Lebens zu werden, statt ein Statist zu bleiben!

Die Charaktere der 16 Geschichten dieses Buches sind Beispiele, die Lust machen, die bislang nicht gelebten Aspekte im eigenen Leben zu erkennen. Eine Ermunterung, dieses persönliche Neuland für sich zu entdecken – psychologischer Selbsttest inklusive.

Apropos Psychologie: Am Ende jedes Kapitels „rät der Psychologe“, wie man mit diesen Aspekten des eigenen Lebens umgehen sollte. Sehr nützlich. Die Tipps stammen aus der Beratung mit Dr. Holger Schlageter, dem Gründer des Schlageter-Instituts in Wiesbaden.

Das Buch von Ulla Atzert und Uli Höhmann handelt vom Glück des Älterwerdens. Das Lesen allein kann nicht glücklich machen. Allerdings könnte der Leser den Weg zum eigenen Glück finden, wenn er die eine oder andere Geschichte dieses Buches für das eigene Leben weiter träumt und probeweise in die Tat umsetzt. – Dabei viel Spaß!

 

Autor: Ulla Atzert, Uli Höhmann
Titel: „Leben für Fortgeschrittene: Vom Glück des Älterwerdens“
Broschiert: 252 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
ISBN-10: 3596182603
ISBN-13: 978-3596182602

 

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