Romain Gary: „Lady L.“

Romain Garys Roman „Lady L.“ aus dem Jahr 1959 entfaltet sich auf den ersten Blick wie eine elegante Salonanekdote, gewinnt jedoch rasch die Tiefe einer hintergründigen Reflexion über Identität, Moral und die Maskenspiele der Gesellschaft. Im Zentrum steht Lady L., eine hochbetagte, distinguierte Dame der englischen Aristokratie, die anlässlich ihres achtzigsten Geburtstags beschließt, einem vertrauten …

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Daniel Siemens: „Der Fotograf Fred Stein — Ein deutsch-jüdisches Leben 1909-1967“

Eine Schwierigkeit dieses Buches liegt paradoxerweise bereits in der Erwartung, die sein Titel weckt: Daniel Siemens kündigt eine klassische Künstlerbiografie an, doch tatsächlich entfaltet er ein vielschichtiges, methodisch reflektiertes Porträt, das sich zwischen historischer Rekonstruktion und essayistischer Annäherung bewegt. „Der Fotograf Fred Stein — Ein deutsch-jüdisches Leben 1909–1967“ ist weniger die Geschichte eines souveränen Künstlers …

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Uwe Neumahr: „Die Buchhandlung der Exilanten — Paris 1940. Zuflucht und Widerstand“

Die Buchhandlung der Exilanten beginnt, wie so viele große Geschichten des 20. Jahrhunderts beginnen: mit einer Tür, die sich öffnet. Man tritt ein, und es ist nicht nur ein Laden, es ist ein Versprechen. Bücherregale, die sich bis zur Decke recken, Papierstapel, Gespräche, die in der Luft hängen bleiben, weil sie zu klug oder zu …

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Florian Illies: „Wenn die Sonne untergeht — Familie Mann in Sanary“

Florian Illies hat mit Wenn die Sonne untergeht — Familie Mann in Sanary ein Buch geschrieben, das zugleich Familiendrama, Exilstudie und Sommeridylle ist. Im Mittelpunkt steht der Sommer 1933, in dem Thomas und Katia Mann mit ihren sechs Kindern im südfranzösischen Sanary-sur-Mer Zuflucht suchen. Der Ort ist sonnendurchglüht und doch von Bedrohung überschattet. Die Familie …

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Werner Plumpe: „Gefährliche Rivalitäten — Wirtschaftskriege – Von den Anfängen der Globalisierung bis zu Trumps Deal-Politik“

Wirtschaft und Krieg – zwei Worte, die sich in der Geschichte nie ganz voneinander trennen ließen, auch wenn das ökonomische Zeitalter der Moderne immer wieder das Gegenteil zu suggerieren versuchte. Werner Plumpe, emeritierter Frankfurter Wirtschaftshistoriker, legt mit Gefährliche Rivalitäten ein Werk vor, das diese trügerische Trennung eindrucksvoll aufhebt. In einem Bogen, der sich von den …

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Colette: „Vom Glück des Umziehens“

Sidonie-Gabrielle Colette, bekannt als Colette, war eine der bedeutendsten französischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr Leben war geprägt von literarischem Schaffen, künstlerischer Vielfalt und zahlreichen Ortswechseln, die sowohl freiwillig als auch unfreiwillig erfolgten. Diese Umzüge spiegeln die verschiedenen Phasen ihres bewegten Lebens wider und beeinflussten maßgeblich ihr Werk. Colette wurde am 28. Januar 1873 in …

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Leïla Slimani: „Warum so viel Hass? — Essays“

In Frankreich ist Leïla Slimani längst zu einer festen Größe im kulturellen Leben und zu einer der wichtigsten literarischen Stimmen der Intellektuellen in Frankreich avanciert; in Deutschland hingegen ist sie immer noch vielen Lesern unbekannt. Bestenfalls ihre beiden Romane „All das zu verlieren“ und „Dann schlaf´ auch Du“ (für den Slimani den begehrten Prix Goncourt …

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Gerhard R. Kaiser (Hg.): „Deutsche Berichte aus Paris 1789-1933 – Zeiterfahrung in der Stadt der Städte“

Ah, Paris! Die Stadt der Städte! Paris hat schon immer die Fantasien beflügelt, Emotionen geweckt und Illusionen ausgelöst. Nicht erst als die „Hauptstadt des XIX. Jahrhunderts“, wie sie Walter Benjamin nannte, verzauberte Paris die Reisenden, sondern das war wohl schon immer so. Bestimmt vermochte selbst das antike Lutetia durch seine Größe, seinen Reichtum seinen nternationalen …

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Henri Cartier-Bresson: „Die Photographien“

Es ist wohl keine Übertreibung, wenn man Henri Cartier-Bresson als den einflussreichsten Photographen des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Cartier-Bresson lebte von 1908 bis 2004. Seine frühen Arbeiten wurden zu Ikonen der Leica-Photographie. Nach dem zweiten Weltkrieg hat er 1947 zusammen mit Robert Capa, David „Chim“ Seymour und George Rodger in Paris die weltbekannte, unabhängige Fotoagentur MAGNUM …

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Sarah Bakewell: „Wie soll ich leben? Oder Das Leben Montaignes in einer Frage und zwanzig Antworten“

Die Website „The Oxford Muse“ ragt aus dem schier unüberschaubaren Wirrwarr von Blogs und anderen Selbstdarstellungsformaten im Netz heraus. Auf dieser Plattform werden Menschen dazu angehalten, in ihren Beiträgen zu beschreiben, was sie einzigartig macht, was sie besonders gut können und was sie von allen anderen Menschen auf der Welt unterscheidet. Indem sie ihre Beiträge …

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