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John Stuart Mill: „Freiheit, Fortschritt und die Aufgaben des Staates. – Ausgewählte Werke Band 3.1“

Am: | Juli 14, 2014

Der Murmann-Verlag hat sich die ehrwürdige Aufgabe gestellt, eine mehrbändige gebundene Ausgabe mit ausgewählten Werken herauszugeben. Dieses Großprojekt läuft nun mit dem ersten Teilband des dritten Bandes in seine Zielgerade ein.

Es geht in diesem Teilband um das Verhältnis von Individuum, Moral und Gesellschaft. Wie bekannt ist, zählt John Stuart Mill neben Bentham und Sidgwick zu den wichtigsten Vertretern des englischen Utilitarismus. Die utilitaristische Sicht auf die menschlichen Handlungen konzentriert sich auf die Folgen jenes handelns. Deswegen wird der Utilitarismus auch als ein Konsequentialismus bezeichnet.

Die utilitaristische Moral ist folgerichtig ebenfalls eine an den Folgen menschlichen Handelns orientierte Moralität. Was moralisch gutes Handeln im Sinne des Utilitarismus ist, kann einfach an den Folgen gemessen werden, die eine Handelung auslöst. Hierbei müssen sowohl die absehbaren als auch die wahrscheinlichen Folgen in die moralische Bewertung miteinbezogen werden.

Der vorliegende Band beginnt zunächst mit Mills kritischer Betrachtung der Perspektive Benthams sowie mit den positionen von Sidgwick und Coleridge. Danach finden wir dann den Volltext der zwei wichtigsten Werke John Stuart Mills: „Über die Freiheit“ (1859) und „Utlitarismus“ (1861/63).

Während Mill in seiner „Freiheit“-Schrift den Begriff der menschlichen Freiheit aus utilitaristischer Sicht erläutert und sich hierbei auch vom Kantschen Freiheitsbegriff der menschlichen Autonomie abgrenzt, versucht er in seiner „Utilitarismus“-Schrift in Kürze zu umreißen, was der utilitaristischer Ansatz einer praktischen Philosophie bedeuten kann.

Beide Texte gehören zu den Grundlagentexten der Praktischen Philosophie und sind dank der neu überarbeiteten Übersetzungen durch ein ganzes Übersetzerteam sehr gut lesbar und leicht verständlich.

Bei der Lektüre der utilitaristischen Texte muss man sich immer vor Augen halten, dass der Utilitarismus nicht einfach nur das „Nützliche“ zum Gradmesser menschlichen Handelns macht, wie seine Kritiker ihm vorhalten. Die utilitaristische Perspektive hat sich wie das ihr verwandte pragmatistische (oder pragmatische) Denken vor allem im anglo-amerikanischen Wissenschaftsbetrieb durchgesetzt, während die idealistischen Denkansätze eine typisch deutsche Spezialität sind.

Es geht bei dem Vergleich zwischen Utilitarismus und Idealismus jedoch nicht um die Frage nach gut oder schlecht, sondern einfach um zwei unterschiedliche Zugangsweisen zur menschlichen Realität und zur Gestaltung der Wirklichkeit.

Die Schriften John Stuart Mills sind auch (und gerade) heute noch lesenswert und hochaktuell: Wie sollen wir handeln? Was ist Freiheit? Wie ist das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft? – Diese Fragen werden vom Utilitarismus in einer spannenden und sehr praxisbezogenen Weise beantwortet. Wie, das können Sie selbst nachlesen in diesem schönen neuen Band der ausgewählten Werkausgabe von John Stuart Mill im Murmann-Verlag!

Autor: John Stuart Mill
Titel: „Ausgewählte Werke Band 3 – Freiheit, Fortschritt und die Aufgaben des Staates. Teil 1: Individuum, Moral und Gesellschaft“
Gebundene Ausgabe: 544 Seiten
Verlag: Murmann Verlag GmbH
ISBN-10: 3867741980
ISBN-13: 978-3867741989

 

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