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Terry Pratchett: „Aus der Tastatur gefallen — Gedanken über das Leben, den Tod und schwarze Hüte“

Am: | November 7, 2018

Wenn ein Autor im Laufe seines schriftstellerischen Lebens über 45 Millionen Bücher verkauft hat, scheint er den Geschmack des Publikums zumindest nicht gänzlich zu verfehlen. Terry Pratchett ist der Erfinder der „Scheibenwelt“ und hat mit seinen Romanen eine weltweite Fan-Gemeinde versorgt.

Die Anerkennung seines Werkes ging so weit, dass er sogar 1998 zum Officer des Order of the British Empire (OBE) ernannt wurde. Der Mann mit den schwarzen Hüten war lebenslang ein Exzentriker und legte wenig Wert auf Konformität. Pratchett erkrankte früh an einer Form der Alzheimer-Krankheit und wurde 72 Jahre alt; er starb 2015.

Nun sind erstmals auf Deutsch seine besten Essays bei Goldmann erschienen. Es sind kurze Texte über — na ja, Douglas Adams lässt grüßen — „das Leben, den Tod und schwarze Hüte“. Das klingt nicht nur zufällig nach „Das Leben, das Universum und der ganze Rest“, wie seinerzeit der dritte Band des fünfbändigen Kult-Romans „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams hieß.

Seine Essays bieten einen facettenreichen und unglaublich unterhaltsamen Lesespaß. Natürlich sind diese Texte ein Muss für jeden Pratchett-Fan, doch im Grunde sind sie für jeden Leser geeignet, der lesen möchte, was ein gewitzter Geist zu allen möglichen und unmöglichen Themen zu schreiben hat.

Terry Pratchetts Essays sind witzig. Das liegt vor allem daran, dass der Autor sich selbst nicht allzu ernst nimmt. In einem Text gesteht er ganz offen: „Ich habe die Schriftstellerei nie ernst genommen. Na ja, stimmt nicht ganz. Ich habe die Schriftstellerei sehr ernst genommen, was damals wohl auch das Richtige wahr.“ — Und so weiter. Hier wird uns beste britische Lektüre serviert: Witz, Understatement und ein Blick für das Große im Ganzen.

Ganz der essayistischen Tradition verpflichtet, lesen wir hier Texte aus der Ich-Perspektive; die Schriftsteller-Persönlichkeit erschreibt sich mit ihren suchenden Texten ihren Ausschnitt aus der Wirklichkeit und deutet die Welt aus einer Position absoluter Subjektivität. Das kann auch schiefgehen, wenn der Autor langweilig ist; doch bei Terry Pratchett ist es einfach wunderbar gelungen.

Gerne folgen wir dem Autor (und Ich-Erzähler) auf seinen Wegen durch unsere seltsame und vielschichtige Gegenwart, sinnieren den einen Phänomenen nach und schütteln belustig über Anderes unseren Kopf. Schnell und ohne Wenn und Aber zieht uns der Autor auf seine Seite und nimmt uns für ihn ein. Wir können gar nicht anders, als ihm bedingungslos zu folgen und die Welt durch seine Augen zu betrachten. Dass uns dies so viel Spaß macht, liegt nicht zuletzt an der hervorragenden Übersetzungsarbeit von Gerald Jung und Regina Rawlinson.

 

 

Autor: Terry Pratchett
Titel: „Aus der Tastatur gefallen — Gedanken über das Leben, den Tod und schwarze Hüte“
Broschiert: 400 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN-10: 9783442487295
ISBN-13: 978-3442487295
ASIN: 3442487293

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