Charles Lewinsky: „Eine andere Geschichte“

„Eine andere Geschichte“ beginnt unspektakulär, beinahe zurückhaltend, als wolle der Autor sich entschuldigen, überhaupt da zu sein. Im Zentrum steht ein Mann, dessen Leben sich nicht in spektakulären Wendungen, sondern in leisen Verschiebungen entfaltet. Eine Begegnung, eine Erinnerung, ein Gespräch, das keines ist, weil das Entscheidende nicht ausgesprochen wird. Die Handlung folgt weniger einer äußeren …

Continue reading ‘Charles Lewinsky: „Eine andere Geschichte“’ »

Steffen Kopetzky: „Die Harzreise — Eine Deutschlanderkundung“

„Die Harzreise“. Wer während der Schulzeit ein Mindestmaß an literarischer Bildung genossen hat, wird sogleich an Heinrich Heine denken. Doch der Untertitel macht den Unterschied und weist den Weg: Der volle Titel „Die Harzreise — Eine Deutschlanderkundung“ signalisiert ein doppeltes Spiel: eine Bewegung durch Raum und Zeit, durch Landschaft und Literaturgeschichte. Steffen Kopetzky folgt den …

Continue reading ‘Steffen Kopetzky: „Die Harzreise — Eine Deutschlanderkundung“’ »

R. C. Sherriff: „Vor uns die Zeit“

Der 1936 erschienene Roman „Vor uns die Zeit“, im Original „Greengates“, entfaltet seine Handlung mit jener unaufdringlichen Sorgfalt, die für das Erzählen von R. C. Sherriff charakteristisch ist. Im Mittelpunkt steht das Ehepaar Baldwin, das sich nach dem Eintritt des Mannes in den Ruhestand ein neues Leben auf dem Land erhofft. Das titelgebende Haus „Greengates“ …

Continue reading ‘R. C. Sherriff: „Vor uns die Zeit“’ »

Charlotte Mew: „Alle belebten Dinge halten den Atem an — Gedichte“

Der Band „Alle belebten Dinge halten den Atem an“ versammelt Gedichte von Charlotte Mew, deren Werk lange Zeit eher als Randphänomen der englischen Literaturgeschichte wahrgenommen wurde und erst in jüngerer Zeit jene Aufmerksamkeit erfährt, die seiner eigentümlichen Modernität entspricht. Schon der Titel der deutschen Ausgabe evoziert jenes Moment des Innehaltens, das für Mews Schreiben zentral …

Continue reading ‘Charlotte Mew: „Alle belebten Dinge halten den Atem an — Gedichte“’ »

Judith Hermann: „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“

Es gehört zu den eigentümlichen Bewegungen der Literatur, dass sie immer wieder dorthin zurückkehrt, wo das Erinnern unsicher wird. Gerade dort, wo Archive schweigen und Familiengeschichten brüchig sind, beginnt das Erzählen. Das neue Buch von Judith Hermann trägt einen Titel, der diese Bewegung bereits programmatisch formuliert: „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“. Doch dieser Wunsch …

Continue reading ‘Judith Hermann: „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“’ »

Lea Singer: „Eine Frage des Formats“

Lea Singers Roman „Eine Frage des Formats“ nimmt seinen Ausgang von einer Begebenheit, die auf den ersten Blick wie eine kunsthistorische Kuriosität wirkt: Ein Maler, berühmt für seine kompromisslose Körperlichkeit und seine schonungslose Nähe zum Modell, porträtiert eine Monarchin, deren öffentliche Existenz seit Jahrzehnten von Ritualen, Symbolen und kontrollierter Distanz bestimmt ist. Dass es sich …

Continue reading ‘Lea Singer: „Eine Frage des Formats“’ »

Julian Barnes: „Abschied(e)“

Julian Barnes’ Buch Abschiede ist kein Roman im klassischen Sinn, sondern ein schmales, konzentriertes Prosastück, das sich um einen der großen, unausweichlichen Grundvorgänge des menschlichen Lebens dreht: das Sich-Trennen, das Zurücklassen, das Fortgehen – und letztlich um den Abschied vom Leben selbst. In wenigen Worten lässt sich der Inhalt so umreißen: Barnes reflektiert über den …

Continue reading ‘Julian Barnes: „Abschied(e)“’ »

Katherine Mansfield: „Glück — Meistererzählungen“

Es gibt Anthologien, die wie literarische Sammelalben funktionieren, lose zusammengehalten von einem Thema, das mehr verspricht als es tatsächlich einlöst. Katherine Mansfields „Glück“ gehört nicht dazu. Der Titel wirkt zwar auf den ersten Blick wie ein programmatisches Versprechen, doch er entpuppt sich rasch als feinsinnig ironischer Schlüssel zu einem Werk, das Glück nicht als Zustand, …

Continue reading ‘Katherine Mansfield: „Glück — Meistererzählungen“’ »

Helene Böhlau: „Halbtier!“

Wer sich Helene Böhlaus Roman „Halbtier!“ nähert, dem öffnet sich eine erzählerische Welt, in der psychologische Feinzeichnung und gesellschaftliche Reibung sich in einer eigentümlich schimmernden Prosa verbinden. Der Roman führt zwei Figuren zusammen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: eine junge Frau, deren innere Entwicklung zwischen Konvention und Freiheitsdrang oszilliert, und ein Mann, dessen ungebändigtes, instinktgeleitetes …

Continue reading ‘Helene Böhlau: „Halbtier!“’ »

Stefan Maiwald: „Meine Bar in Italien – Warum uns der Süden glücklich macht“

Wenn Stefan Maiwald über Italien schreibt, so ist es, als würde er nicht bloß ein Land beschreiben, sondern ein Versprechen. Ein Versprechen auf Wärme, auf das langsame Ticken der Uhren, auf Gespräche mit Fremden, die sich binnen Minuten in Vertraute verwandeln – und auf ein Leben, das seinen Sinn nicht im Funktionieren, sondern im Genießen …

Continue reading ‘Stefan Maiwald: „Meine Bar in Italien – Warum uns der Süden glücklich macht“’ »