Franziska zu Reventlow: „Ellen“

Franziska zu Reventlows „Ellen Olestjerne“ gehört zu jenen Romanen, die ihre eigentliche Sprengkraft erst lange nach ihrem Erscheinen entfalten. Als das Buch 1903 veröffentlicht wurde, ließ es sich durchaus als Künstlerroman, als autobiographisch gefärbte Entwicklungsgeschichte oder als literarischer Beitrag zur damals heftig diskutierten „Frauenfrage“ lesen. Heute hingegen erscheint es als Dokument einer Epoche, in der …

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Gunna Wendt: „Frauen von morgen — Die Schwestern Richthofen im Kreise der Bohème“

Es gehört zu den eigentümlichen Gewohnheiten der Geschichte, dass sie ihre Erinnerungen nachträglich ordnet. Sie bewahrt Namen auf, verwirft andere, erhebt manche Menschen zu Symbolfiguren und lässt andere in den Fußnoten verschwinden, obwohl gerade sie das geistige Klima ihrer Zeit vielleicht präziser verkörperten als jene, die später Denkmäler erhielten. Historisches Erinnern folgt selten den Maßstäben …

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Samra Kljajic: „Femme fatale — Die weibliche Macht im Schatten der Geschichte“

Geschichte kennt keine Stimmen. Sie kennt Überlieferungen. Das Vergangene spricht nicht selbst; es wird zum Sprechen gebracht — durch Archive, Auswahl, Erinnerung und durch die Gegenwart, die in die Ruinen der Vergangenheit hinabsteigt, um dort Antworten auf ihre eigenen Fragen zu suchen. Jede Geschichtsschreibung erzählt deshalb niemals nur, was gewesen ist. Sie erzählt auch, wer …

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Bianca Walther: „Die Vorkämpferinnen — Wie aus vielen Frauen eine Bewegung wurde“

Es gibt historische Daten, die im kollektiven Gedächtnis eines Landes wie plötzlich auftauchende Leuchttürme erscheinen. Der Januar 1919 gehört zu ihnen. Zum ersten Mal dürfen Frauen im Deutschen Reich wählen und gewählt werden. In vielen Darstellungen wirkt dieser Moment wie ein politischer Durchbruch, ein Ereignis, das gleichsam über Nacht eine neue Epoche eröffnet. Bianca Walther …

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Lilith Ha: „Lyrische Intoxikation“

Das Buch „Lyrische Intoxikation“ entzieht sich mit einer eigentümlichen Konsequenz jeder eindeutigen Zuordnung und gewinnt gerade daraus seine eigentümliche Sogkraft. Was als Essay firmiert, ist in Wahrheit ein vielstimmiges Gebilde, das autobiografische Reflexion, literarische Analyse und erzählerische Verdichtung miteinander verschränkt. Im Zentrum steht eine Ich-Erzählerin, deren Begegnung mit der Lyrik Rudolf Borchardts nicht als bloß …

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Polly Tieck: „Die Freundin meines Freundes — Feuilletons aus den 1920er Jahren“

Dieses Buch ist ein guter Beweis dafür, dass die Erforschung der Geschichte — und hierzu gehört natürlich auch die Literaturgeschichte — im Grunde nie abgeschlossen ist: Immer wieder lassen sich unerwartete Entdeckungen machen, neue Konstellationen bilden und variante Interpretationen entwickeln. Verschollen geglaubte Artefakte und sensationelle Archivfunde auf der einen Seite, neue Analysetechniken und wissenschaftliche Verfahren …

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R. C. Sherriff: „Vor uns die Zeit“

Der 1936 erschienene Roman „Vor uns die Zeit“, im Original „Greengates“, entfaltet seine Handlung mit jener unaufdringlichen Sorgfalt, die für das Erzählen von R. C. Sherriff charakteristisch ist. Im Mittelpunkt steht das Ehepaar Baldwin, das sich nach dem Eintritt des Mannes in den Ruhestand ein neues Leben auf dem Land erhofft. Das titelgebende Haus „Greengates“ …

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Helene Böhlau: „Halbtier!“

Wer sich Helene Böhlaus Roman „Halbtier!“ nähert, dem öffnet sich eine erzählerische Welt, in der psychologische Feinzeichnung und gesellschaftliche Reibung sich in einer eigentümlich schimmernden Prosa verbinden. Der Roman führt zwei Figuren zusammen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: eine junge Frau, deren innere Entwicklung zwischen Konvention und Freiheitsdrang oszilliert, und ein Mann, dessen ungebändigtes, instinktgeleitetes …

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Marie-Luise von der Leyen: „Die Skandalösen — Frauen, die sich ihre Freiheit genommen haben“

Marie-Luise von der Leyens Buch Die Skandalösen — Frauen, die sich ihre Freiheit genommen haben ist ein Werk, das von seiner Autorin mit sichtlicher Zuneigung für seine Protagonistinnen und einem feinen Sinn für Dramaturgie komponiert wurde. Es ist kein Lexikon weiblicher Lebensläufe, kein Kompendium über Emanzipationsgeschichte — vielmehr eine Folge von Miniaturen, sorgfältig poliert, doch …

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Charlotte Mew: „Einige Arten zu lieben – Erzählungen“

Charlotte Mew – das ist eine Stimme, die flüstert und zerschneidet, die streichelt und sticht, die verstört, entzückt und sich nie ganz einfangen lässt. Mit der Erzähl- und Gedichtsammlung Einige Arten zu lieben liegt nun ein auf Deutsch zugängliches Konzentrat eines Werks vor, das so eigen ist, dass es weder im Kanon seiner Zeit noch …

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