kulturbuchtipps.de veröffentlicht regelmäßig Rezensionen zu neuen Büchern aus den Kultur- und Geisteswissenschaften.
Bereits 1802 hatte August Wilhelm Schlegel eine sehr dezidierte Meinung, was Neuerscheinungen betrifft… – Ich betrachte es daher als eine wichtige kulturelle Aufgabe, die Spreu vom Weizen zu trennen und Ihnen hier die wichtigsten und lesenswerten Sachbücher aus der geradezu unüberschaubaren Menge an Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt vorzustellen.
Hier sehen Sie eine kurze Zusammenfassung der aktuellen Rezensionen bei kulturbuchtipps.de:
Ralf Höller: „Aus dem Geschichtsbuch gefallen“
Die Geschichte hat ein eigentümliches Gedächtnis. Sie merkt sich die Namen derer, die gesiegt haben, und vergisst mit bemerkenswerter Zuverlässigkeit jene, die unterlegen waren, verschwanden oder schlicht zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Das ist zunächst kein Skandal, sondern eine Folge ihrer eigenen Mechanik. Wer einen Krieg gewinnt, hinterlässt Archive, Denkmäler, Münzen, Gesetze und Nachkommen, die seinen Erfolg weitererzählen. Wer verliert, verliert häufig nicht nur den Kampf, sondern auch die Möglichkeit, über den Kampf zu berichten. Die Sieger besitzen die Mittel der Überlieferung. Sie verfügen über die Archive, die Institutionen, die Schulbücher und später über die Straßennamen. So entsteht jene eigentümliche Täuschung, die wir Geschichte nennen: Wir halten das, was überliefert wurde, für das, was geschehen ist.
Walter Benjamin hat dieser Täuschung mit einer Radikalität widersprochen, die bis heute nichts von ihrer Unbequemlichkeit verloren hat. Für ihn war Geschichte niemals ein neutrales Reservoir vergangener Tatsachen, aus dem sich der Historiker lediglich bedienen müsste. Geschichte ist vielmehr ein Kampfplatz, auf dem noch die Toten gefährdet sind. Denn auch nach ihrem Tod können die Unterlegenen ein zweites Mal besiegt werden: indem man sie vergisst. Benjamin hat deshalb den Historiker nicht als freundlichen Archivar der Vergangenheit verstanden, sondern als jemanden, der im richtigen Augenblick gegen die Ordnung des Überlieferten einschreitet. Seine Geschichtsphilosophie verlangt, die Vergangenheit nicht einfach so zu betrachten, wie sie gewesen ist, sondern jene verschütteten Möglichkeiten wahrzunehmen, die in ihr fortbestehen. Die Vergangenheit ist für Benjamin nicht erledigt. Sie besitzt Ansprüche an die Gegenwart.
Jakob Schwerdtfeger: „Punkt Punkt Komma Strich, fertig ist die Kunstgeschicht“
Man muss Kunstgeschichte nicht unbedingt lustig finden. Man sollte sie nur nicht fürchten. Genau an dieser Furcht setzt Jakob Schwerdtfeger an. Vor einem Gemälde beginnt für viele Menschen nämlich nicht das Sehen, sondern die Einschüchterung: Man steht da, betrachtet einen Menschen mit seltsam langem Hals, eine Heilige mit goldener Aura oder ein Gewirr aus geometrischen Formen und wartet darauf, dass einem jemand erklärt, was man darin gefälligst erkennen soll. Kunst hat in unserer Gesellschaft einen eigentümlichen Status. Sie gilt als öffentlich zugänglich und bleibt zugleich sozial codiert. Jeder darf ins Museum, aber längst nicht jeder fühlt sich dort zu Hause. Schwerdtfeger hat diese Distanz erkannt und versucht, sie mit einem Mittel zu überwinden, das in der Kunstvermittlung noch immer ein wenig unter Verdacht steht: Humor.
Jakob Schwerdtfeger ist dafür eine ungewöhnliche, aber geradezu ideale Figur. 1988 in Hannover geboren, studierte er Kunstgeschichte und arbeitete anschließend längere Zeit als Kunstvermittler am Frankfurter Städel Museum. Ein Digitorial über Claude Monet, an dem er beteiligt war, erhielt den Grimme Online Award. Seit 2012 steht Schwerdtfeger auf Bühnen, zunächst auch als Freestyle-Rapper und Poetry-Slammer, inzwischen als Stand-up-Comedian. Er verbindet also zwei Welten, die sich auf den ersten Blick nur schwer miteinander vertragen: die akademisch institutionalisierte Kunstgeschichte und die populäre Unterhaltung. Heute vermittelt er Kunst auf der Bühne, in Podcasts, Videos und sozialen Medien; seine Kurzvideos erreichen nach Angaben des Verlags ein Millionenpublikum. Das ist keine Nebensache, sondern der Schlüssel zu seinem neuen Buch. Schwerdtfeger schreibt nicht aus dem Elfenbeinturm heraus über die Welt der Kunst, sondern aus der Erfahrung eines Vermittlers, der gelernt hat, dass ein Publikum zunächst einmal gewonnen werden muss.
Joseph Roth kam nicht nach Berlin, um Berliner zu werden. Das ist der erste Satz, den man sich vor seinen Berliner Feuilletons stellen sollte. Er kam, weil Berlin Arbeit versprach, Zeitungen brauchte und weil ein Journalist, der von seiner Feder leben wollte, an der Spree bessere Aussichten hatte als anderswo. Die Stadt war ihm zunächst kein Schicksalsort, sondern ein beruflicher Zufall. Aber gerade aus diesem Zufall entstand eine der eigentümlichsten literarischen Beziehungen zwischen einem Schriftsteller und einer europäischen Metropole der zwanziger Jahre. Roth hat Berlin weder zum mythischen Sehnsuchtsort erhoben noch es, wie so manche späteren Berlin-Legenden, zum Schauplatz einer ununterbrochenen modernen Glückserfahrung verklärt. Er beobachtete die Stadt. Und zwar mit der Genauigkeit eines Mannes, der weiß, dass man einer Stadt umso genauer auf die Finger sehen muss, je weniger man in ihr zu Hause ist.
Der im BeBra Verlag erschienene Band Berliner Flair versammelt einige der schönsten Berlin-Texte Roths und führt damit in eine Stadt zurück, die uns inzwischen beinahe vertrauter geworden ist als den Menschen, die damals in ihr lebten. Denn unser Bild der 1920er Jahre ist längst von der nachträglichen Ikonographie der „Goldenen Zwanziger“ überformt: Charleston, Bubikopf, Kinopaläste, Warenhäuser, elektrische Reklame, Nachtleben, Avantgarde. Roth schreibt aus einer Zeit, in der diese Bilder noch keine Bilder waren, sondern Gegenwart. Gerade deshalb wirken seine Texte so frisch. Sie wissen nichts von dem Museum, zu dem Berlin später werden sollte. Sie kennen nur die Stadt, die sich selbst noch nicht als historische Epoche erkannt hat.
Walter Benjamin: „Berliner Kindheit um Neunzehnhundert“
Walter Benjamins Berliner Kindheit um Neunzehnhundert beginnt nicht mit einer Geburt, nicht mit einer Familie und auch nicht mit jener feierlichen Geste, mit der die Autobiographie gewöhnlich ihr Recht auf das eigene Leben anmeldet. Dieses Buch besitzt keinen Lebenslauf. Es besitzt Zimmer, Höfe, Straßen, Gegenstände, Gerüche, Namen und Geräusche. Ein Kind erinnert sich hier nicht an das, was ihm geschehen ist; die Welt erinnert sich durch das Kind an sich selbst. Darin liegt die eigentümliche Kühnheit dieses schmalen Textes. Benjamin verwandelt die Erinnerung nicht einfach nur in einen Blick zurück, sondern in ein Verfahren der Erkenntnis. Das Vergangene wird nicht rekonstruiert, es wird an seinen Resten sichtbar gemacht.
Die Herausgeberin der aktuellen Reclam-Ausgabe 2026 von Walter Benjamins vielleicht bekanntestem Text ist die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Hochschullehrerin, Essayistin und Schriftstellerin Andrea Gnam; in ihrem Nachwort macht sie auf eine Überlegung Benjamins aus der Einbahnstraße aufmerksam, die einen besonders präzisen Schlüssel zu diesem Text liefert. Benjamin unterscheidet dort drei Ebenen des Textes: eine musikalische, die sich in Sprache, Rhythmus und Klang entfaltet; eine architektonische, die den Aufbau und die innere Ordnung betrifft; und eine textile, die aus einem Gewebe von Verknüpfungen und Verweisen besteht. — Ein Text ist bei Benjamin niemals bloß etwas, das eine einzige Bedeutung transportiert. Jeder Text besitzt eine Stimme, einen Bau und ein Gewebe. Gerade die Berliner Kindheit lässt sich als ein Werk lesen, in dem diese drei Dimensionen so eng ineinandergreifen, dass man sie nur um den Preis eines Missverständnisses voneinander trennt. Mehr dazu weiter unten.
Man bekommt gelegentlich Bücher auf den Tisch, bei denen man schon vor der ersten Seite weiß, was von einem erwartet wird. Man soll die Autorin würdigen, die Preise erwähnen, die literarische Bedeutung andeuten, ein paar gesellschaftliche Großwetterlagen darüberlegen und am Ende möglichst einen Satz finden, der auf dem Umschlag noch als Lob funktionieren könnte.
Eva Menasses „Alleinruhelage“ schien mir zunächst genau in diese Kategorie zu gehören. Ein Roman über eine Frau nach dem Ende ihrer Ehe, ein Haus am See, Gartenarbeit, Nachbarn, Erinnerungen, ein wenig deutsch-deutsche Geschichte und natürlich eine Wienerin, die seit Jahrzehnten in Berlin lebt: Das roch zunächst nach jener Sorte Gegenwartsliteratur, in der das Private so lange mit Bedeutung aufgeladen wird, bis auch der defekte Wasserhahn noch als Metapher für die gesellschaftliche Verfassung durchgeht.
Nun hat Eva Menasse allerdings einen entscheidenden Fehler gemacht: Sie hat einen guten Roman geschrieben. — Das ist ärgerlich, weil es die bequeme Skepsis, mit der man an das Buch herangehen könnte, beträchtlich erschwert. Nach den ersten Seiten beginnt man sich tatsächlich für dieses Haus, diese Frau, ihre Ehe, ihre Nachbarn und vor allem für die merkwürdige Welt zu interessieren, in die sie sich da draußen am See hineingekauft hat. Und irgendwann merkt man, dass man längst nicht mehr die literarische Pflichtübung absolviert, sondern Vergnügen empfindet. Nicht das große, erhabene Vergnügen der sogenannten bedeutenden Literatur, sondern ein viel selteneres: das Vergnügen, einer klugen, wachen, manchmal boshaften und immer neugierigen Erzählerin beim Denken zuzusehen.
Sinthujan Varatharajah: „Wo Zeit stehen bleibt — Vom Tourismus und seiner Gewalt“
Auf dem Tisch liegt ein Buch, dessen Titel zunächst fast harmlos klingt: „Wo Zeit stehen bleibt. Vom Tourismus und seiner Gewalt“. Erst der Untertitel verrät, dass hier nicht vom Reisen als Freizeitbeschäftigung die Rede sein soll. Es geht um Tourismus als eine Form des Sehens, des Besitzens und des Vergessens; um die eigentümliche Gewalt, die dort entstehen kann, wo Menschen einen Ort als Urlaubsziel betrachten, während andere mit eben diesem Ort eine Geschichte von Krieg, Vertreibung, Kolonialismus oder Verlust verbinden. Schon der Paratext des Buches setzt dabei ein Zeichen. Sinthujan Varatharajah wird als „Essayist*in“ und „politische*r Geograf*in“ bezeichnet, die Geschlechtszugehörigkeit also nicht in die vertrauten Kategorien von Mann und Frau übersetzt. Man könnte das als jene gegenwärtig beliebte Form literarischer Selbstinszenierung lesen, mit der ein Verlag sein Buch für ein queeres, urbanes und politisch sensibilisiertes Publikum interessant macht. Bei Varatharajah wäre eine solche Erklärung jedoch zu kurz gegriffen. Die nonbinäre Selbstpositionierung gehört seit Jahren zur öffentlichen Erscheinung der Person; sie ist nicht erst für dieses Buch erfunden worden. Zugleich sollte man sich davor hüten, aus den sprachlichen Markierungen des Paratextes eine genauere geschlechtliche Identität herauszulesen, als Varatharajah selbst formuliert. Entscheidend ist vielmehr, dass hier eine Person schreibt, die sich der eindeutigen Zuordnung entzieht — und dass diese Verweigerung von Eindeutigkeit erstaunlich gut zu einem Werk passt, das sich immer wieder mit den Grenzen beschäftigt, durch die Menschen, Räume und Identitäten voneinander geschieden werden.
Jamie Bartlett: „Wie man mit KI spricht (und wie besser nicht)“
Unsere Zeiten sind schnelllebig. Gerade wenn es um topaktuelle Themen geht — und dazu gehört definitiv das Thema KI —, so sind Bücher in der Regel nicht das geeignetste Medium zur Wissensvermittlung. Oft sind die Inhalte schon wieder veraltet, sobald das Buch gedruckt ist. — Doch das vorliegende Buch macht eine Ausnahme.
Jamie Bartlett gehört zu den bekanntesten britischen Tech-Journalisten. Wenn es um Künstliche Intelligenz (KI) geht, gehört der für die BBC arbeitende Journalist zu den ersten Adressen, an die man nach sich wenden würde, wenn man Fragen hat, die dieses Wissensgebiet betreffen. — Wie schön, dass nun sein in diesem Jahr im englischen Sprachraum erschienener Bestseller „How to speak to AI (and how not to)“ auch in deutscher Übersetzung erhältlich ist! — Worum geht es?!
Es gehört zu den eigentümlichen Ironien unserer Gegenwart, dass der Mensch, kaum hat er eine Maschine hervorgebracht, die seine Sprache erstaunlich gut versteht, zunächst lernen muss, mit ihr selbst wieder richtig zu sprechen. Die technische Revolution der Large Language Models (LLMs) hat nämlich eine merkwürdige Verschiebung hervorgebracht: Nicht mehr allein die Maschine muss sich dem Menschen anpassen, sondern der Mensch beginnt, seine eigene Sprache, seine Fragen, seine Erwartungen und sogar seine Denkgewohnheiten an die Maschine anzupassen. Damit ist die Künstliche Intelligenz, genauer gesagt die sprachbasierte KI, endgültig aus dem Bereich des technischen Werkzeugs herausgetreten. Sie ist zu einem Kommunikationsmedium geworden. Und mit jedem Medium verändert sich nicht nur das, was wir mitteilen können, sondern auch die Art, wie wir denken, erinnern, urteilen und uns selbst gegenübertreten.
Jasmin Lörchner und Eva Maria Schnurr (Hg.): „Das andere Mittelalter — Philosophinnen, Demokratie, Nachhaltigkeit: Wie die Menschen vor 1000 Jahren wirklich lebten und dachten“
Wenn wir an das Mittelalter denken, sehen wir selten das Mittelalter. Wir sehen eine Erfindung der Neuzeit: dunkle Burgen, Pest und Scheiterhaufen, fanatische Mönche, rohe Ritter, abergläubische Bauern, eine Welt aus Gewalt, Hunger und religiöser Angst. Zwischen dem Untergang der Antike und dem Auftritt der Renaissance scheint sich in dieser Vorstellung ein gewaltiger historischer Abgrund aufzutun. Die Menschheit fällt zurück, verliert Wissen und Vernunft, lebt ein Jahrtausend lang in geistiger Dämmerung — bis irgendwann die Renaissance die Fenster öffnet und wieder Licht in die Welt lässt.
Das ist eine schöne Geschichte. Nur hat sie mit der Geschichte wenig zu tun. Das Mittelalter war niemals so dunkel, wie es die späteren Jahrhunderte haben wollten. Es war auch nicht die kindliche Vorstufe einer Moderne, die bereits alle Maßstäbe für das Kommende in sich trug. Es war eine eigene Welt mit eigenen Formen des Denkens, Handelns und Zusammenlebens, mit Gewalt und Fürsorge, religiösem Eifer und intellektueller Neugier, starren Hierarchien und erstaunlichen Möglichkeiten sozialer Bewegung. Vor allem aber war es eine Welt voller Widersprüche.
Genau diese andere Geschichte erzählt der Sammelband Das andere Mittelalter, herausgegeben von Eva-Maria Schnurr und Jasmin Lörchner. Die Beiträge, ursprünglich aus einer Ausgabe von SPIEGEL Geschichte hervorgegangen, versammeln historische Fallgeschichten, die das vertraute Bild der Epoche an entscheidenden Stellen korrigieren. Philosophinnen treten aus dem Schatten der großen männlichen Gelehrtengeschichte hervor, politische Formen jenseits moderner Parlamente zeigen überraschende Partizipationsmöglichkeiten, Handels- und Kulturkontakte lassen das mittelalterliche Europa als Teil einer weit größeren Welt erscheinen.
Günter Karl Bose: „Legenden / Captions — Geschichten zu Fotografien. Essays“
Fotografien genießen seit ihrer Erfindung den Ruf, Wirklichkeit festzuhalten. Sie gelten als unmittelbare Zeugnisse dessen, was einmal gewesen ist. Doch dieser Glaube gehört zu den hartnäckigsten Illusionen der Moderne. Eine Fotografie zeigt vieles — und erklärt fast nichts. Sie hält einen Augenblick fest, verschweigt jedoch seine Vorgeschichte, seine Folgen und seine Bedeutung. Wer ein altes Foto betrachtet, sieht zunächst nur Lichtspuren aus einer vergangenen Zeit. Erst Sprache macht daraus Geschichte.
Mit dieser ebenso einfachen wie weitreichenden Einsicht beginnt der geistige Horizont von Günter Karl Boses Essayband Legenden / Captions – Geschichten zu Fotografien. Das Buch handelt nicht von der Fotografie als Kunstform, nicht von Kameratechnik und auch nicht von einer Geschichte des Mediums. Sein eigentlicher Gegenstand liegt in jener schmalen Zone zwischen Bild und Text, die gewöhnlich übersehen wird: der Bildunterschrift. Bose versteht sie nicht als nachträgliche Erläuterung eines bereits vollständigen Bildes, sondern als dessen eigentliche Voraussetzung. Fotografien sprechen nicht aus sich selbst. Sie erhalten ihre historische Aussagekraft erst durch den Kontext, den ihnen Namen, Orte, Daten und Erzählungen verleihen.
Der Autor verfolgt diesen Gedanken anhand von sieben Essays, deren Themen auf den ersten Blick kaum miteinander verbunden scheinen. Die wiederentdeckten Fotografien der gescheiterten Andrée-Expedition stehen neben Aufnahmen Edvard Munchs, ein berühmtes Kafka-Porträt neben der Geschichte der Automatenfotografie, Fotografien Alfred Eisenstaedts neben Überlegungen zur Retusche und schließlich Luftbildern der Royal Air Force aus dem Bombenkrieg. Gerade diese Heterogenität erweist sich als konzeptionelle Stärke. Bose schreibt keine Geschichte der Fotografie, sondern eine Geschichte fotografischer Bedeutungen. Jeder Essay untersucht einen anderen Weg, auf dem Bilder ihren Sinn verändern, weil sich die Geschichten verändern, die über sie erzählt werden.
Franziska zu Reventlow: „Ellen“
Franziska zu Reventlows „Ellen Olestjerne“ gehört zu jenen Romanen, die ihre eigentliche Sprengkraft erst lange nach ihrem Erscheinen entfalten. Als das Buch 1903 veröffentlicht wurde, ließ es sich durchaus als Künstlerroman, als autobiographisch gefärbte Entwicklungsgeschichte oder als literarischer Beitrag zur damals heftig diskutierten „Frauenfrage“ lesen. Heute hingegen erscheint es als Dokument einer Epoche, in der sich die Fundamente bürgerlicher Lebensentwürfe bereits sichtbar zu verschieben begannen. Reventlow erzählt nicht einfach die Geschichte einer jungen Frau. Sie beschreibt die allmähliche Erosion einer Welt, deren Werte noch als selbstverständlich gelten, deren Überzeugungskraft jedoch längst brüchig geworden ist. Genau darin liegt die Modernität dieses Romans: Er handelt weniger von einer Rebellion als von einem Erwachen. Seine Heldin entdeckt nicht die Freiheit — sie entdeckt zunächst, dass das, was man ihr als Natur, Moral oder Bestimmung verkauft hat, nichts anderes ist als eine gesellschaftliche Konstruktion.
Es gehört zu den reizvollen Eigenheiten des Romans, dass sich Biographie und Fiktion kaum sauber voneinander trennen lassen. Franziska zu Reventlow hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie ihre eigenen Erfahrungen zum Material ihrer Literatur machte. Dennoch wäre es zu einfach, „Ellen Olestjerne“ als bloß verschlüsselten Lebensbericht zu lesen. Vielmehr geschieht hier etwas, das große autobiographische Literatur seit jeher auszeichnet: Das individuelle Leben wird zu einer Versuchsanordnung, an der sich allgemeine Fragen untersuchen lassen. Ellen ist Franziska — und zugleich weit mehr als sie. Sie wird zu einer literarischen Figur, an der sichtbar wird, wie eng weibliche Lebensläufe um 1900 von gesellschaftlichen Erwartungen eingefasst waren und welchen Preis jene bezahlen mussten, die sich weigerten, diese Erwartungen widerspruchslos zu erfüllen.
Gunna Wendt: „Frauen von morgen — Die Schwestern Richthofen im Kreise der Bohème“
Es gehört zu den eigentümlichen Gewohnheiten der Geschichte, dass sie ihre Erinnerungen nachträglich ordnet. Sie bewahrt Namen auf, verwirft andere, erhebt manche Menschen zu Symbolfiguren und lässt andere in den Fußnoten verschwinden, obwohl gerade sie das geistige Klima ihrer Zeit vielleicht präziser verkörperten als jene, die später Denkmäler erhielten. Historisches Erinnern folgt selten den Maßstäben historischer Bedeutung. Es folgt Erzählungen. Es bevorzugt Helden, Genies und Katastrophen. Dazwischen aber existieren jene Biographien, in denen sich eine Epoche gleichsam beiläufig ausspricht. Sie sind keine Randnotizen der Geschichte, sondern ihre empfindlichsten Seismographen. Zu diesen Biographien gehören Else und Frieda von Richthofen.
Der Name Richthofen ist bis heute von einem anderen Mythos besetzt. Fast unwillkürlich denkt man an den „Roten Baron“, an die Luftkämpfe des Ersten Weltkriegs, an jene Verbindung aus aristokratischem Selbstverständnis, technischem Fortschritt und militärischer Romantik, die das wilhelminische Deutschland noch immer begleitet wie ein hartnäckiger Schatten. Dass derselben Familie zwei Frauen entstammten, deren Lebenswege den eigentlichen Aufbruch in die Moderne weit genauer spiegeln als die Legende des berühmten Fliegerasses, gehört zu den Ironien kultureller Erinnerung. Else und Frieda von Richthofen waren keine Heldinnen im klassischen Sinn. Sie führten keine Armeen, gründeten keine Parteien, veröffentlichten keine philosophischen Hauptwerke. Und doch kreuzten sich in ihrem Leben nahezu alle geistigen Strömungen, die Europa um 1900 veränderten: die Frauenbewegung, die Lebensreform, die Sexualreform, die Sozialwissenschaften, die literarische Avantgarde, die Bohème, die Psychologie, die Krise des Bürgertums und die Suche nach neuen Formen persönlichen Lebens.
Samra Kljajic: „Femme fatale — Die weibliche Macht im Schatten der Geschichte“
Geschichte kennt keine Stimmen. Sie kennt Überlieferungen. Das Vergangene spricht nicht selbst; es wird zum Sprechen gebracht — durch Archive, Auswahl, Erinnerung und durch die Gegenwart, die in die Ruinen der Vergangenheit hinabsteigt, um dort Antworten auf ihre eigenen Fragen zu suchen. Jede Geschichtsschreibung erzählt deshalb niemals nur, was gewesen ist. Sie erzählt auch, wer wir sind und wonach wir suchen.
Samra Kljajics Buch Femme fatale — Die weibliche Macht im Schatten der Geschichte erscheint in einer Zeit, in der die Vergangenheit selbst zum Gegenstand gesellschaftlicher Auseinandersetzungen geworden ist. Die Frage, welche Menschen, Gruppen und Erfahrungen im historischen Gedächtnis sichtbar werden, ist längst nicht mehr allein eine Angelegenheit der Fachwissenschaft. Sie berührt Fragen nach Identität, politischer Selbstverständigung und kultureller Deutungshoheit. Geschichte ist nicht nur ein Archiv des Gewesenen — sie ist ein Spiegel, in dem Gesellschaften ihre eigenen Wertvorstellungen erkennen.
Gerade deshalb sind Bücher über vergessene Frauen der Geschichte so faszinierend. Sie handeln nicht allein von Frauen, die einst lebten, handelten, herrschten oder Einfluss ausübten. Sie handeln ebenso von der Gegenwart, die diese Frauen wiederentdeckt. Jede historische Wiederentdeckung ist eine Entscheidung. Jede Erweiterung des Blickfeldes verändert zwangsläufig auch unser Verständnis der Vergangenheit.
Jens Wietschorke: „Chronist der wilden Jahre — Mit Siegfried Kracauer durch die Weimarer Republik“
Kaum eine Epoche der deutschen Geschichte ist mit so vielen Bildern überlagert worden wie die Weimarer Republik. Vor dem inneren Auge tauchen schillernde Revuetheater auf, verrauchte Caféhäuser, Charleston tanzende Paare, expressionistische Straßenschluchten, politische Straßenschlachten und jene eigentümliche Mischung aus fiebriger Aufbruchsstimmung und latenter Untergangsahnung, die im Rückblick zum Markenzeichen der zwanziger Jahre geworden ist. Doch historische Wirklichkeit erschöpft sich selten in ihren ikonischen Bildern. Sie verbirgt sich oft in den unscheinbaren Gesten des Alltags, in den Routinen einer Gesellschaft, in ihren Schaufenstern, Bahnhöfen, Kinos, Hotels oder Warenhäusern. Genau dort setzte der Blick Siegfried Kracauers an. Jens Wietschorkes „Chronist der wilden Jahre — Mit Siegfried Kracauer durch die Weimarer Republik“ folgt diesem Blick mit bemerkenswerter Konsequenz. Sein Buch erzählt die Geschichte der ersten deutschen Demokratie nicht noch einmal von ihren politischen Brennpunkten her, sondern aus der Perspektive eines Beobachters, der den Puls seiner Zeit in ihren Nebensächlichkeiten suchte — und gerade deshalb zu ihren hellsichtigsten Diagnostikern wurde. So entsteht weit mehr als eine Einführung in Leben und Werk Kracauers. Es entsteht das ebenso kluge wie anregende Porträt einer Epoche, deren Fragen uns heute näher sind, als wir bisweilen glauben. „Chronist der wilden Jahre“ ist somit im besten Sinne ein Lesebuch über eine spannende Epoche der deutschen Zeitgeschichte.
Shelly Kupferberg: „Stunden wie Tage“
Die Erinnerung an die nationalsozialistische Vergangenheit hat in der deutschen Literatur viele Formen gefunden. Sie hat sich in Familienromanen artikuliert, in Dokumentationen, in literarischen Rekonstruktionen und in Erzählungen über die zweite und dritte Generation nach der Shoah. Mit „Stunden wie Tage“ wählt Shelly Kupferberg einen Weg, der weder die großen historischen Linien noch die spektakuläre Biografie ins Zentrum rückt. Ihr Interesse gilt einer Figur aus dem Hintergrund: Martha, einer Frau, deren Leben im Berliner Alltag zunächst unscheinbar erscheint und gerade dadurch zu einem literarischen Zugang zur Geschichte wird.
Martha ist Hausbesorgerin in einem Berliner Mietshaus. Sie kennt die Bewohner, die Geräusche des Hauses, die wechselnden Stimmungen in den Wohnungen. Was zunächst wie die Beschreibung einer gewöhnlichen Existenz wirkt, erweist sich als Ausgangspunkt einer Geschichte, in der sich die politischen Erschütterungen des 20. Jahrhunderts im Privaten spiegeln. Das Mietshaus wird zum Schauplatz einer Entwicklung, in der Nachbarschaften zerbrechen, Menschen verschwinden und die staatlich organisierte Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in die alltäglichen Beziehungen eindringt.
Kupferberg erzählt von mehreren Frauen, deren Lebenswege durch den Nationalsozialismus geprägt wurden. Im Zentrum steht neben Martha insbesondere die junge Liane Berkowitz, die sich dem Widerstand gegen das NS-Regime anschloss und als Mitglied der sogenannten „Roten Kapelle“ verfolgt und ermordet wurde. Doch der Roman interessiert sich nicht ausschließlich für den Widerstand als historische Kategorie. Er fragt vielmehr danach, welche Formen von Haltung und Menschlichkeit unter Bedingungen möglich sind, unter denen jede Entscheidung Konsequenzen haben kann.
Hans-Georg von Arburg: „Endlich wohnen! — Zuhause bleiben in der existenziellen Moderne“
Es gibt Bücher, deren eigentlicher Gegenstand sich erst allmählich erschließt. Man schlägt sie in der Erwartung auf, etwas über Architektur, Stadtentwicklung oder Wohnkultur zu erfahren, und legt sie mit dem Eindruck aus der Hand, eine Untersuchung über die geistige Verfassung der Moderne gelesen zu haben. Hans-Georg von Arburgs Endlich wohnen! Zuhause bleiben in der existenziellen Moderne gehört in diese seltene Kategorie. Schon der Titel verrät jene eigentümliche Spannung, welche die gesamte Studie durchzieht. Das unscheinbare Adverb „endlich“ oszilliert zwischen Erleichterung und Verzweiflung. Es bezeichnet den Moment des Ankommens ebenso wie den Wunsch nach einem Ende rastloser Bewegung. Wer endlich wohnt, hat einen Ort gefunden; zugleich verrät die Formulierung, dass dieses Wohnen keineswegs selbstverständlich ist. Es muss erst errungen werden. Gerade darin liegt das zentrale Thema des Buches: Das Wohnen erscheint nicht als anthropologische Konstante, sondern als historisches Problem der Moderne.
Man könnte versucht sein, diese Untersuchung als einen Beitrag zur Geschichte der Wohnungsfrage um 1900 zu lesen. Tatsächlich spielt diese Epoche eine entscheidende Rolle. Industrialisierung, Urbanisierung, Massenmigration und technische Innovationen verändern die Lebenswelt Europas mit einer Geschwindigkeit, die frühere Generationen kaum gekannt hatten. Millionen Menschen verlassen dörfliche Zusammenhänge, ziehen in expandierende Städte, beziehen Mietskasernen, Vorstadtsiedlungen oder bürgerliche Wohnungen und erleben dabei nicht nur eine Veränderung ihres Wohnortes, sondern ihres gesamten Weltverhältnisses. Die Wohnung wird zum Schauplatz jener Umbrüche, die gewöhnlich unter dem Begriff der Moderne zusammengefasst werden. Doch gerade an diesem Punkt verweigert sich von Arburg einer engen sozialhistorischen Perspektive. Ihn interessiert weniger die statistische Entwicklung des Wohnungswesens als die kulturelle Semantik des Wohnens. Seine Frage lautet nicht allein, wie Menschen lebten, sondern was sie unter Wohnen verstanden, welche Hoffnungen sie mit dem Zuhause verbanden und welche Ängste sich in den neuen Wohnformen artikulierten.
Christian Schüle: „Die Jagd nach der Muskatnuss — Aufstieg und Fall der Ostindien-Companie 1602-1798 oder Wie im Goldenen Zeitalter der Kapitalismus begann“
Bevor die Welt durch digitale Netzwerke verbunden war, bevor Containerhäfen und globale Lieferketten den Rhythmus der Gegenwart bestimmten, gab es eine andere Form der Globalisierung. Sie roch nach Pfeffer, Zimt und Muskatnuss. Sie kam mit Segelschiffen, die monatelang über unbekannte Meere fuhren, mit Kaufleuten, die Verträge schlossen und Kriege führten, mit Männern, die in fernen Ländern Reichtum suchten und dabei ganze Gesellschaften veränderten. Eine kleine Frucht aus einem entlegenen Inselarchipel im Osten der Welt wurde zum Auslöser einer der folgenreichsten Entwicklungen der frühen Neuzeit: der Entstehung eines globalen Handelsimperiums.
Christian Schüle nimmt sich in seinem Buch Die Jagd nach der Muskatnuss — Aufstieg und Fall der Ostindien-Compagnie 1602–1798 einer Geschichte an, die auf den ersten Blick weit entfernt scheint und gerade deshalb eine erstaunliche Nähe zur Gegenwart besitzt. Es geht um Gewürze, Schiffe und Kolonien – und doch erzählt Schüle im Kern von etwas zutiefst Modernem: von der Macht des Kapitals, von der Entstehung weltumspannender Märkte und von der gefährlichen Verbindung zwischen wirtschaftlichem Interesse und politischer Gewalt.
Bruno Preisendörfer: „Schlagworte, die Geschichte machen — Wie Parolen von ‚Stunde Null‘ bis ‚Wir schaffen das‘ Deutschland veränderten“
Manchmal erkennt man eine Epoche nicht an ihren Ereignissen, sondern an den Sätzen, die von ihr übrig bleiben. Der Historiker findet seine Quellen in Akten, Statistiken und Protokollen. Das kollektive Gedächtnis dagegen arbeitet anders. Es bewahrt nicht selten eine Handvoll Worte auf, die sich von ihrem ursprünglichen Anlass gelöst haben und zu Chiffren einer ganzen Zeit geworden sind. „Wohlstand für alle“, „Mehr Demokratie wagen“, „blühende Landschaften“, „Die Rente ist sicher“, „Wir schaffen das“ — solche Formeln sind keine vollständigen Beschreibungen historischer Wirklichkeit. Aber sie sind Verdichtungen. Sie bündeln Hoffnungen, Ängste, Konflikte und Selbstbilder einer Gesellschaft.
Genau an diesem Punkt setzt Bruno Preisendörfers neues Buch „Schlagworte, die Geschichte machen — Wie Parolen von ‚Stunde Null‘ bis ‚Wir schaffen das‘ Deutschland veränderten“ an. Schon der Titel verweist auf eine scheinbare Selbstverständlichkeit, die bei näherem Hinsehen höchst komplex ist: Machen Schlagworte tatsächlich Geschichte? Oder machen Gesellschaften ihre Geschichte nachträglich durch Schlagworte verständlich? Vermutlich gilt beides. Worte verändern die Wirklichkeit nicht allein, aber sie geben ihr eine Form. Sie schaffen Bilder, in denen sich eine Gesellschaft selbst erkennen kann.
Juliane Marie Schreiber: „Wir sind Dynamit — Ein Manifest für Introvertierte in einer Welt der Selbstdarstellung“
Mit ihrem neuen Buch „Wir sind Dynamit – Ein Manifest für Introvertierte in einer Welt der Selbstdarstellung“ knüpft Juliane Marie Schreiber konsequent an jenes gesellschaftskritische Denken an, das bereits ihr Bestseller „Ich möchte lieber nicht“ prägte. Wieder richtet sie den Blick auf eine kulturelle Norm, die heute kaum noch als solche wahrgenommen wird. Damals war es der Zwang zum Optimismus, heute ist es der Zwang zur Sichtbarkeit. Schreiber vertritt die These, dass unsere Gesellschaft die Lauten systematisch bevorzugt und die Leisen benachteiligt. Introvertierte Menschen seien keine Randgruppe mit individuellen Defiziten, sondern verfügten über Eigenschaften, die gerade angesichts gesellschaftlicher Krisen dringend gebraucht würden: Reflexionsfähigkeit, Autonomie, Konzentration, Kreativität und die Fähigkeit, Ambivalenzen auszuhalten. Ihre zentrale Botschaft lautet deshalb nicht, Introvertierte müssten lernen, extrovertierter zu werden, sondern vielmehr, dass sich die gesellschaftlichen Spielregeln ändern müssten.
Bereits die Wahl des Titels verrät den programmatischen Charakter des Buches. „Wir sind Dynamit“ ist bewusst als Manifest formuliert. Das Bild des Dynamits verweist auf eine Kraft, die nach außen zunächst unsichtbar erscheint, deren Wirkung sich aber im entscheidenden Moment entfaltet. Schreiber versucht damit, den verbreiteten Eindruck zu widerlegen, Introvertiertheit sei vor allem eine Form der sozialen Schwäche oder Unsicherheit. Stattdessen versteht sie Introvertierte als „Innenmenschen“, deren Stärke gerade in ihrer Zurückhaltung liegt. In öffentlichen Interviews beschreibt sie eine Gesellschaft, in der Selbstdarstellung zunehmend zur Voraussetzung beruflichen und sozialen Erfolgs geworden sei. Nicht unbedingt Kompetenz, sondern Sichtbarkeit entscheide über Aufmerksamkeit. Wer laut spreche, häufig poste, sich permanent inszeniere und jederzeit verfügbar erscheine, verschaffe sich Vorteile gegenüber denjenigen, die lieber beobachten, nachdenken oder zunächst zuhören. Gerade Arbeitswelt, Politik und soziale Medien belohnten extrovertiertes Auftreten stärker als fachliche Substanz.

