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Jens Malte Fischer: „Gustav Mahler – Der fremde Vertraute“

Am: | Juli 19, 2010

Am 7. Juli 2010 feierte man den 150. Geburtstag des österreichischen Komponisten Gustav Mahler. 1860 in Böhmen als Sohn jüdischer Eltern geboren, war Mahler einer der bedeutendsten Komponisten der Spätromantik. Aber Gustav Mahler arbeitete auch als Operndirektor und Reformator des Musiktheaters sowie als Dirigent. Zeit seines Lebens hatte Mahler mit Widerständen zu kämpfen und litt auch unter seiner schwachen Gesundheit.

Jens Malte Fischer ist ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und der Akademie der Wissenschaften und Sprache in Mainz sowie Professor für Theaterwissenschaft an der Universität München. Über Gustav Mahler hat er eine mächtige Biographie von fast 1000 Seiten Umfang geschrieben, die nun, pünktlich zum 150. Geburtstag Mahlers, bei dtv erschienen ist.

Nimmt man diesen weichen Ziegelstein in die Hand und blättert man darin herum, so wird man sich schnell festlesen. Denn was dort geschrieben steht über den Komponisten und Menschen Gustav Mahler, öffnet den Blick auf den ganzen Menschen und auf die Zeit, in der er lebte. Das ist spannend und kann auch exemplarisch als das Portrait eines Künstlers im Spannungsfeld seiner Gesellschaft gelesen werden.

Immer wieder war Mahler antisemitischen Angriffen ausgesetzt. Die Rezeption seiner Werke war sehr ambivalent; zuviel Neues wurde dem Publikum zugemutet, zu revolutionär war seine Musik. Auch als Wiener Operndirektor hörten die Anfechtungen und das Anlaufen der Kunstkritik gegen diese als „jüdisch“ diffamierten Kompositionen nicht auf. Erst als Dirigent in den USA konnte Gustav Mahler internationalen Ruhm erlangen, der dann auch die Rezeption seiner früheren kompositorischen Werke in ein neues Licht rückte.

Jens Malte Fischer gelingt es in seiner Biographie nicht nur, den künstlerischen und privaten Lebensweg Gustav Mahlers zu zeichnen, sondern dem Leser gleichzeitig die Komplexität seines kompositorischen Werkes in Einzeldarstellungen nahe zu bringen. Die Taschenbuch-Ausgabe wurde in diesem Sinne überarbeitet und durch detaillierte Angaben zu bemerkenswerten Neueinspielungen von Mahlers Werken ergänzt. Dies erleichtert es vor allem dem Mahler-Neuling, die Lektüre durch eine entsprechend niveauvolle musikalische Annäherung an den Künstler zu ergänzen.

Es mag noch andere Biographien über Gustav Mahler geben. Keine ist jedoch derart umfangreich, komplex und abschließend recherchiert wie Fischers Biographie „Der fremde vertraute“.

Nach 1000 Seiten weiß man nicht nur nahezu alles über diesen bedeutenden Komponisten, sondern auch über die spätromantische Musikgeschichte, das Musiktheater seiner Zeit und die Wiener Gesellschaft um 1900. Ein faktenreiches und inhaltsschweres Buch für alle, die sich für klassische Musik im Allgemeinen und für Gustav Mahler im Besonderen interessieren.

Autor: Jens Malte Fischer
Titel: „Gustav Mahler – Der fremde Vertraute“
Taschenbuch: 992 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423346132
ISBN-13: 978-3423346139

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