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Rezensionen von Büchern aus den Kultur- und Geisteswissenschaften

David Shields: „Das Dumme am Leben ist, dass man eines Tages tot ist“

Am: | September 25, 2009

David Shields: "Das Dumme am Leben ist, dass man eines Tages tot ist - Eine Art Anleitung zum Glücklichsein"Der Paläontologe Stephen Jay Gould antwortete auf die Frage nach dem Sinn des Lebens: „Wir sind hier, weil eine merkwürdige Gruppe von Fischen eine seltsame Anatomie der Flossen hatte, die sich in Beine für terrestrische Kreaturen transformieren konnten; weil Kometen die Erde trafen, die Dinosaurier zunichte machten und dadurch die Säugetiere eine Chance erhielten, die sie sonst nicht gehabt hätten; weil die Erde während der Eiszeiten nie ganz einfror; und weil eine kleine und schwache Art, die sich in Afrika vor ca. 250000 Jahren entwickelte, es geschafft hat, unter allen widrigen Umständen zu überleben.

In David Shields’ Buch geht es um das Leben. Um das menschliche Leben von seiner Zeugung und Geburt bis hin zum Sterben und Tod. Es ist ein überraschend witziges Buch.

David Shields ist Schriftsteller und lebt in Seattle. Bekannt wurde er als Autor mehrerer erfolgreicher Bücher. „Das Dumme am Leben ist, dass man eines Tages tot ist“ ist sein erstes Buch in deutscher Übersetzung.

Shields Vater ist 97 und macht immer noch einen erschreckend vitalen Eindruck. In seinem Buch lässt Shields seinen Vater öfters zu Wort kommen und betrachtet ihn und seine Art zu leben mit dem liebevollen Blick eines Sohnes.

Als er seinen Vater mit 97 nach dem „Ergebnis“ seines Lebens fragte, also nach dem, auf das „alles“ aus der Sicht eines alten Mannes heraus laufe, so bekommt er nur ausweichende Antworten: „Es gibt eine trostreiche Erkenntnis über das Älterwerden: Man muss es nur einmal durchmachen.“ oder: „Das Sterben ist einfach. Das schafft jeder. Zu leben ist das Kunststück.“ oder mit dem Blick auf den menschlichen Fortschritt: „Alles in allem sieht die Welt heute besser aus als 1910 in Brooklyn, New York.“ – Hm.

Der Autor schreibt die Geschichte des Lebens. Dabei nimmt er sich selbst immer wieder als lebendes Beispiel, und oft nimmt er sich dabei selbst auf den Arm. Er beschreibt biologische Prozesse, die die Entwicklung des menschlichen Körpers beschreiben und zeigt durch parallele Beschreibungen, dass Mann und Frau die Lebensalter zu unterschiedlichen Zeiten und in verschiedenen Tempi durchlaufen.

Immer stellt er auch den Bezug zu unserer Kultur und den soziologischen Rahmenbedingungen her und unterhält den Leser durch die häufige Einstreuung von passenden Zitaten schlauer Zeitgenossen von Lukrez bis Woody Allen. Es ist ein Buch über das Leben selbst und darüber, was unser Leben lebenswert macht.

Ist das Leben ein rein zur Arterhaltung bestimmter Prozess oder ist da noch mehr? Kultur vielleicht? Fortschritt? Was ist mit Sex? Wann macht er Spaß, wann lässt die Libido nach, was passiert mit dem Gewebe in der Scheide und rund um die Prostata?

David Shields bringt eine Unmenge von Zahlen und Fakten in diesem Buch unter. Nicht alle wird der Leser behalten, aber die Art und Weise, wie Shields schreibt, macht es dem Leser leicht, diese wissenschaftlichen Fakten auf dem Weg durch das Buch zu schlucken und später in den hinteren, ruhigeren Räumen seines Gehirnkastens zu verdauen. Sein Schreibstil ist unterhaltsam, und die geschickte Kombination der Fakten führt oft zu urkomischen Erkenntnissen. Die Lektüre macht einfach Spaß, immer will man wissen, wie es weitergeht, und auf jeder Seite warten neue spannende Erkenntnisse auf den Leser.

Am Ende der Lektüre fühlt man sich aufgeräumt, leicht und sogar ein bisschen glücklich. Alles hat doch einen Sinn, selbst wenn hier ausdrücklich nicht von Gott und seiner Liebe zu den Menschen gesprochen wird. Ja, mehr noch: Shields versagt im letzten Kapitel sogar jeglichem Glauben an einen höheren Sinn die Daseinsberichtigung. Das macht aber nichts und schmälert auch nicht den Spaß an der Lektüre.

David Shields hat ein Buch über das Leben und den Tod geschrieben. Es ist ein heiteres und sowohl das Leben als auch den Tod bejahendes Buch. Der Tod gehört zum Leben wie der Punkt an das Ende dieser Buchbesprechung. Punkt.

 

Autor: David Shields
Titel: „Das Dumme am Leben ist, dass man eines Tages tot ist – Eine Art Anleitung zum Glücklichsein“
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: C.H. Beck
ISBN-10: 3406592856
ISBN-13: 978-3406592850

 

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