Jakob Schwerdtfeger: „Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist die Kunstgeschicht“

Man muss Kunstgeschichte nicht unbedingt lustig finden. Man sollte sie nur nicht fürchten. Genau an dieser Furcht setzt Jakob Schwerdtfeger an. Vor einem Gemälde beginnt für viele Menschen nämlich nicht das Sehen, sondern die Einschüchterung: Man steht da, betrachtet einen Menschen mit seltsam langem Hals, eine Heilige mit goldener Aura oder ein Gewirr aus geometrischen …

Continue reading ‘Jakob Schwerdtfeger: „Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist die Kunstgeschicht“’ »

Günter Karl Bose: „Legenden / Captions — Geschichten zu Fotografien. Essays“

Fotografien genießen seit ihrer Erfindung den Ruf, Wirklichkeit festzuhalten. Sie gelten als unmittelbare Zeugnisse dessen, was einmal gewesen ist. Doch dieser Glaube gehört zu den hartnäckigsten Illusionen der Moderne. Eine Fotografie zeigt vieles — und erklärt fast nichts. Sie hält einen Augenblick fest, verschweigt jedoch seine Vorgeschichte, seine Folgen und seine Bedeutung. Wer ein altes …

Continue reading ‘Günter Karl Bose: „Legenden / Captions — Geschichten zu Fotografien. Essays“’ »

Gunna Wendt: „Frauen von morgen — Die Schwestern Richthofen im Kreise der Bohème“

Es gehört zu den eigentümlichen Gewohnheiten der Geschichte, dass sie ihre Erinnerungen nachträglich ordnet. Sie bewahrt Namen auf, verwirft andere, erhebt manche Menschen zu Symbolfiguren und lässt andere in den Fußnoten verschwinden, obwohl gerade sie das geistige Klima ihrer Zeit vielleicht präziser verkörperten als jene, die später Denkmäler erhielten. Historisches Erinnern folgt selten den Maßstäben …

Continue reading ‘Gunna Wendt: „Frauen von morgen — Die Schwestern Richthofen im Kreise der Bohème“’ »

Dietmar Pieper: „Trümmertänze — Deutschland 1946-1955“

Mit „Trümmertänze — Deutschland 1946–1955“ entscheidet sich Dietmar Pieper bewusst gegen jene Erzählung, die die deutsche Nachkriegszeit lediglich als Vorgeschichte des Wirtschaftswunders oder als moralische Bilanz von Schuld und Neubeginn betrachtet. Stattdessen beschreibt er ein Jahrzehnt voller Widersprüche: eine Zeit zwischen Zerstörung und Aufbruch, Hunger und Lebenslust, politischer Neuordnung und persönlicher Orientierungslosigkeit. Bereits der Titel …

Continue reading ‘Dietmar Pieper: „Trümmertänze — Deutschland 1946-1955“’ »

Hans Christian Hönes: „Aby Warburg — Der Mann hinter dem Mythos“

In der Regel greift man mit einer gewissen Erwartungshaltung zu einem Buch, weil man sich für seinen Inhalt interessiert. Aber es gibt auch Bücher, die einen überraschen: die man liest, weil man plötzlich begreift, dass ihr Gegenstand auf unheimliche Weise mit der eigenen Gegenwart verbunden ist. Hans Christian Hönes’ neue Biografie „Aby Warburg — Der …

Continue reading ‘Hans Christian Hönes: „Aby Warburg — Der Mann hinter dem Mythos“’ »

Daniel Siemens: „Der Fotograf Fred Stein — Ein deutsch-jüdisches Leben 1909-1967“

Eine Schwierigkeit dieses Buches liegt paradoxerweise bereits in der Erwartung, die sein Titel weckt: Daniel Siemens kündigt eine klassische Künstlerbiografie an, doch tatsächlich entfaltet er ein vielschichtiges, methodisch reflektiertes Porträt, das sich zwischen historischer Rekonstruktion und essayistischer Annäherung bewegt. „Der Fotograf Fred Stein — Ein deutsch-jüdisches Leben 1909–1967“ ist weniger die Geschichte eines souveränen Künstlers …

Continue reading ‘Daniel Siemens: „Der Fotograf Fred Stein — Ein deutsch-jüdisches Leben 1909-1967“’ »

Lea Singer: „Eine Frage des Formats“

Lea Singers Roman „Eine Frage des Formats“ nimmt seinen Ausgang von einer Begebenheit, die auf den ersten Blick wie eine kunsthistorische Kuriosität wirkt: Ein Maler, berühmt für seine kompromisslose Körperlichkeit und seine schonungslose Nähe zum Modell, porträtiert eine Monarchin, deren öffentliche Existenz seit Jahrzehnten von Ritualen, Symbolen und kontrollierter Distanz bestimmt ist. Dass es sich …

Continue reading ‘Lea Singer: „Eine Frage des Formats“’ »

Rabea Weihser: „Wie wir so schön wurden — Eine Biografie des Gesichts“

Rabea Weihser gehört zu jener Generation von Kulturjournalistinnen, die ihre intellektuelle Sozialisation im Feuilleton und im digitalen Diskurs zugleich erfahren haben. Als Redakteurin bei der Wochenzeitung Die Zeit hat sie sich immer wieder mit Fragen von Körperpolitik, Popkultur und Geschlechterbildern beschäftigt; ihr Schreiben ist geprägt von jener Mischung aus essayistischer Beweglichkeit und feuilletonistischer Zuspitzung, die …

Continue reading ‘Rabea Weihser: „Wie wir so schön wurden — Eine Biografie des Gesichts“’ »

Ulrich Raulff: „Wie es Euch gefällt — Eine Geschichte des Geschmacks“

Wenn man dieses Buch in die Hand nimmt, merkt man sofort seine Besonderheit. Man hält ein Juwel in den Händen, ein — im wahrsten Sinne — geschmackvolles und hochwertig gestaltetes Stück Buchkunst, das schon in seiner außergewöhnlichen Materialität Auskunft gibt über seinen exquisiten Inhalt. Es ist dieser Tage ein seltenes und jeden Bücherfreund geradezu beglückendes …

Continue reading ‘Ulrich Raulff: „Wie es Euch gefällt — Eine Geschichte des Geschmacks“’ »

Philip Ursprung: „Architektur der Gegenwart – 1970 bis heute“

Was lässt sich über die zeitgenössische Architektur sagen und wie ließe sich über sie reden? Der Professor für Kunst und Architektur an der ETH Zürich, Philip Ursprung, bietet in seinem klugen kleinen Einführungsband in der Reihe C.H. Beck Wissen einen niederschwelligen Zugang zu einem ziemlich komplexen Thema: die Architektur der Gegenwart. Schon beim ersten Durchblättern …

Continue reading ‘Philip Ursprung: „Architektur der Gegenwart – 1970 bis heute“’ »