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Rezensionen von Büchern aus den Kultur- und Geisteswissenschaften

Umberto Eco: „Pape Satàn — Chroniken einer flüssigen Gesellschaft oder Die Kunst, die Welt zu verstehen“

Am: | August 17, 2018

Seit 1985 schrieb Umberto Eco für das römische Nachrichtenmagazin L´Espresso eine Kolumne mit dem Titel „La Bustina di Minerva“ (Die Büste der Minerva). Diese knappen Notizen zum Zeitgeschehen waren meist so kurz, dass sie, wie Umberto Eco bereits in der ersten Kolumne schriebe, auf die Fläche eines ausgeklappten Streichholzbriefchens passten. Deshalb wurden jene Zeitkommentare im Deutschen auch „Streichholzbriefe“ genannt.

In der vorliegenden Taschenbuchausgabe (das Hardcover ist bereits 2017 im Hanser Verlag erschienen) finden wir eine Auswahl jener Streichholzbriefe aus der Zeit von 2000 – 2015. Umberto Eco ist 2016 im Alter von 84 Jahren gestorben. Doch seine Texte werden weiterwirken, denn der berühmte Schriftsteller, Philosoph und Medienwissenschaftler war eine der wichtigsten intellektuellen Stimmen Italiens.

In diesem Buch geht es nicht nur, aber vor allem um die Medien. Die italienische Medienlandschaft weist einige Besonderheiten auf. Wir befinden uns in diesem Buch in der Berlusconi-Zeit, und als liberal eingestellter Intellektueller hat Eco vor allem beißenden Spott für Berlusconi und seine Freunde übrig. Aber auch das Publikum kommt nicht allzu gut weg. Schließlich bekommt jedes Volk die Regierung, die es gewählt hat …

In Umberto Ecos Kolumnen geht es um den Konflikt zwischen Alten und Jungen, um das Internet und die Online-Sucht; er befasst sich mit den korrupten Verbindungen von Politik und Massenmedien, setzt sich mit dem italienischen Rassismus auseinander, denkt über das Verhältnis von Philosophie und Religion nach; schließlich geht es ums Lesen und Schreiben und am Ende noch um kleine Absurditäten.

Jeder Streichholzbrief ist nur ca. drei Seiten lang, und das Ganze bietet sich wunderbar als eine leichtbeschwingte Nachtlektüre oder einfach als kleines intellektuelles Appetithäppchen für zwischendurch an. Allgemein ist Umberto Eco aufgrund seiner vielen dicken Romane ja eher als ein epischer Romancier berühmt, aber er kann auch anders: So ist es seinem großen schriftstellerischen Können zu verdanken, dass er auch in dieser kleinen Form schnell auf den Punkt kommt, präzise schreibt und den Leser an die Hand nimmt, um mit ihm zusammen ein paar Minuten lang über ein bestimmtes (meist aktuelles) Thema nachzudenken.

„Pape Satàn“ ist eine schöne Sammlung kultur- und medienkritischer Kolumnen Umberto Ecos aus den vergangenen Jahren. Sie zeigen, wie intensiv und aufmerksam Eco die fundamentalen Veränderungen der Medienlandschaft beobachtete und kritisierte, und sie zeigen, wie sehr uns heute seine kritische Stimme fehlt. Sie würde in Zeiten des Rechtspopulismus und der Fake News heute dringender denn je gebraucht.

 

 

Autor: Umberto Eco
Titel: „Pape Satàn — Chroniken einer flüssigen Gesellschaft oder Die Kunst, die Welt zu verstehen“
Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423146486
ISBN-13: 978-3423146487

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