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Heike Faller: „Wie ich einmal versuchte, reich zu werden“

Am: | Juli 8, 2009

Heike Faller: "Wie ich einmal versuchte, reich zu werden - Mein Jahr unter Spekulanten"Heike Faller hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Sie verfügt über 40.000 Euro Vermögen. 10.000 Euro davon setzt sie als Startkapital ein. Innerhalb eines Jahres will sie dieses Vermögen verdoppeln.

Die äußeren Umstände sind günstig. In ihrer Redaktion kommt es gerade zu Umstrukturierungen, und die berufliche Situation ist unklar. Also nimmt sich Heike Faller ein Jahr Auszeit und taucht ein in die Welt der Spekulanten, Investment-Banker, Finanz-Jongleure und Anlage-Gurus.

Ihr Abenteuer begann in einer Sparkassen-Filiale im oberpfälzischen Neustadt an der Waldnaab. Die zwei Sparkassen-Angestellten, die sie besucht, wurden 2002 dadurch bekannt, dass sie das erfolgreichste Musterdepot Deutschlands betreuten: Innerhalb von sieben Monaten erwirtschafteten sie einen Vermögensanstieg um 43 Prozent – und das in Zeiten der New-Economy-Krise.

Heike Faller steigt voll ein in diese neuen Kreise und hat sich mit Haut und Haaren der Finanzwelt verschrieben. Ihr Schlüsselerlebnis hat sie in der Berliner U-Bahn, als sie einem Libanesen, der sie harmlos fragte, welche Aktie man denn kaufen solle, einen zehnminütigen Vortrag über die Vor- und Nachteile von Aktien-Anlagen hält: „Ich war längst Mitglied einer esoterischen Glaubensgemeinschaft geworden.

Ihre Reise durch die Finanzwelt beginnt: von einer Goldmesse über den eigenen Handel mit Optionsscheinen über das Internet, Spekulationen am Kunstmarkt, Investitionen auf dem Frontier-Markt der Iraker Börse bis hin zu einer Tour ins Spielcasino von Baden-Baden.

Die Autorin liest nur noch den Finanzteil der Tageszeitungen, verfolgt regelmäßig den Dow-Jones und andere Indizes; sie beschäftigt sich auch mit technischer Chart-Analyse, mit Elliott-Kurven und kennt sich bestens aus mit Zertifikaten, CDO, CDS, Optionsscheinen und Rohstoff-Anleihen. Es ist die Zeit der Subprime-Krise in den USA, und das Wort „Bankenkrise“ wird geboren.

Immer wieder stellt sie sich ethische Fragen, ob der Handel mit diesem oder jenem Wert ethisch vertretbar ist; aber diese Fragen werden schnell ausgeblendet, eine Erfahrung, die sie immer wieder macht.

Heike Faller beschreibt ihren Ausflug in die Welt der Finanz-Spekulationen aus der Ich-Perspektive. Das Buch liest sich wie eine Reisereportage. Am Ende jedes Monats steht eine kurze Aufstellung ihres aktuellen Depots, und der Verlauf des Kontostandes überrascht.

Während dieses Jahres befragt sie auch Finanzwissenschaftler und Wirtschaftsexperten zur gegenwärtigen Situation – Leute, die eigentlich wissen müssten, worauf wir uns in der gegenwärtigen Krise einstellen sollten: Kommt eine Deflation? Oder eine Inflation?

Deutlich wird, dass es verschiedene Einschätzungen, unterschiedliche Meinungen und vor allem keine Patentrezepte für die aktuelle Lage gibt. Sowohl die perfekte Anlagestrategie als auch die richtige Prognose der kommenden Zeit in der jetzigen Finanzkrise gibt es nicht.

Heike Faller ist mit ihrem Selbstversuch, in einem Jahr reich zu werden, ein spannendes Buch gelungen, das man jedem empfehlen kann, der einmal die Welt der Banken, Finanzberater und Spekulanten von innen kennen lernen möchte, ohne dabei sein Vermögen aufs Spiel zu setzen.

 

Autor: Heike Faller
Titel: „Wie ich einmal versuchte, reich zu werden“
Gebundene Ausgabe: 280 Seiten
Verlag: Dva
ISBN: 342104385X
EAN: 978-3421043856

 

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