Helene Böhlau: „Halbtier!“

Wer sich Helene Böhlaus Roman „Halbtier!“ nähert, dem öffnet sich eine erzählerische Welt, in der psychologische Feinzeichnung und gesellschaftliche Reibung sich in einer eigentümlich schimmernden Prosa verbinden. Der Roman führt zwei Figuren zusammen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: eine junge Frau, deren innere Entwicklung zwischen Konvention und Freiheitsdrang oszilliert, und ein Mann, dessen ungebändigtes, instinktgeleitetes …

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Jens Jäger: „Medienmetropole Berlin – Kommunikation, Netzwerke und Öffentlichkeit im Kaiserreich“

Jens Jägers Heft „Medienmetropole Berlin — Kommunikation, Netzwerke und Öffentlichkeit im Kaiserreich“ ist ein schmaler, aber gedanklich dicht gepackter Versuch, jene Stadt sichtbar zu machen, die im historischen Rückblick allzu oft hinter den großen politischen Chiffren des Kaiserreichs verschwindet. Berlin erscheint hier nicht primär als Hauptstadt des Wilhelminismus, als Bühne imperialer Gesten und monumentaler Architektur, …

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Walter Ruprechter: „Vom Hausen und Wohnen — In Zwischenräumen daheim“

Walter Ruprechters Buch über das Hausen und Wohnen betritt ein Terrain, das auf den ersten Blick vertraut wirkt und sich doch rasch als überraschend unwegsam erweist. Wer hier einen Ratgeber für bessere Grundrisse, nachhaltige Baumaterialien oder zeitgemäße Wohnmodelle erwartet, wird schnell eines Besseren belehrt. Ruprechter interessiert sich nicht für das Wohnen als Problem technischer Optimierung, …

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Martin Pfaffenzeller und Eva-Maria Schnurr (Hg.): „Die letzten Tagen von Pompeji — So lebten die Römer im Schatten des Vulkans“

In der kaum zu überbietenden Vielfalt historischer Reflexionen über das antike Pompeji zeichnet der Sammelband „Die letzten Tage von Pompeji — So lebten die Römer im Schatten des Vulkans“ ein Panorama, das den Ausbruch des Vesuvs als historischen Fixpunkt wie ein Prisma erscheinen lässt, durch das eine ganze Gesellschaft reflektiert wird. Was hier, im Schatten …

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George Gissing: „Der zahlende Hausgast“

„Der zahlende Hausgast“ — im englischen Original „The Paying Guest“ — erschien 1895 und gehört zu jener Reihe von Gesellschaftsstudien, mit denen George Gissing seine literarische Handschrift zwischen moralischer Ernüchterung und psychologischer Präzision schärfte. Wer dieses schmale, oft übersehene Werk zur Hand nimmt, begegnet einem Autor, der das soziale Gefüge der viktorianischen Mittelklasse mit beinahe …

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Ulrich Raulff: „Wie es Euch gefällt — Eine Geschichte des Geschmacks“

Wenn man dieses Buch in die Hand nimmt, merkt man sofort seine Besonderheit. Man hält ein Juwel in den Händen, ein — im wahrsten Sinne — geschmackvolles und hochwertig gestaltetes Stück Buchkunst, das schon in seiner außergewöhnlichen Materialität Auskunft gibt über seinen exquisiten Inhalt. Es ist dieser Tage ein seltenes und jeden Bücherfreund geradezu beglückendes …

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Florian Illies: „Wenn die Sonne untergeht — Familie Mann in Sanary“

Florian Illies hat mit Wenn die Sonne untergeht — Familie Mann in Sanary ein Buch geschrieben, das zugleich Familiendrama, Exilstudie und Sommeridylle ist. Im Mittelpunkt steht der Sommer 1933, in dem Thomas und Katia Mann mit ihren sechs Kindern im südfranzösischen Sanary-sur-Mer Zuflucht suchen. Der Ort ist sonnendurchglüht und doch von Bedrohung überschattet. Die Familie …

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Judith Kessler: „Kann denn Liebe Sünde sein? — Auf den Spuren des Liedtexters Bruno Balz“

Judith Kesslers Buch Kann denn Liebe Sünde sein? — Auf den Spuren des Liedtexters Bruno Balz ist mehr als eine Biografie. Es ist eine Wiederbegegnung mit einer Gestalt, die das deutsche Unterhaltungslied der 1930er und 1940er Jahre geprägt hat und zugleich zu jenen gehört, die die Geschichte in ihren Fußnoten verschluckt. Bruno Balz — der …

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Hauke Friederichs u. Rüdiger Barth: Deutschland 1946 — Das Wunder beginnt“

Deutschland im Jahr 1946 — ein Land aus Staub und Schweigen, von Rauch und Hoffnung umhüllt. Die Städte liegen in Trümmern, die Moral ebenso. Und doch regt sich in den Rissen der Ruinen bereits ein leises Leben, ein vorsichtiger Wille zum Neubeginn. In diese Zwischenzeit führen Hauke Friederichs und Rüdiger Barth den Leser in ihrem …

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Hanno Sauer: „Klasse — Die Entstehung von Oben und Unten“

Hanno Sauers Buch Klasse — Die Entstehung von Oben und Unten ist ein philosophisch-soziologisches Werk über Status, Anerkennung und soziale Ungleichheit — und zugleich ein Grenzgang zwischen Wissenschaft und Essay. Sauer schreibt nicht als empirischer Forscher, sondern als Denker, der bestehende Studien, Theorien und Alltagsbeobachtungen zu einem moralpsychologischen Gesamtbild der Klassengesellschaft verknüpft. Das Buch will …

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