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Rezensionen von Büchern aus den Kultur- und Geisteswissenschaften

Deutschlandstiftung Integration (Hg.): „Sarrazin – Eine deutsche Debatte“

Am: | März 4, 2011

 Thilo Sarrazin hat im vergangenen Jahr mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ eine Menge Staub aufgewirbelt, der auf die Integrationsfrage in Deutschland gefallen war.

Obwohl die Verkaufszahlen durch die wiederholt provokanten Medienauftritte des Autors rasant in die Höhe schnellten und aus Sarrazins Anklageschrift einen Bestseller machten, ging der Schuss eigentlich nach hinten los.

Anstatt unsere Gesellschaft in eine alle Kräfte und Schichten umfassende Diskussion über das Thema Integration zu führen, richtete sich der allgemeine Zorn vor allem gegen den Autor selbst. Zeitweilig konnte man direkt Mitleid mit Sarrazin haben, der bei jedem Interview wie auf der Anklagebank saß. Wer die schlechte Nachricht überbringt, wird als Erster geköpft.

Nun schiebt der Piper-Verlag ein zweites Büchlein nach, das nachholen soll, was bislang in der Öffentlichkeit kaum stattgefunden hat: eine deutsche Debatte über das Integrationsthema.

Deutschland sollte Thilo Sarrazin dankbar sein.“ meint die „Deutschlandstiftung Integration“, eine Gründung des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Die Stiftung möchte nach eigenen Angaben „mit ihren Aktivitäten die Chancengerechtigkeit von Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit Migrationshintergrund in Deutschland fördern.“ Durch Sarrazins Buch sei nun endlich die längst überfällige Debatte über Integration in Gang gesetzt worden.

Die illustre Schar der Autoren dieses Readers, der als Diskussionsgrundlage dienen soll und kann, stammt überwiegend aus dem Kultur- und Medienbereich. Selbstverständlich kommen auch Vertreter mit eigenem Migrationshintergrund zu Wort, denen sich die Frage der Integration nicht nur theoretisch stellte.

Was an diesem Buch vor allem auffällt, ist die Vielseitigkeit der Beiträge. Hier gelingt mit Leichtigkeit, was einen einzelnen Autor vor eine schwierige Aufgabe stellt: die Beleuchtung eines politisch und gesellschaftlich brisanten Themas von mehreren Seiten und Blickrichtungen.

Sarrazin selbst war in seiner Argumentation von Anfang an durch subjektive Vorgaben in seiner Objektivität eingeschränkt und argumentierte durchweg einseitig. Das vorliegende Buch hingegen gibt den Autoren auch den nötigen Freiraum zur Gegenüberstellung kontroverser Meinungen.

„Sarrazin – Eine deutsche Debatte“ beschäftigt sich, entgegen dem in die Irre führenden Titel des Buches, eben gerade nicht mit der Person Sarrazins, sondern mit der Debatte um die Integration ausländischer Mitbürger.

Für alle, die sich mit diesem Thema näher beschäftigen wollen, sei dieses Buch als Ergänzung zu Thilo Sarrazins Streitschrift wärmstens empfohlen.

Autor: Deutschlandstiftung Integration (Hg.)
Titel: „Sarrazin – Eine deutsche Debatte“Broschiert: 238 Seiten
Verlag: Piper
ISBN-10: 3492054641
ISBN-13: 978-3492054645

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