Helmuth Kiesel: „Schreiben in finsteren Zeiten — Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1933-1945“

Auf dem Schreibtisch lag ein massiver Backstein: 1316 Seiten Text zuzüglich eines umfangreichen wissenschaftlichen Apparats, das war schon eine Ansage. Als im November 2025 „Schreiben in finsteren Zeiten“ erschien, war bereits abzusehen, dass ein gewichtiges Werk vorlag — nicht allein wegen seiner nahezu 1.400 Seiten, sondern weil ein ausgewiesener Kenner der deutschen Literaturgeschichte sich der …

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Judith Kessler: „Kann denn Liebe Sünde sein? — Auf den Spuren des Liedtexters Bruno Balz“

Judith Kesslers Buch Kann denn Liebe Sünde sein? — Auf den Spuren des Liedtexters Bruno Balz ist mehr als eine Biografie. Es ist eine Wiederbegegnung mit einer Gestalt, die das deutsche Unterhaltungslied der 1930er und 1940er Jahre geprägt hat und zugleich zu jenen gehört, die die Geschichte in ihren Fußnoten verschluckt. Bruno Balz — der …

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Christoph Poschenrieder: „Fräulein Hedwig“

Christoph Poschenrieders neuer Roman Fräulein Hedwig ist ein stilles, aber eindringliches Buch über das Schicksal einer Frau, die zwischen Jahrhundertwende und NS-Zeit in ihrer Rolle gefangen ist — als Lehrerin, als Tochter, als psychisch fragile Einzelgängerin. Fräulein Hedwig, das war Fräulein Hedwig Poschenrieder, geboren am 3. März 1884, gestorben am 25. Juli 1944. Der Roman …

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Konrad Merz: „Ein Mensch fällt aus Deutschland“

Es ist ein schmales Buch, äußerlich beinahe unscheinbar, doch innerlich ein Dokument von eruptiver politischer und menschlicher Wucht: Ein Mensch fällt aus Deutschland von Konrad Merz, erstmals 1936 im Amsterdamer Querido Verlag erschienen, gehört zu den eindringlichsten Zeugnissen der deutschen Exilliteratur. Es ist der Bericht eines Ausgestoßenen, eines Flüchtlings, eines „Gefallenen“ – nicht im militärischen, …

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Erich Kästner: „Resignation ist kein Gesichtspunkt – Politische Reden und Feuilletons“

Man kennt Erich Kästner als den Kinderbuch-Autor, der Klassiker wie „Emil und die Detektive“. „Pünktchen und Anton“, Das fliegende Klassenzimmer“ und „Die Konferenz der Tiere“ geschrieben hat; und wir kennen Erich Kästner als Lyriker („Dr. Kästners lyrische Hausapotheke“, „Herz auf Taille“), als Satiriker und als Romancier („Fabian“, „Drei Männer im Schnee“). Aber als politischer Autor, …

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Ulla Lenze: „Das Wohlbefinden“

Solange noch kein Wirkstoff gegen die Tuberkulose gefunden ist, „ist die zentrale Therapie in unseren Heilstätten das Wohlbefinden. Wir streben danach, alles zu beseitigen, was uns aus dem Gleichgewicht bringt, und bemühen uns, Körper und Seele in jenen Frieden zurückzuführen, dessen Fehlen oft die Ursache von Krankheiten ist.“ Diese Worte stammen von Professor Blomberg, in …

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Andrea Löw: „Deportiert. ‚Immer mit einem Fuß im Grab‘ — Erfahrungen deutscher Juden“

Die Deportationen jüdischer Mitbürger und anderer stigmatisierter Gruppen während der Zeit des Nationalsozialismus stellen eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte dar. Diese systematische Verfolgung, Ausgrenzung und Vernichtung begann mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 und fand ihren schrecklichen Höhepunkt während des Zweiten Weltkriegs. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begann eine schrittweise Entrechtung und Ausgrenzung …

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Jenny Erpenbeck: „Heimsuchung“

Heimat. Ein Wort, das in jedem von uns unterschiedliche Bilder und Gefühle hervorruft. Für manche ist es ein konkreter Ort – ein Haus, eine Stadt, ein Land. Für andere ist es ein Gefühl von Zugehörigkeit, von Sicherheit und Geborgenheit, das nicht an einen physischen Ort gebunden ist. Der Begriff „Heim“ hingegen scheint intimer, persönlicher, näher …

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Magali Nieradka-Steiner: „Exil unter Palmen – Deutsche Emigranten in Sanary-sur-Mer“

Thomas Mann, in einem Korbstuhl auf einer schattigen Terrasse sitzend, im kurzärmeligen weißen Hemd und heller Hose, direkt in die Kamera blickend, nicht lächelnd, dennoch entspannt schauend. Das Foto hinterlässt den Eindruck eines Mannes, der zwar nicht freiwillig an diesem Ort zu weilen, der sich jedoch durchaus mit den Zeitumständen arrangiert zu haben scheint. So …

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Erich Kästner: „Das Blaue Buch — Geheimes Kriegstagebuch 1941 – 1945“

Ab 1933 gehörte Erich Kästner nicht zu den verbotenen Schriftstellern; aber sein Antrag auf Aufnahme in die Schrifttumskammer wurde abgelehnt, und fortan durfte er in Deutschland keine Bücher mehr veröffentlichen. Er tat es aber doch — mit Pseudonym oder unter dem Namen von Freunden. Auch als seine Bücher auf die Scheiterhaufen der Bücherverbrennungen geworfen wurden, …

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