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Rezensionen von Büchern aus den Kultur- und Geisteswissenschaften

Verena Auffermann u.a. (Hg.): „Leidenschaften – 99 Autorinnen der Weltliteratur“

Am: | Februar 15, 2010

Ein dickes Buch liegt vor uns. Schön gebunden und mit einem Schwarzweiß-Foto von Margaret Mitchell geschmückt, der amerikanischen Autorin des Romans „Vom Winde verweht, die uns direkt in die Augen schaut und zu hypnotisieren versucht.

Auf 640 Seiten haben Verena Auffermann und drei weitere Kritiker-Kolleginnen, die für Die Zeit, die Sueddeutsche und andere Medien schreiben, die Kurzportraits von 99 Autorinnen der Weltliteratur zusammen getragen. Alle, die Rang und Namen haben, sind in diesem Kompendium versammelt. – Alle?

Nein, natürlich ist die Zahl 99 beliebig, und „eine fehlt immer“, wie die Herausgeberinnen gleich im Vorwort mögliche Beschwerden der Leserschaft abwenden, falls jemand fehlt.

„Leidenschaften“ ist das überzeugende Ergebnis einer Zusammenstellung von 99 Autorinnen-Portraits aus 2500 Jahren Kulturgeschichte. Die Idee zu dieser Sammlung von Essays entsprang der eigenen Liebe zur Literatur und dem Lesen sowie dem Interesse an weiblichen Schriftstellern im Besonderen: „Am Anfang stand die Leidenschaft – die der Autorinnen und unsere.

Während wir uns heutzutage kaum noch Gedanken über das geschlechtliche Mengen-Verhältnis von weiblichen und männlichen Autoren machen und es als relativ ausgewogen vorausetzen, wobei die Mehrheit der Autoren vielleicht sogar weiblich ist, so war dies durchaus nicht zu allen Zeiten der Fall.

Historisch gesehen, waren vor allem die Männer als Schriftsteller Ton angebend und ihre Berufung zum Schriftsteller ein Privileg, während die weibliche Autorin sich und ihre kreative Tätigkeit gegen gesellschaftliche Widerstände behaupten musste.

In manchen Gegenden der Dritten Welt ist es bis heute für Frauen schwerer als für Männer, als Schriftsteller zu arbeiten. Gegen diese Widerstände anzugehen und dagegen anzuschreiben, war und ist oft der einzige Weg aus der Isolation.

Umso bemerkenswerter ist die kreative Urkraft und der überwältigende Kanon der hier vorgestellten Autorinnen: von Sappho bis J.K. Rowling, von Ingeborg Bachmann bis Jane Austen, von Agatha Christie bis zu Virginia Woolf – 99 Schriftstellerinnen, die Geschichte machten.

Wir wollten Autorinnen vorstellen, weil deren Geschichte eine andere war und ist als die ihrer männlichen Kollegen. Und sie sollten für die Literaturgeschichte bedeutsam sein.“ – Diese Aufgabe haben die Verfasserinnen mit Bravur erfüllt.

„Leidenschaft“ ist ein Essay-Band, der trotz seiner alphabetischen Ordnung der Schriftstellerinnen-Porträts vom Anfang bis zum Ende gelesen werden kann, ohne langweilig zu werden.

Besser jedoch lässt sich der Leser von seiner Intuition treiben, blättert durch die Seiten, liest genauer, worauf sein Blick fällt und lässt sich inspirieren. Jedes Porträt beginnt mit einem Foto der Autorin, gefolgt von einem Essay und biographischen Notizen, bis einige Literatur-Empfehlungen das Porträt abschließen.

„Leidenschaften – 99 Autorinnen der Weltliteratur“ offenbart uns einen neuen, anderen Blick auf die Literaturgeschichte und zeigt, wie sehr gerade Frauen die Weltliteratur beeinflusst haben und bis zum heutigen Tage mitgestalten.

An das Ende des Buches setzen die Autorinnen einen Wunsch: „Wenn es aber so kommt, wie wir es wünschen, setzt sich das Buch als Projekt fort: indem es in anderen Ländern erscheint, wo hinzu gefügt wird, was dort von Bedeutung ist und was wir noch nicht kennen.

Zuvor wünschen wir diesem Buch jedoch eine breite Leserschaft jeden Geschlechts.

Autor: Verena Auffermann u.a. (Hg.)
Titel: „Leidenschaften – 99 Autorinnen der Weltliteratur“
Gebundene Ausgabe: 640 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann Verlag
ISBN-10: 3570010481
ISBN-13: 978-3570010488

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