Daniel Siemens: „Der Fotograf Fred Stein — Ein deutsch-jüdisches Leben 1909-1967“

Eine Schwierigkeit dieses Buches liegt paradoxerweise bereits in der Erwartung, die sein Titel weckt: Daniel Siemens kündigt eine klassische Künstlerbiografie an, doch tatsächlich entfaltet er ein vielschichtiges, methodisch reflektiertes Porträt, das sich zwischen historischer Rekonstruktion und essayistischer Annäherung bewegt. „Der Fotograf Fred Stein — Ein deutsch-jüdisches Leben 1909–1967“ ist weniger die Geschichte eines souveränen Künstlers …

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Nicole Garretón u.a. (Hg.): „Zum Umgang mit der deutschen Kolonialvergangenheit — Gegenwärtige und historische Perspektiven“

Es gibt Bücher, die sich wie geschlossene Räume lesen lassen, mit klar markierten Eingängen und Ausgängen, und es gibt solche, die eher an eine offene Debatte erinnern, an ein fortwährendes Gespräch, in dem Stimmen sich überlagern, einander widersprechen, sich korrigieren oder verstärken. Der von Nicole Garretón gemeinsam mit Johannes Jansen und Alina Marktanner herausgegebene Sammelband …

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Joseph J. Ellis: „1776 — Der Sommer der Revolution“

Es gibt zahlreiche Bücher über die Amerikanische Revolution, die sich wie Monumente ausnehmen und bereits durch ihr äußeres Erscheinungsbild bemüht sind, die epochale Bedeutung der historischen Ereignissen zu unterstreichen: wuchtig, umfassend, bemüht um Totalität. Und es gibt Bücher, die sich stattdessen auf einen Moment konzentrieren — einen Sommer, einige Monate, eine prekäre Abfolge von Entscheidungen …

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Uwe Neumahr: „Die Buchhandlung der Exilanten — Paris 1940. Zuflucht und Widerstand“

Die Buchhandlung der Exilanten beginnt, wie so viele große Geschichten des 20. Jahrhunderts beginnen: mit einer Tür, die sich öffnet. Man tritt ein, und es ist nicht nur ein Laden, es ist ein Versprechen. Bücherregale, die sich bis zur Decke recken, Papierstapel, Gespräche, die in der Luft hängen bleiben, weil sie zu klug oder zu …

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Susanne Heim: „Die Abschottung der Welt — Als Juden vor verschlossenen Grenzen standen 1933-1945“

Als im 20. Jahrhundert Millionen Menschen vor Verfolgung, Entrechtung und schließlich Vernichtung flohen, standen sie nicht nur einem mörderischen Regime gegenüber, sondern einer Welt, die sich verschloss. In ihrem Buch „Die Abschottung der Welt — Als Juden vor verschlossenen Grenzen standen 1933–1945“ rekonstruiert die Berliner Historikerin und Politikwissenschaftlerin Susanne Heim jene globale Konstellation, in der …

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Thomas Sparr: „‘Ich will fortleben, auch nach meinem Tod‘ — Die Biographie des Tagebuchs der Anne Frank“

Als im Frühjahr 1944 eine Fünfzehnjährige in einem Amsterdamer Hinterhaus den Wunsch formulierte, sie wolle auch nach ihrem Tod weiterleben, ahnte sie nicht, dass dieser Satz zu einem der wirkmächtigsten literarischen Selbstzeugnisse des 20. Jahrhunderts führen würde. Thomas Sparr nimmt diesen Wunsch ernst — nicht als pathetische Prophezeiung, sondern als Ausgangspunkt einer ungewöhnlichen Spurensuche. Sein …

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Judith Hermann: „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“

Es gehört zu den eigentümlichen Bewegungen der Literatur, dass sie immer wieder dorthin zurückkehrt, wo das Erinnern unsicher wird. Gerade dort, wo Archive schweigen und Familiengeschichten brüchig sind, beginnt das Erzählen. Das neue Buch von Judith Hermann trägt einen Titel, der diese Bewegung bereits programmatisch formuliert: „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“. Doch dieser Wunsch …

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Helene Böhlau: „Halbtier!“

Wer sich Helene Böhlaus Roman „Halbtier!“ nähert, dem öffnet sich eine erzählerische Welt, in der psychologische Feinzeichnung und gesellschaftliche Reibung sich in einer eigentümlich schimmernden Prosa verbinden. Der Roman führt zwei Figuren zusammen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: eine junge Frau, deren innere Entwicklung zwischen Konvention und Freiheitsdrang oszilliert, und ein Mann, dessen ungebändigtes, instinktgeleitetes …

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Paul Wiegler: „Gabriele“

Es gibt Bücher, die erscheinen pünktlich zu ihrer Zeit, und solche, die ihre Zeit verfehlen, um Jahrzehnte später mit umso größerer Präzision gelesen zu werden. Paul Wieglers Roman „Gabriele“ gehört unzweifelhaft zur zweiten Kategorie. Dass dieser Text erst jetzt, viele Jahrzehnte nach dem Tod seines Autors, aus dem Schatten eines Archivs ins Licht der Öffentlichkeit …

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Martin Pfaffenzeller und Eva-Maria Schnurr (Hg.): „Die letzten Tagen von Pompeji — So lebten die Römer im Schatten des Vulkans“

In der kaum zu überbietenden Vielfalt historischer Reflexionen über das antike Pompeji zeichnet der Sammelband „Die letzten Tage von Pompeji — So lebten die Römer im Schatten des Vulkans“ ein Panorama, das den Ausbruch des Vesuvs als historischen Fixpunkt wie ein Prisma erscheinen lässt, durch das eine ganze Gesellschaft reflektiert wird. Was hier, im Schatten …

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