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Rezensionen von Büchern aus den Kultur- und Geisteswissenschaften

Alberto Manguel: „Über Homer – Ilias und Odyssee“

Am: | Februar 18, 2010

Seit Raoul Schrotts großer Heldentat einer Neuübersetzung der Ilias und der dadurch aufgebrachten Diskussion darüber, wo dieses Troja eigentlich liegt, sind die beiden Hauptwerke des griechischen Dichters Homer, die Ilias und die Odyssee, wieder verstärkt ins Bewusstsein des Interesses geraten.

Eigentlich waren sie ja nie weg. Schließlich gehören sowohl die Ilias, der Bericht über den Aufstieg und Fall Trojas, und die packende Dichtung über die Irrfahrten des Odysseus zweifellos zu den bedeutendsten Werken der Weltliteratur. Seit Jahrhunderten werden diese Geschichten in der Schule gelehrt und gehören zum Kanon der Allgemeinbildung.

Aber wer war Homer überhaupt, gab es ihn wirklich? Und wenn ja, wie viele Homere gab es? Die Forschung hat mit dem Phänomen Homer ähnliche Probleme wie bei Shakespeare. Keine weiß Genaues, aber jeder hat so seine Theorie.

In seinem Buch „Über Homer – Ilias und Odyssee“ beschäftigt sich Alberto Manguel mit allen drei Themen: mit der Ilias und der Odyssee, aber vor allem mit dem „Mythos Homer“.

Über Homer sind keinerlei echte Fakten bekannt. Man verbindet seinen Namen mit den oben genannten Heldensagen. In diesem Buch wird die Homer-Rezeption aus verschiedenen Positionen beleuchtet. Homer im Wandel der Zeiten.

Alberto Manguel stammt aus Buenos Aires und lebt heute in einem mittelalterlichen Presbyterium in der französischen Region Poitou-Charentes. Schön für ihn, aber dies allein qualifiziert ihn noch nicht als Homer-Experten. Allerdings ist Manguel auch Verlagslektor und Literaturdozent. Vor allem aber kann er gut und interessant schreiben.

Am Anfang des Buches steht eine kurze Inhaltsangabe der beiden behandelten Werke Homers. Danach geht es in 21 Kapiteln um die Rezeptionsgeschichte der Werke und seines Autors im Spiegel der Welt- und Kulturgeschichte.

Der wissenschaftliche Anspruch dieser Sammlung von Essays wird durch einen fast 30-seitigen Anhang unterstrichen. Der Satzspiegel ist etwas altbacken; ein etwas modernerer Umbruch und häufigere Absätze hätten dem text eine klarere Struktur und somit bessere Lesbarkeit beschert.

Aber am Ende kommt es schließlich auf den Inhalt an, und der ist wirklich lesenswert. Auch wer meint, mit den alten Griechen nichts am Hut zu haben, sollte einen Blick riskieren. Manguel schreibt anschaulich und gibt dem Leser en passant eine Fülle von Hintergrundinformationen mit in die Hand, so dass man nach der Lektüre eine Menge mehr weiß über Homer, die Ilias und die Odyssee.

Kleiner Wermutstropfen: Die hier besprochene Ausgabe erschien im Oktober 2009 bei dtv und basiert auf der englischen Originalausgabe aus dem Jahr 2007. Somit fallen Raoul Schrotts Neu-Übersetzung und die aktuelle Troja-Diskussion leider unter den Tisch. Aber vielleicht gibt es ja eine entsprechende Ergänzung in einer späteren Neuauflage.

Autor: Alberto Manguel
Titel: „Über Homer – Ilias und Odyssee“
Taschenbuch: 240 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423345691
ISBN-13: 978-3423345699

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