Christian Lux (Hg.): „Lesen — Die schönsten Geschichten über die Magie der Bücher“

Ein Buch kann vieles sein: Speicher, Werkzeug, Fenster, Zuflucht. Aber Lesen ist mehr als die Tätigkeit, die ein Buch in Gang setzt. Wer lesen kann, besitzt ein Instrument von eigentümlicher Macht. Er kann sich in Welten bewegen, die nicht die seinen sind, kann mit den Gedanken eines Menschen denken, der seit Jahrhunderten tot sein mag, …

Continue reading ‘Christian Lux (Hg.): „Lesen — Die schönsten Geschichten über die Magie der Bücher“’ »

Eva Menasse: „Alleinruhelage“

Man bekommt gelegentlich Bücher auf den Tisch, bei denen man schon vor der ersten Seite weiß, was von einem erwartet wird. Man soll die Autorin würdigen, die Preise erwähnen, die literarische Bedeutung andeuten, ein paar gesellschaftliche Großwetterlagen darüberlegen und am Ende möglichst einen Satz finden, der auf dem Umschlag noch als Lob funktionieren könnte. Eva …

Continue reading ‘Eva Menasse: „Alleinruhelage“’ »

Franziska zu Reventlow: „Ellen“

Franziska zu Reventlows „Ellen Olestjerne“ gehört zu jenen Romanen, die ihre eigentliche Sprengkraft erst lange nach ihrem Erscheinen entfalten. Als das Buch 1903 veröffentlicht wurde, ließ es sich durchaus als Künstlerroman, als autobiographisch gefärbte Entwicklungsgeschichte oder als literarischer Beitrag zur damals heftig diskutierten „Frauenfrage“ lesen. Heute hingegen erscheint es als Dokument einer Epoche, in der …

Continue reading ‘Franziska zu Reventlow: „Ellen“’ »

Alfred Andersch: „Der Vater eines Mörders“

Alfred Anderschs letzte Erzählung „Der Vater eines Mörders“, die erst nach seinem Tod im Jahr 1980 veröffentlicht wurde, gehört zu jenen schmalen Prosawerken, deren Wirkung weit über ihren geringen Umfang hinausreicht. Auf wenigen Seiten entwirft Andersch nicht nur das bedrückende Bild einer autoritären Schulwelt in der späten Weimarer Republik, sondern zugleich eine Erinnerungsskizze eigener Jugend, …

Continue reading ‘Alfred Andersch: „Der Vater eines Mörders“’ »

Lilith Ha: „Lyrische Intoxikation“

Das Buch „Lyrische Intoxikation“ entzieht sich mit einer eigentümlichen Konsequenz jeder eindeutigen Zuordnung und gewinnt gerade daraus seine eigentümliche Sogkraft. Was als Essay firmiert, ist in Wahrheit ein vielstimmiges Gebilde, das autobiografische Reflexion, literarische Analyse und erzählerische Verdichtung miteinander verschränkt. Im Zentrum steht eine Ich-Erzählerin, deren Begegnung mit der Lyrik Rudolf Borchardts nicht als bloß …

Continue reading ‘Lilith Ha: „Lyrische Intoxikation“’ »

Nicolas Mahler: „Ach, die dumme Literatur! — Ausgewählt und gezeichnet von Mahler“

Schon der Titel von „Ach, die dumme Literatur!“ klingt wie ein Seufzer, halb ironisch, halb erschöpft, und tatsächlich ist dieses schmale, elegant gestaltete Buch nichts anderes als eine Sammlung solcher Seufzer — allerdings nicht von irgendwem, sondern von den großen Namen der Literaturgeschichte. In Briefen, Tagebüchern und Notizen stöbert der Wiener Zeichner und Autor Nicolas …

Continue reading ‘Nicolas Mahler: „Ach, die dumme Literatur! — Ausgewählt und gezeichnet von Mahler“’ »

Charles Lewinsky: „Eine andere Geschichte“

„Eine andere Geschichte“ beginnt unspektakulär, beinahe zurückhaltend, als wolle der Autor sich entschuldigen, überhaupt da zu sein. Im Zentrum steht ein Mann, dessen Leben sich nicht in spektakulären Wendungen, sondern in leisen Verschiebungen entfaltet. Eine Begegnung, eine Erinnerung, ein Gespräch, das keines ist, weil das Entscheidende nicht ausgesprochen wird. Die Handlung folgt weniger einer äußeren …

Continue reading ‘Charles Lewinsky: „Eine andere Geschichte“’ »

Steffen Kopetzky: „Die Harzreise — Eine Deutschlanderkundung“

„Die Harzreise“. Wer während der Schulzeit ein Mindestmaß an literarischer Bildung genossen hat, wird sogleich an Heinrich Heine denken. Doch der Untertitel macht den Unterschied und weist den Weg: Der volle Titel „Die Harzreise — Eine Deutschlanderkundung“ signalisiert ein doppeltes Spiel: eine Bewegung durch Raum und Zeit, durch Landschaft und Literaturgeschichte. Steffen Kopetzky folgt den …

Continue reading ‘Steffen Kopetzky: „Die Harzreise — Eine Deutschlanderkundung“’ »

Edwin Frank: „Stranger than Fiction — Das 20. Jahrhundert in 30 Romanen“

Der amerikanische Lektor, Herausgeber und Essayist Edwin Frank gehört seit Jahrzehnten zu jenen diskreten, aber einflussreichen Figuren des Literaturbetriebs, die weniger durch ein umfangreiches eigenes Werk als vielmehr durch kuratorische Arbeit und intellektuelle Vermittlung prägen. Als Gründer der Reihe „New York Review Books Classics“ hat er vergessene oder randständige Texte des 20. Jahrhunderts wieder zugänglich …

Continue reading ‘Edwin Frank: „Stranger than Fiction — Das 20. Jahrhundert in 30 Romanen“’ »

R. C. Sherriff: „Vor uns die Zeit“

Der 1936 erschienene Roman „Vor uns die Zeit“, im Original „Greengates“, entfaltet seine Handlung mit jener unaufdringlichen Sorgfalt, die für das Erzählen von R. C. Sherriff charakteristisch ist. Im Mittelpunkt steht das Ehepaar Baldwin, das sich nach dem Eintritt des Mannes in den Ruhestand ein neues Leben auf dem Land erhofft. Das titelgebende Haus „Greengates“ …

Continue reading ‘R. C. Sherriff: „Vor uns die Zeit“’ »