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Rezensionen von Büchern aus den Kultur- und Geisteswissenschaften

Prof. Dr. Markus Egert, Frank Thadeuz: „Ein Keim kommt selten allein — Wie Mikroben unser Leben bestimmen und wir uns vor ihnen schützen“

Am: | Januar 7, 2019

Leicht verständlich, fundiertes Wissen mit Humor geschrieben. Wenn doch jeder Fachmensch sein Wissen so der Allgemeinheit beibringen könnte!

Hier wird von einem ziemlich normalen Mann — seine Frau weiß bis zu dem Buch nichts von seinem Hang zur guten Haushaltsführung — eine Menge Wissen vermittelt, denn es ist leicht verständlich geschrieben. Es werden Dinge des Alltags genannt, Situationen, die jeder kennt. Dazu ein paar Karikaturen der Keime — das Buch hat Unterhaltungswert und verändert doch die Welt.

Danach wird man einige Dinge aus persönlicher Überzeugung nicht mehr so oder anders machen. Auch unser aller nicht wahr genommenes Haustier — der Spülschwamm — wird ab sofort ein schweres Leben haben.

Herr Prof. Dr. Egert nimmt Haushaltsgegenstände und Alltagssituationen ins Visier. Er untersucht Weihwasser, sieht seine Kinder — wie jedes Kind als solches auch — als unbekümmerte Keim- und Bakterienfänger „de luxe“ und schildert die Konsequenzen. Beruhigend ist der oft wiederholte Satz, es gehe nicht um Keimfreiheit. Die ist im Übrigen auch gar nicht anzustreben, da schädlich. Und auch gar nicht zu erreichen.

Wer plastisch vor Augen hat, wie ein Biofilm aussieht und wo er sich überall bildet, der gruselt sich auch beispielsweise vor der Waschmaschine. Aber auch hierfür werden simple Lösungen genannt.

Dies Buch eignet sich auch als Bettlektüre. Es liest sich amüsant und interessant, und die zahlreichen Tipps lassen sich im Alltag leicht umsetzen. Ein Buch für jede Frau, die schon immer irgendwelche Dinge von der Familie fordert und sie glücklicherweise noch nicht begründen musste. Und jeden Mann, der sich selbst ab sofort doch etwas mehr Achtsamkeit wert ist.

Für jeden, der gerne ein gutes Allgemeinwissen hat, gerne auch exotischer Art!

(CS)

 

Das menschliche Mikrobiom besteht aus rund zehn Billionen Mikroben; das sind mehr als alle Menschen, die jemals auf der Erde gelebt haben, seitdem es Menschen gibt. Unser Körper ist von über 1500 verschiedenen Arten besiedelt, von denen wir nur rund zwanzig Prozent kennen. Die anderen 80 Prozent bezeichnet die Wissenschaft als „microbial dark matter“, ein Begriff, der aus gutem Grund aus der Weltraumforschung entnommen ist, in der man ähnlich hilflos im Dunkeln tapst, was die Erkenntnisse über den eigentlichen Zusammenhalt des Universums betrifft.

Prof. Dr. Markus Egert ist Mikrobiologe und hat sich in seinem Buch mit der Tatsache beschäftigt, dass ein Keim eben selten allein kommt, sondern sich bevorzugt in Familienverbänden ansiedelt. Schnell nimmt er uns die Furcht vor jenen unbekannten und für das bloße Auge unsichtbaren Gästen, die auf unserer Haut, in unserem Körper und überall um uns herum leben. Denn Keime sind lebenswichtig, und eine völlige Keimfreiheit wäre gar nicht gesund für uns …

Doch die moderne Konsumgüterindustrie möchte uns zu einer übertriebenen Hygiene anstiften, befindet auch der Autor, und als Mikrobiologe, der lange Zeit für einen internationalen Konzern der Branche tätig war, weiß er sehr genau, wovon er redet.

Der Wunsch nach Desinfektion und absoluter Keimfreiheit im Haushalt, wie ihn uns die Werbung als erstrebenswert suggerieren möchte, ist alles andere als sinnvoll. Denn eine hundertprozentige Keimfreiheit kann es nicht geben. Keime an sich sind gar nicht das Problem, sondern vor allem jene pathogenen — also krankheitserregenden — Keime, die immer auch mit dabei sind und die uns Menschen auch gefährlich werden können.

Wenn man jedoch regelmäßig und übertrieben seinen Körper und seine Umgebung durch aggressive antibiotische Reinigungsmittel zu reinigen versucht, erreicht man das genaue Gegenteil von dem, was man eigentlich erreichen möchte: Indem man die Mikroben wiederholt mit jenen starken Reinigungsmitteln bekämpft, werden zwar viele abgetötet, andere jedoch überleben diesen Stress: Das sind die Superkeime von morgen.

„Ein Keim kommt selten allein“ liest sich wunderbar unterhaltsam, und man lernt eine Menge über diese kleinen Einzeller, die in den meisten Fällen sogar nützlich, ja, unverzichtbar für den menschlichen Organismus sind. Denn die meisten Mikroben helfen uns beim Leben und Überleben.

Nachdem die wichtigsten mikrobiologischen Grundlagen vermittelt wurden, beginnt Egert seinen bunten Streifzug durch den Haushalt und durch die Mikrobenwelt in allen Lebenslagen. Vom Hausschwamm über den menschlichen Sex, das Zusammenleben mit Kindern und Haustieren bis zum Mikrobengehalt des Weihwassers, über die Luft in Flugzeugkabinen bis zu dem faszinierenden Biotop in dem Biofilm unserer Waschmaschinen wird unsere Umwelt aus humoriger und mikrobiologischer Sicht beleuchtet.

Man lernt eine Menge und hat eine Menge Spaß dabei! Was ließe sich noch mehr von einem populärwissenschaftlichen Sachbuch über die Welt der Mikroben erwarten?! — Lesen, lachen und lernen! Und vor allem davor und danach: Händewaschen nicht vergessen!

 

 

Autor: Prof. Dr. Markus Egert, Frank Thadeuz
Titel: „Ein Keim kommt selten allein — Wie Mikroben unser Leben bestimmen und wir uns vor ihnen schützen“
Broschiert: 256 Seiten
Verlag: Ullstein
ISBN-10: 3864930685
ISBN-13: 978-3864930683

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