Vom griechischen Mathematiker und Geographen Ptolemaios stammt aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr. ein mehrere Tausend Städtenamen umfassender „Altlas der Oikumene“, in dem auch Germanien und die sagenumwobene Insel Thule katalogisiert wurden. Ob es zu diesem Atlas, der die Städtenamen und ihre Koordinaten enthielt, auch jemals eine Landkarte gab, ist ungewiss.
Die Entschlüsselung der Koordinaten stellte Forscher und Wissenschaftler seit jeher vor große Herausforderungen. Bislang war es nicht gelungen, das Rätsel zu lösen und eine Karte für „Germania magna“ und die Insel Thule zu rekonstruieren.
Erst dank der interdisziplinären Verflechtungen der heutigen Wissenschaft und mit Hilfe modernster Technologien ist es Geodäten und Wissenschaftshistorikern der TU Berlin jetzt gelungen, eine genaue Karte der Antike zu entwickeln.
Das Ergebnis ist revolutionär und gibt ganz neue Aufschlüsse über die geographischen Begebenheiten zur Zeit des Ptolemaios.
Von Berlin war damals noch lange nicht die Rede. Die nächsten Erwähnungen bei Ptolemaios sind Astuia (am Ort der späteren Burg Stargard), Alisus (bei Temmen) und Susudata (in der Nähe des heutigen Fürstenwalde).
Die sagenhafte Insel Thule identifizieren die Forscher der TU mit der norwegischen Insel Smøla oder mit der Inselgruppe Smøla, Hitrau und Frøya am Fjord von Trondheim.
Das vorliegende Buch ist für den akademischen Gebrauch gedacht. Wer sich vom Titel verführen lässt und sowohl eine reiche Illustration als auch eine blumige Sprache erhofft, wird enttäuscht werden. Wer jedoch ein Faible für Karten, Auflistungen und Koordinaten hat, könnte an dieser antiken Deutschlandkarte seine Freude haben.
Autor: Andreas Kleineberg, Christian Marx, Eberhard Knobloch, Dieter Lelgemann
Titel: „Germania und die Insel Thule – Die Entschlüsselung von Ptolemaios’ ’Atlas der Oikumene’“
Gebundene Ausgabe: 131 Seiten
Verlag: WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft)
ISBN-10: 9783534245253
ISBN-13: 978-3534245253
ASIN: 3534245253
Aktualisierung 2025: Die Thesen der Autoren sind seit dem Erscheinen dieses Buches diskutiert worden. So gibt es auch aktuelle Kritik an der Interpretation des Kartenwerks des Ptolemaios und an einem übersteigerten Vertrauen des Autorenteams in dessen Verlässlichkeit: „Die zusammengestückelte Karte des Klaudios Ptolemaios“ (Ulrich Lamm auf academia.edu).