Sinthujan Varatharajah: „Wo Zeit stehen bleibt — Vom Tourismus und seiner Gewalt“

Auf dem Tisch liegt ein Buch, dessen Titel zunächst fast harmlos klingt: „Wo Zeit stehen bleibt. Vom Tourismus und seiner Gewalt“. Erst der Untertitel verrät, dass hier nicht vom Reisen als Freizeitbeschäftigung die Rede sein soll. Es geht um Tourismus als eine Form des Sehens, des Besitzens und des Vergessens; um die eigentümliche Gewalt, die …

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Jasmin Lörchner und Eva Maria Schnurr (Hg.): „Das andere Mittelalter — Philosophinnen, Demokratie, Nachhaltigkeit: Wie die Menschen vor 1000 Jahren wirklich lebten und dachten“

Wenn wir an das Mittelalter denken, sehen wir selten das Mittelalter. Wir sehen eine Erfindung der Neuzeit: dunkle Burgen, Pest und Scheiterhaufen, fanatische Mönche, rohe Ritter, abergläubische Bauern, eine Welt aus Gewalt, Hunger und religiöser Angst. Zwischen dem Untergang der Antike und dem Auftritt der Renaissance scheint sich in dieser Vorstellung ein gewaltiger historischer Abgrund …

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Jens Wietschorke: „Chronist der wilden Jahre — Mit Siegfried Kracauer durch die Weimarer Republik“

Kaum eine Epoche der deutschen Geschichte ist mit so vielen Bildern überlagert worden wie die Weimarer Republik. Vor dem inneren Auge tauchen schillernde Revuetheater auf, verrauchte Caféhäuser, Charleston tanzende Paare, expressionistische Straßenschluchten, politische Straßenschlachten und jene eigentümliche Mischung aus fiebriger Aufbruchsstimmung und latenter Untergangsahnung, die im Rückblick zum Markenzeichen der zwanziger Jahre geworden ist. Doch …

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Shelly Kupferberg: „Stunden wie Tage“

Die Erinnerung an die nationalsozialistische Vergangenheit hat in der deutschen Literatur viele Formen gefunden. Sie hat sich in Familienromanen artikuliert, in Dokumentationen, in literarischen Rekonstruktionen und in Erzählungen über die zweite und dritte Generation nach der Shoah. Mit „Stunden wie Tage“ wählt Shelly Kupferberg einen Weg, der weder die großen historischen Linien noch die spektakuläre …

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Bruno Preisendörfer: „Schlagworte, die Geschichte machen — Wie Parolen von ‚Stunde Null‘ bis ‚Wir schaffen das‘ Deutschland veränderten“

Manchmal erkennt man eine Epoche nicht an ihren Ereignissen, sondern an den Sätzen, die von ihr übrig bleiben. Der Historiker findet seine Quellen in Akten, Statistiken und Protokollen. Das kollektive Gedächtnis dagegen arbeitet anders. Es bewahrt nicht selten eine Handvoll Worte auf, die sich von ihrem ursprünglichen Anlass gelöst haben und zu Chiffren einer ganzen …

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Dietmar Pieper: „Trümmertänze — Deutschland 1946-1955“

Mit „Trümmertänze — Deutschland 1946–1955“ entscheidet sich Dietmar Pieper bewusst gegen jene Erzählung, die die deutsche Nachkriegszeit lediglich als Vorgeschichte des Wirtschaftswunders oder als moralische Bilanz von Schuld und Neubeginn betrachtet. Stattdessen beschreibt er ein Jahrzehnt voller Widersprüche: eine Zeit zwischen Zerstörung und Aufbruch, Hunger und Lebenslust, politischer Neuordnung und persönlicher Orientierungslosigkeit. Bereits der Titel …

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Johanna Roth: „This is America — Is this America?“

Johanna Roths Buch „This is America — Is this America?“ ist ein Buch über ein Land, das sich selbst immer wieder neu erzählen muss. Die Vereinigten Staaten von Amerika erscheinen darin nicht als fest umrissene politische oder kulturelle Größe, sondern als ein gewaltiger Resonanzraum aus Versprechen, Widersprüchen, Hoffnungen und Enttäuschungen. Roth nähert sich Amerika nicht …

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Bianca Walther: „Die Vorkämpferinnen — Wie aus vielen Frauen eine Bewegung wurde“

Es gibt historische Daten, die im kollektiven Gedächtnis eines Landes wie plötzlich auftauchende Leuchttürme erscheinen. Der Januar 1919 gehört zu ihnen. Zum ersten Mal dürfen Frauen im Deutschen Reich wählen und gewählt werden. In vielen Darstellungen wirkt dieser Moment wie ein politischer Durchbruch, ein Ereignis, das gleichsam über Nacht eine neue Epoche eröffnet. Bianca Walther …

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William Dalrymple: „Anarchie — Der verhängnisvolle Aufstieg der East India Company 1600-1874“

Es ist ein eigentümlicher Reiz, der von William Dalrymples umfangreicher Abhandlung über den verhängnisvollen Aufstieg der East India Company 1600-1874 mit dem bezeichnenden Namen „Anarchie“ ausgeht: der Reiz, einem Historiker zuzusehen, der sich weigert, Geschichte als bloße Abfolge von Ereignissen zu erzählen, und stattdessen ein Panorama entwirft, das gleichermaßen politisches Drama, moralische Anklage und erzählerische …

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Daniel Stähr: „Die neuen Propheten — Wie Ökonomen unsere Zukunft verspielen“

Daniel Stährs Buch „Die neuen Propheten — Wie Ökonomen unsere Zukunft verspielen“ ist ein Angriff, der leise beginnt und seine Schärfe erst allmählich entfaltet. Es ist kein Pamphlet, kein wütendes Gegenmanifest gegen eine angeblich allmächtige Zunft, sondern ein kulturkritischer Essay in Buchlänge, der sich für die Bedingungen interessiert, unter denen ökonomisches Denken zur dominierenden Deutungsinstanz …

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