Aktuelle Rezensionen
kulturbuchtipps.de veröffentlicht regelmäßig Rezensionen zu neuen Büchern aus den Kultur- und Geisteswissenschaften.
Bereits 1802 hatte August Wilhelm Schlegel eine sehr dezidierte Meinung, was Neuerscheinungen betrifft… – Wir betrachten es daher als eine wichtige kulturelle Aufgabe, die Spreu vom Weizen zu trennen und Ihnen hier die wichtigsten und lesenswerten Sachbücher aus der geradezu unüberschaubaren Menge an Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt vorstellen.
Hier sehen Sie eine kurze Zusammenfassung der aktuellen Rezensionen bei kulturbuchtipps.de:
David Edmonds, Nigel Warburton: “Philosophy Bites”
Der Dialog ist seit Sokrates und Platon der Prototyp des philosophischen Gesprächs. Im Diskurs werden philosophische Fragen erörtert. Diese Form philosophischer Erkenntnissuche kann sowohl in eigener Praxis geübt, als auch mit Erkenntnisgewinn rezipiert und reflektiert werden.
Die Podcast-Interview der englischen Gesprächsreihe „Philosophy Bites“ griff genau diese Idee auf, als man 2007 begann, bekannte Philosophen zu aktuellen Themen zu interviewen und diese Interviews auf der Website (www.philosophybites.com) zu posten. – Auf dieser Website kann man übrigens alle Interviews im Original hören und/oder den Podcast abonnieren.
John Stuart Mill: “Freiheit und Gleichberechtigung – Ausgewählte Werke. Band 1″
Mills Freiheitsphilosophie steht im Mittelpunkt des vorliegenden Bandes. Eng verbunden mit dem utilitaristischen Prinzip und der zentrale Leitgedanke des Utilitarismus ist der Begriff der Freiheit. Alle Handlungen müssen frei von gesellschaftlichen und religiösen Konventionen sein, um im Sinne des Utilitarismus ihre optimale Wirkung erzielen zu können. Die freie Entfaltung des Menschen muss gewährleistet sein.
Hierzu gehört auch der für die damalige Zeit noch ungewohnte Gedanke der Gleichberechtigung der Geschlechter. John Stuart Mill darf hier zu Recht zusammen mit seiner Frau Harriett Taylor als Wegbereiter der emanzipatorischen Bewegungen im viktorianischen England der Mitte des 19. Jahrhunderts angesehen werden.
Rödiger Voss: “Wissenschaftliches Arbeiten”
Dr. Rödiger Voss ist Professor für Wirtschaftslehre und Lernmanagement an der HWZ, der Hochschule für Wirtschaft in Zürich. Vielleicht hat ihn der tägliche Umgang mit den Erzeugnissen (mehr ode r minder) wissenschaftlicher Arbeiten seiner Studenten dazu gebracht, sich einmal grundsätzlich mit einer systematischen Darstellung der Anforderungen einer wissenschaftlichen Arbeit zu beschäftigen und auf diese Weise den Studienanfänger eine Starthilfe mit auf den Weg zu geben.
Neben dem Produkt (der wissenschaftlichen Arbeit) steht in seinem Handbuch aber vor allem der Prozess der Anfertigung einer solchen Arbeit im Zentrum der Aufmerksamkeit. Besonders schön ist an diesem Arbeitsbuch, dass es auch die wissenschaftlichen Grundlagen miteinbezieht, was viele andere Ratgeber zum Thema leider nicht machen: Was sind die Grundelemente des wissenschaftlichen Arbeitens? Was unterscheidet Thesen, Hypothesen und Urteile voneinander? Was sind die Merkmale von Wissenschaftlichkeit?
Peter Singer: “Praktische Ethik”
Seit Jahrzehnten gehört Peter Singerunbestritten zu den wichtigsten Philosophen unserer Zeit. Sein Buch „Praktische Ethik“ (Practical Ethics) erschien erstmals im Jahre 1979 und gehört seitdem ebenfalls zu den Standardwerken der praktischen Philosophie.
Nun ist die dritte Auflage von Singers „Praktische Ethik“ in der deutschen Übersetzung bei Reclam erschienen. Für die neue Auflage wurde das Werk nicht nur grundlegend überarbeitet, sondern von Singer durch ein zusätzliches Kapitel über den Klimawandel erweitert.
250. Geburtstag von Jean Paul Friedrich Richter am 21. März 2013
Am 21. März 2013 feiern wir Jean Pauls 250. Geburtstag. Doch wer war dieser Jean Paul, der eigentlich Johann Paul Friedrich Richter hieß? Vor 250 Jahren im kleinen oberfränkischen Wunsiedel geboren und 62 Jahre später in Bayreuth gestorben, kann man zurecht behaupten, dass Jean Paul sein Leben dem Schreiben gewidmet hat.
Sein Nachlass wird von der Staatsbibliothek Berlin Stiftung Preußischer Kulturbesitz bewahrt. Mit ca. 40.000 Seiten gehört er zu den umfangreichsten aus der klassischen Literaturepoche. Nachdem Johann Paul zunächst von der Mutter zu einem Theologiestudium gedrängt wurde, brach er schon bald das ungeliebte Studium ab und widmete sich – für den Rest seines Lebens – dem Schreiben.
Der Erfolg gab ihm Recht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kam mit dem „Hesperus“ 1795 der große Durchbruch. Der Roman wurde der größte Erfolg seit Goethes „Werther“. Danach war Jean Paul zu einem eigenen Witz und mit den zum Teil sonderbaren Figuren seiner „zweiten Welt“ zu einem lebenden Klassiker der deutschen Literatur, wenngleich seine Werke in ihrer ausufernden Umfänglichkeit oft schwierig zu lesen waren und von vielen nicht verstanden wurden.
Arnim Regenbogen, Uwe Meyer (Hg.): “Wörterbuch der philosophischen Begriffe”
Endlich! Endlich gibt es keinen Grund mehr, sich um die Anschaffung des Standardlexikons der philosophischen Begriffe, um „den Meiner“ oder „den Meyer“ oder “den Regenbogen” zu drücken. Denn nun liegt das grüne Wörterbuch der philosophischen Begriffe endlich als Taschenbuch vor!Statt der bislang knapp 40 Euro für die gebundene Ausgabe aus dem Meiner-Verlag gibt es jetzt für schlappe 15 Euro die Taschenbuchausgabe. Puristen und Skeptiker werden natürlich zu Recht darauf verweisen, dass eine Taschenbuch-Ausgabe sich schneller abnutzt, nicht ganz so „wertig“ aussieht wie die gebundene Ausgabe usf. – Aber wen interessiert das? Entscheidend ist, was drinsteht, und der Inhalt ist bei beiden Ausgaben identisch.
Thomas Zirnbauer: “Deutsche Literatur in 60 Minuten”
Ein kleines Büchlein landete auf meinem Tisch. Hübsch gebunden und im Reclam-Format, 120 Seiten dick und mit einer angenehm großen Schrift gesetzt, versprach es eine entspannende Lektüre.
Der Titel erinnert an Klabunds „Deutsche Literaturgeschichte in einer Stunde“, was ja ziemlich genau dem Titel des vorliegenden Buches entspricht. 90 Jahre liegen zwischen der 1922 von Klabund verfassten Literaturgeschichte und der kleinen „Welt voller Geschichten“, die Zirnbauers Buch im Untertitel verspricht.
Anthony Kenny: “Die Geschichte der abendländischen Philosophie” (in 4 Bänden)
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Lehrbuch der Philosophie zu schreiben. Man kann sich den einzelnen Teildisziplinen der Philosophie widmen; man kann Kernfragen der Philosophie thematisieren; oder man kann die Geschichte der Philosophie erzählen und die wichtigsten Philosophen mit ihrem Leben und Werk beschreiben.
Anthony Kennys „Geschichte der abendländischen Philosophie“ macht all das zusammen in einer schönen vierbändigen Ausgabe, die jetzt in deutscher Übersetzung im Primus-Verlag erschienen ist.
Rainer Maria Rilke: “Du mußt dein Leben ändern”
Kann man einen Leser direkter ansprechen, als wenn man von ihm fordert, dass er umkehren und „sein Leben ändern“ müsse? Wohl kaum. Nicht zuletzt deswegen hat es Rilkes Satz, der auch zum Titel dieses kleinen Taschenbuchs aus dem Insel-Verlag geworden ist, derartige Berühmtheit erlangt.
Rilkes Antwort auf die Frage nach dem Leben ist einfach: „Alles Leben wird gelebt.“ Dabei neigen wir Menschen als denkende Wesen aber leider dazu, alles und immer zu reflektieren, zu hinterfragen und das Leben als etwas uns entweder freundlich oder feindlich Gesinntes mitzudenken.
Hellmut Flashar: “Aristoteles – Lehrer des Abendlandes”
Vor einiger Zeit hatten wir das Aristoteles-Buchvon Wolfgang Welsch an dieser Stelle besprochen und seine umfassende Beschreibung von Aristoteles und seinem philosophischen Werk gelobt. Nun liegt ein weiterer hochqualitativer versuch vor, sich dem antiken Philosophen zu nähern.
Hellmut Flashar lehrte bis zu seiner Emeritierung 1997 als Professor für Klassische Philologie an der Ruhr-Universität Bochum und der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Er ist Herausgeber der deutschen Aristoteles-Gesamtausgabe und gilt auch international als einer der renommiertesten Aristoteles-Forscher.
Franz Maciejewski: „Nofretete – Die historische Gestalt hinter der Büste“
Wenn man einer schönen Frau begegnet, schaut man ihr in die Augen – und nur in die Augen. Das gehört sich so, und so hatte es auch der Berliner Ägyptologe Ludwig Borchardt am 6. Dezember 1912 gehandhabt, als er im ägyptischen Tell El-Amarna der weltberühmten Büste der Nofretete ins Antlitz blickte.
Borchardt wusste, was sich gehört, und so hat er bei aller Schicklichkeit das entscheidende Detail an der Büste der schönen Nofretete übersehen: die zum Teil fehlende Königsschlange auf der Krone der Königin.
Auf der Frankfurter Buchmesse 2012 erzählt Bernd Brunner in seinem Gespräch mit Kulturbuchtipps.de über die Idee zu seiner Kulturgeschichte des Liegens und verrät, welche Bedeutung das Liegen in unserem Kulturkreis hat. – “Wie man sich bettet, so ruht man” heißt ein altes Sprichwort, und wer auf der Suche nach einem intelligenten, lehrreichen und unterhaltsamen Sachbuch ist, liegt mit der “Kunst des Liegens” von Bernd Brunner goldrichtig…
Bernd Brunner: “Die Kunst des Liegens – Handbuch der horizontalen Lebensform”
Etwa ein Drittel unseres Lebens verbringen wir schlafend. Wenn wir dann noch jene vor allem im Liegen möglichen Aktivitäten mitrechnen, deren Spektrum vom entspannten Dösen und Tagträumen bis zu körperlichen Höchstleistungen des Geschlechtsverkehrs reicht, so wird klar, dass wir einen nicht unerheblichen Teil unseres Lebens im Liegen verbringen.
Bernd Brunner ist Journalist und Autor einiger sehr schöner Sachbücher zu solch unterschiedlichen Themen wie dem Mond, dem Weihnachtsbaum, dem Verhältnis von Mensch und Wolf oder einer Kulturgeschichte des Aquariums. So verwundert es nicht, dass auch seine “Kunst des Liegens” ein wunderschönes, lehrreiches und gut zu lesendes Sachbuch geworden ist.
Günter Butzer, Joachim Jacob (Hg.): “Metzler Lexikon der literarischen Symbole”
Ein Buch ist ein literarisches Symbol „der Schöpfung und der Natur, der Geschichte, des Lebens, der Jurisdiktion, des gelehrten Wissens, der Seele sowie der Sphäre literarischer Fiktion“.
Im jüngst in 2. Auflage erschienenen „Lexikon der literarischen Symbole“ wird dies dann auf zwei eng beschriebenen Buchseiten anschaulich ausgeführt.
Benedikt Jeßing, Ralph Köhnen: “Einführung die die Neuere deutsche Literaturwissenschaft”
Eine Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft soll dem Studierenden helfen, einen ersten Überblick über dieses weit reichende und viele andere Disziplinen wie die Geschichte, die Kulturwissenschaften, die Philosophie und die Soziologie streifende Fachgebiet zu geben.
In didaktischer herausragender Strukturierung ist diese Einführung nun in 3. Auflage überarbeitet und aktualisiert erschienen.
Angelika Lampe, Clémont Chéroux (Hg.): “Edvard Munch – Der moderne Blick”
Wenn der Name Edvard Munch fällt, so haben die meisten von uns sicherlich sein berühmtes Bild „Der Schrei“ vor dem geistigen Auge. Und damit wird die Kenntnis bei den meisten von uns auch schon enden.
Dass das Oeuvre dieses norwegischen Künstlers jedoch viel breiter und multimedialer aufgestellt ist, wissen wohl nur die wenigsten. Dass Munch nicht nur Maler, sondern ein Universalkünstler war, der sowohl für die Bühne gearbeitet, als auch Fotografien gemacht und Filme gedreht hat, ist wohl nur den wenigsten bekannt.
Volker Meid: “Metzler Chronik Literatur”
Worum geht es in Johann Gottfried Schnabels „Insel Felsenburg“ von 1731? – Welches Werk wurde früher geschrieben: Theodor Fontanes „Vor dem Sturm“ oder Georg Büchners „Woyzeck“? – Was war so verstörend an Thomas Bernhards negativem Heimatroman „Verstörung“?
Wer sich mit solchen Fragen beschäftigt und nicht auf Internetquellen wie Google oder Wikipedia zurück greifen möchte, die immer wieder ihre Fragwürdigkeit beweisen und deshalb im akademischen Umfeld bestenfalls als Zweitinformationsquelle Anerkennung finden, ist mit der „Metzler Chronik Literatur“ der Werke deutschsprachiger Autoren bestens bedient.
Volker Meid: “Reclam-Buch der deutschen Literatur”
Es gibt verschiedene Arten und Weisen, sich mit deutscher Literatur zu beschäftigen. Zunächst liegt es nahe, sich den wichtigsten und interessantesten Werken der deutschen Literaturgeschichte zu widmen, hier einen Goethe, da einen Jean Paul und danach vielleicht einen Theodor Fontane zu lesen. Die Auswahl der Lektüre kann heuristisch oder chronologisch erfolgen, man kann sich in einer gut sortierten Buchhandlung vom eigenen Bauchgefühl oder von den guten Empfehlungen befreundeter Leseratten oder professioneller Literaturkritiker inspirieren lassen.
Moritz Wullen u.a. (Hg.): “Von mehr als einer Welt – Die Künste der Aufklärung”
Das hier vorgestellte Buch ist der Katalog einer Ausstellung, die bis vor kurzem im Kulturforum Berlin stattfand. Doch es handelt sich nicht um einen gewöhnlichen Ausstellungskatalog, sondern „Von mehr als einer Welt“ geht weit über die Abbildung und Kurzbeschreibung der Exponate hinaus.
Die Aufklärung hat im 18. Jahrhundert das Weltbild und das Denken der Menschen nachhaltig verändert, und ihre Auswirkungen kann man heute noch beobachten. Die Erkenntnisse der Naturwissenschaften, die Loslösung von einschränkenden christlichen Dogmen, die Entstehung des bürgerlichen Standes und die umwälzenden Erkenntnisse der Philosophie führten zu einer Befreiung und „Erleuchtung“ des menschlichen Geistes.
Matthias Stolz, Jörg Block: “Deutschlandkarte – 102 neue Wahrheiten”
Die meisten Kampfhunde gibt es in Ostdeutschland, die schlimmsten Autounfälle in Bayern und die meisten Morde in Berlin, wo sonst.
Wer mehr wissen möchte, schaut auf die neuen Deutschlandkarten, die seit einigen Jahren im ZEIT-Magazin erscheinen und das Herz jedes Intellektuellen höher schlagen lassen. So bekommt man wöchentlich ein wunderbares Gesprächsthema, das die eigenen Vorurteile bestätigt oder eben auch einmal widerlegt.
Karen Duve: “Anständig essen – Ein Selbstversuch”
„Setz’ dich anständig hin! Hör’ auf, in der Nase zu popeln und mit dem Stuhl zu kippeln! Hände auf den Tisch! Spiel’ nicht mit dem Essen!“ – Mit diesen Regeln sind wir aufgewachsen, und natürlich wissen wir, wie man anständig mit Messer und Gabel isst. Aber reicht das wirklich aus?
In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit zum Credo einer ganzen Generation geworden ist, die es endlich geschafft hat, sich Schritt für Schritt aus der fleischfressenden Bewusstlosigkeit der schlemmenden Nachkriegsjahre zu befreien und bewusster mit der eigenen Ernährung und den Ressourcen der Umwelt umzugehen, ist es einfach nicht mehr anständig, weiter auf dem täglichen Fleischkonsum zu bestehen.
Hanna Dietz: “Männerkrankheiten”
Dieses Buch ist eine Unverschämtheit! Eine völlig einseitige Darstellung! Ein Angriff auf die männliche Vormachtstellung! Und ein unglaublicher Spaß!
Um mich gleich zu outen: Ja, ich bin ein Mann und ich kann nicht anders. Ich will auch gar nicht anders sein. Und doch fühlte ich mich bei der Lektüre dieses tendenziösen und absolut unkorrekten Buches, das sich über ernsthafte männliche Gebrechen lustig macht, letzten Ende von der Autorin sehr gut verstanden.
Friedrich Buchmayr: “Madame Strindberg oder die Faszination der Bohème”
August Strindberg kennt eigentlich jeder. Seine Stücke haben Theatergeschichte geschrieben, und am 14. Mai 2012 begang man weltweit den 100. Todestag des großen schwedischen Dramatikers. Doch wer kennt Strindbergs Frauen?
Strindberg war drei Mal verheiratet, und „Madame Strindberg“, die zweite, war Frida Uhl, eine Frau, die es „wissen wollte“ und wohl auch Strindberg ziemlich aus dem Konzept gebracht haben muss. Dass die Ehe mit der 23 Jahre jüngeren Frida nicht leicht war, kann man sich gut vorstellen.
Bernhard Pörksen, Hanne Detel: “Der entfesselte Skandal”
Deutschland wird Zeuge einer beispiellosen Rückrufaktion. Doktorwürden wurden offenbar nicht nur in Einzelfällen, sondern reihenweise ungeprüft vergeben. Der nachträgliche Entzug des Doktortitels nach einer eingehenden fachlichen Prüfung und der damit meist einhergehenden Selbstbezichtigung der/des Beschuldigten können nur im Nachhinein den Rechtszustand wiederherstellen, jedoch nur in wenigen Fällen den nachhaltigen Schaden des Ansehens der Universitäten und des Professorenstands insgesamt abwenden.
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Kathrin Fischer: “Generation Laminat – Mit uns beginnt der Abstieg”
Es gibt Leute, die führen ein Leben auf Pump. Sie schnorren sich durch und geben vor, jemand zu sein, der sie gar nicht sind.
Und es gibt Leute, die sind fleißig, haben einen relativ gut bezahlten Job, manchmal sogar eine Arbeit, die sie ausfüllt, eine Familie, die gesund ist und zusammen hält – und trotzdem reicht das Geld nicht, um den Lebensstandard zu halten, den man aus seiner Jugendzeit und von den Eltern kannte.
N.N.: “Der Untergang der Titanic – Nach Berichten von geretteten Augenzeugen”
Auf den großen Flüchtlingsschiffen des Zweiten Weltkriegs, der „Cap Arkona“ und der „Wilhelm Gustloff“ ertranken weit mehr Menschen in den kalten Fluten der Ostsee. Auf dem Weg nach Lampedusa kommen täglich Flüchtlinge aus Nordafrika in ihren Booten ums Leben.
Und trotzdem übt auch heute noch der Untergang der Titanic eine seltsame Faszination auf uns aus. Vielleicht weil gerade die Titanic jenen unglaublichen Luxus und gleichzeitig jenes unbeschreibliche Grauen in einem Namen vereint.
Das Wort Kanon ist eine Entlehnung aus lateinisch canon = Norm, Regel, das ursprünglich aus dem Griechischen κανών, kanón = Leitfaden, Maßstab, etwas Mustergültiges, Maßgebendes stammt.
Brauchen wir einen Kanon der deutschen Kultur? Sollte es einen verbindlichen Kern kultureller Wissenswerte geben, die an Schüler vermittelt werden sollen?
Wie sieht ein guter Staat aus? „Nie waren die Ausgaben der Wohlfahrtsstaaten so hoch wie heute. Nie war der Grad der Verschuldung dieser Staaten so groß wie heute. Nie war die Krise der Wohlfahrtstaaten so manifest wie heute. Aber liefern die Staaten ihren Bürgern für das viele Geld wenigstens ausreichend Wohlfahrt, Sicherheit und Gleichheit? Hat das Ganze wenigstens irgendeinen erkennbaren Nutzen? Lohnt sich der üppige Staat?“
Rainer Hank, der diese Fragen stellt, hat auch eine klare Antwort parat: nein.
Friederike Wißmann: “Hanns Eisler – Komponist. Weltbürger. Revolutionär”
Johannes Eisler kam als Sohn eines Philosophen und einer Fleischerstochter am 6. Juli 1898 in Leipzig zur Welt. Während er Vater Rudolf mit jenem dem Zeitgeschmack entsprechenden Abstand ehrte, stilisierte er zeitlebens die Mutter zur Arbeiterin hoch.
Seine Kindheit verbrachte Eisler in Wien. Schon bald erkannten die Eltern seine musikalischen Neigungen und förderten sie.
Else Buschheuer: “Verrückt bleiben! – Mein Leitfaden für freie Radikale”
“Die Masse der Menschen führt ein Leben in stiller Verzweiflung.” Dieser bemerkenswerte Satz stammt von Henry David Thoreau. Vor fast 160 Jahren beschrieb er in “Walden” sein Einsiedlerleben in einer Blockhütte, in die er sich 1845 in die er sich in die Wälder von Concord (Massachussetts) am Walden Pond zurückzog.
Dieser Satz von den Menschen in stiller Verzweiflung scheint wie auf unsere heutige Zeit zugeschnitten. Wir sind gestresst, gehetzt von einer unbarmherzigen Durchttaktung unseres Alltags, erbarmungslos unterworfen einem Diktat permanenter Verfügbarkeit und der völligen Aufhebung der Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben.
Annette Seemann: “Weimar – Eine Kulturgeschichte”
Die Geschichte beginnt vor etwa 230.000 Jahren, als sich einige Jäger und Sammler unter günstigen klimatischen Bedingungen im Zentrum des Thüringer Beckens ansiedelten und ihren Beschäftigungen nachgingen. Doch bis zur Gründung der Stadt Weimar und ihrer ersten urkundlichen Erwähnung sollten noch einige Hunderttausend Jahre vergehen.
Im Jahr 1249 war es endlich so weit: Die älteste überlieferte Erwähnung stammt aus einer Urkunde des Zisterzienserinnenklosters Oberweimar, in der von einem „Conradus Plebanus de Wimare“ die Rede ist. Zuvor erwähnte eine Urkunde der Siedlungsgebiete König Arnulfs schon 899 ein gewisses „Vvigmara“.
Marion Gräfin Dönhoff: “Zeichen ihrer Zeit” – Erinnerungen zum 10. Todestaag am 11.03.12
Der zehnte Todestag von Marion Gräfin Dönhoff ist ein trauriger und dennoch guter Anlass, sich eingehender mit dem Leben und Werk der wohl bedeutendsten deutschen Publizistin der Nachkriegszeit zu beschäftigen.
Geboren zur Kaiserzeit im ostpreußischen Friedrichstein an einem kalten Dezembertag im Jahre 1909, studierte sie zunächst Volkswirtschaft in Frankfurt und Basel. Bis zum Kriegsende leitete sie das elterliche Gut in Ostpreußen.
Nach der gelungenen Flucht in Richtung Westen wurde sie in Hamburg eher durch Zufall eines der Gründungsmitglieder einer neuen Zeitung: DIE ZEIT. Der Rest ist Geschichte.
Gabriele Farke: “Gefangen im Netz? – Onlinesucht: Chats, Onlinespiele, Cybersex”
Der Übergang von einem intensiven und sinnvollen Gebrauch des Internets hin zu einem suchtartigen Verhalten, bei dem auf die Online-Welt nicht mehr verzichtet werden kann, erfolgt schleichend.
Die Ursachen für ein Abrutschen in die Onlinesucht sind nicht nur, aber eben auch eine Frage des Charakters und der Veranlagungen.
Wenn zwei große Schriftsteller miteinander befreundet sind und über mehrere Jahre miteinander korrespondieren, so ist eine spannende Lektüre garantiert. Der Briefwechsel zwischen Joseph Roth und dem dreizehn Jahre älteren Stefan Zweig liest sich wie eine aus unzähligen persönlichen Erfahrungen zusammen gesetzte Collage vor dem Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Ereignisse der 1930er Jahre.
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Oliver Leistert, Theo Röhle (Hg.): “Generation Facebook – Über das Leben im Social Net”
Der vorliegende Reader, herausgegeben von den beiden Medienwissenschaftlern Oliver Leistert und Theo Röhle, versammelt Aufsätze zum Phänomen Facebook.
Insgesamt äußern sich 21 Soziologen, Medien- und Kulturwissenschaftler zum weltgrößten sozialen Netzwerk. Wäre Facebook ein Land, so wäre es mit seinen über 800 Millionen Nutzern das Land mit der drittgrößten Bevölkerung nach China und Indien. Solch ein Koloss bildet nicht nur einen eigenständigen Kulturraum, sondern besitzt auch die Kraft, auf das Leben und den Alltag in den Ländern seiner Benutzer auszustrahlen.
Ulrich Schnabel: “Muße – Vom Glück des Nichtstuns”
Die Kunst des Nichtstuns ist aus der Mode gekommen. Oft wird Muße mit Müßiggang in Verbinddung gebracht, was leider falsch ist. Während der Müßiggänger einen natürlichen, ja manchmal sogar professionellen Hang zum Faulsein pflegt, ist, wer der eigenen Muße nachgeht bzw. sie hat, nur scheinbar inaktiv.
Die Muße kann mitunter den Geist in einen sehr produktiven und kreativen Zustand versetzen, der nicht nur die mentalen Batterien auflädt, sondern zu ganz neuen Ideen und Problemlösungen verhelfen kann. Muße kann man trainieren. Sie nicht nur im Jahresurlaub oder an den Wochenenden wie einen alten Jogginganzug aus dem Schrank zu holen, sondern sie täglich zu üben und in ihr den Gedanken ihren freien Lauf zu lassen, ist der Königsweg der Lebenskunst in einer hektischen und von Stressfaktoren geprägten Umwelt.
Dambisa Moyo: “Der Untergang des Westens – Haben wir eine Chance in der neuen Wirtschaftsordnung?”
Was passiert eigentlich mit uns, wenn der Euro kracht, die Afrikaner künftig noch größere und seefestere Schiffe bauen und die Chinesen noch reicher und zahlreicher werden? Haben Europa und die westliche Welt noch eine Überlebenschance? Oder geht das Abendland nun doch knapp neunzig Jahre nach seinem von Oswald Spengler prognostizierten Ende unter?
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Bernd Brunner: Interview auf der Frankfurter Buchmesse 2012 zu “Die Kunst des Liegens – Handbuch der horizontalen Lebensform”
Berthold Franke u.a. (Hg.): “Kanon und Bestenlisten – Was gilt in der Kultur? Was zählt für Deutschlands Nachbarn?”
Rainer Hank: “Die Pleite-Republik – Wie der Schuldenstaat uns entmündigt und wie wir uns befreien können”
Madeleine Rietra, Rainer-Joachim Siegel (Hg.): “Joseph Roth und Stefan Zweig – Briefwechsel 1927-1938″


