Maryanne Wolf: „Bücher lesen — Über die Kunst des Lesens im digitalen Zeitalter“

Es gehört zu den eigentümlichen Ironien unserer Zeit, dass wir ausgerechnet dann über das Ende des Lesens zu sprechen beginnen, als so viel gelesen wird wie nie zuvor. Millionen Menschen tragen heute Bibliotheken in der Hosentasche, lesen Nachrichten, Romane, wissenschaftliche Texte, Kommentare, Wikipedia-Artikel, Chatnachrichten und Gebrauchsanweisungen auf Smartphones. Noch nie war geschriebene Sprache so allgegenwärtig. Und doch hat sich das Unbehagen an der Zukunft des Lesens festgesetzt. Maryanne Wolf gehört zu den klügsten und zugleich angreifbarsten Stimmen dieses Unbehagens. Ihr 2018 erstmals erschienenes Buch „Reader, Come Home“, das 2019 auf Deutsch unter dem Titel „Schnelles Lesen, langsames Lesen“ bei Penguin erschien, liegt jetzt unter dem Titel „Bücher lesen“ in einer schönen broschierten Ausgabe bei Pantheon vor. Es ist eine Verteidigung des langsamen, konzentrierten, nachdenklichen Lesens gegen eine digitale Umwelt, die Aufmerksamkeit zur Ware gemacht hat. Das Problem beginnt dort, wo aus dieser berechtigten Kulturkritik eine Art Neuro-Epos des gedruckten Buches wird.

Wolf weiß, wovon sie spricht. Sie ist Entwicklungspsychologin und Leseforscherin, hat an der Harvard Graduate School of Education promoviert, war Professorin an der Tufts University und leitete dort das Center for Reading and Language Research. Später übernahm sie an der UCLA die Leitung des Center for Dyslexia, Diverse Learners, and Social Justice. Ihre wissenschaftliche Arbeit beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Leseentwicklung, Dyslexie, Sprache und den neuronalen Grundlagen des Lesens. Ihr Buch ist also nicht die kulturpessimistische Meditation einer Bibliophilen, die angesichts eines IPhones erschrocken das Bücherregal umarmt. Wolf kommt aus einer ernst zu nehmenden Forschungstradition. Sie kennt die Neurowissenschaften des Lesens und die Entwicklungsbedingungen von Kindern. Gerade deshalb sollte man ihr dort widersprechen, wo sie aus wissenschaftlich plausiblen Befunden eine größere Gewissheit erzeugt, als die Forschung hergibt.

Ihre Ausgangsthese ist stark. Lesen ist keine biologische Grundfunktion des Menschen. Das Gehirn wurde nicht für den Roman, den Essay oder die Zeitung erfunden. Es musste lesen lernen, indem es bereits vorhandene neuronale Systeme neu miteinander verschaltete. Schrift wird visuell erkannt, sprachlich verarbeitet, mit Lauten, Bedeutungen, Erinnerungen und Schlussfolgerungen verbunden. Alphabetisierung ist deshalb eine kulturelle Leistung, die sich tief in die Architektur unserer Wahrnehmung einschreibt. Wolf interessiert sich besonders für das, was beim sogenannten „deep reading“ geschieht: die Fähigkeit, einen Text nicht bloß zu entschlüsseln, sondern ihn über längere Zeit im Bewusstsein zu halten, Zusammenhänge herzustellen, Widersprüche auszuhalten, Schlüsse zu ziehen, Perspektiven zu wechseln und zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten zu unterscheiden.

Das ist eine hochkomplexe Fähigkeit. Und sie ist gefährdet. Nur liegt die Gefahr nicht dort, wo Wolf sie gelegentlich verortet. — Denn wir lesen heute nicht einfach auf Papier oder digital. Wir lesen in unterschiedlichen Aufmerksamkeitsregimen. Ein gedruckter Roman verlangt etwas anderes als ein wissenschaftlicher Artikel auf einem Laptop. Ein E-Book auf einem Kindle ist eine andere Leseumgebung als derselbe Text auf einem Smartphone, auf dem gleichzeitig WhatsApp-Nachrichten, E-Mails und Nachrichtenmeldungen eintreffen. Wer diese Situationen unter dem Sammelbegriff „digitales Lesen“ zusammenfasst, macht aus einem komplizierten kulturellen Wandel eine technische Fabel: Papier gut, Bildschirm schlecht. Doch so einfach ist es nicht.

Die empirische Forschung ist allerdings auch keineswegs so beruhigend, wie die Freunde des blinden digitalen Bildungsoptimismus gern behaupten. Mehrere Meta-Analysen haben einen kleinen Vorteil des Lesens auf Papier gegenüber dem Lesen auf Bildschirmen gefunden. Delgado und seine Kollegen werteten 54 Studien mit insgesamt mehr als 171.000 Teilnehmern aus und fanden einen kleinen, aber signifikanten Vorteil des Papiers beim Textverständnis. Besonders sichtbar wurde er bei zeitlich begrenztem Lesen und bei informativen Texten; bei rein narrativen Texten verschwand der Unterschied weitgehend. Virginia Clinton kam 2019 nach der Auswertung von 33 experimentellen Studien mit 2.799 Teilnehmern zu einem ähnlichen Ergebnis. Der Vorteil des Papiers war klein, das Lesetempo unterschied sich dagegen nicht zuverlässig. Interessant war außerdem, dass Leser ihre eigene Verständnisleistung auf Papier etwas realistischer einschätzten.

Man sollte diese Befunde weder aufblasen noch kleinreden. Ein Effekt von ungefähr einem Viertel einer Standardabweichung ist kein Untergang des Abendlandes. Aber er ist auch nicht nichts. Wer behauptet, es spiele für das Verständnis eines anspruchsvollen Textes überhaupt keine Rolle, ob man ihn gedruckt oder auf einem Bildschirm liest, hat die Forschung auf seiner Seite nicht vollständig gelesen.

Nur kommt jetzt der unangenehme Teil für Maryanne Wolf: Eine neuere Meta-Analyse von 2024, die 37 experimentelle Studien einbezog, fand insgesamt keinen signifikanten Unterschied im Textverständnis zwischen digitalem und gedrucktem Lesen. Die Unterschiede verschwanden oder veränderten sich, sobald Textsorte, Lesebedingungen und Eigenschaften der Leser berücksichtigt wurden. Schon eine Meta-Analyse von 2018 hatte darauf hingewiesen, dass der Papiervorteil unter anderem von Zeitdruck und Textsorte abhängt. Eine weitere Meta-Analyse stellte fest, dass Papier beim Verständnis besser abschneidet, beim Lesetempo aber keinen signifikanten Vorteil besitzt.

Wenn dies alles so stimmt — und danach sieht es zumindest im Augenblick aus, dann bedeutet das: Das Buch besitzt keinen magischen Erkenntnisbonus gegenüber digitalen Texten. Und das ist wichtig, weil Wolfs Argumentation gelegentlich so klingt, als verfüge das gedruckte Buch über eine anthropologische Tiefendimension, die dem digitalen Text grundsätzlich fehle. Das lässt sich wissenschaftlich nicht halten.

Das menschliche Gehirn hat keine evolutionäre Vorliebe für Papier. — Eine ästhetische Vorliebe hingegen ist etwas ganz Anderes und lässt sich gut argumentieren. — Die Schrift selbst ist historisch jung; der Buchdruck ist noch jünger; der Taschenroman ist ein Wimpernschlag der Menschheitsgeschichte. Das Gehirn konnte keine evolutionär spezialisierte „Buchlesestruktur“ entwickeln. Es entwickelt vielmehr durch Plastizität jene neuronalen Verbindungen, die für eine kulturell erlernte Tätigkeit gebraucht werden.

Das heißt nicht, dass die Materialität des Buches bedeutungslos wäre. Im Gegenteil. Nur muss man präziser sein. Der entscheidende Vorteil des gedruckten Buches liegt weniger im Geruch des Papiers als in seiner räumlichen Stabilität. Ein Buch besitzt eine feste Topographie. Der Anfang steht am Anfang, das Kapitel hat eine bestimmte Länge, eine Passage befindet sich irgendwo rechts oben oder ungefähr auf halber Strecke. Das Auge und das Gedächtnis können den Text räumlich verorten. Auf einer endlosen digitalen Fläche verschwindet diese Landschaft. Scrollen ist nicht einfach Umblättern mit weniger Charme. Es verändert die räumliche Organisation des Textes.

Eine aktuelle Meta-Analyse bestätigt genau diese Differenzierung: Der Papiervorteil wird größer, wenn beim digitalen Lesen gescrollt werden muss; wenn der Text dagegen ohne Scrollen auf einer stabilen Seite präsentiert wird, schrumpft der Unterschied erheblich. Das ist eine viel interessantere Erkenntnis als die Vorstellung vom heiligen Buch. Sie zeigt, dass nicht die Materialität als solche, sondern die Organisation der Aufmerksamkeit und des Gedächtnisses entscheidend ist.

Das führt uns unmittelbar zu den Themen Lesekompetenz und Kinder. Hier wird Wolfs Argument besonders ernst. Kinder lernen nicht nur Buchstaben und Wörter. Sie lernen eine bestimmte Form der geistigen Ausdauer. Wer lesen lernt, muss lernen, dass Bedeutung nicht immer sofort kommt. Ein schwieriger Satz darf zunächst dunkel bleiben. Ein unbekanntes Wort darf im Zusammenhang verstanden werden. Ein Absatz kann etwas vorbereiten, dessen Sinn erst drei Seiten später sichtbar wird. Lesen bedeutet, Spannung und Abwesenheit auszuhalten: die Antwort kommt nicht immer sofort.

Digitale Medien stehen dieser Fähigkeit nicht zwangsläufig entgegen. Aber ihre verbreitetste Nutzung tut es. Das Smartphone ist eine Maschine der sofortigen Belohnung. Wischen, klicken, springen, aktualisieren: Jede Irritation erzeugt eine neue Option. Der schwierige Text dagegen verlangt genau das Gegenteil. Er verlangt, dass man nicht springt.

Bei Kindern ist diese Differenz besonders relevant. Untersuchungen zeigen, dass junge Leser digitale und gedruckte Texte nicht immer gleich gut verstehen; bei digitalen Kinderbüchern können zusätzliche Animationen und interaktive Elemente sogar vom eigentlichen Text ablenken. Entscheidend ist dabei häufig nicht das Gerät selbst, sondern ob die digitale Gestaltung das Lesen unterstützt oder die Aufmerksamkeit vom Text wegführt. Erwachsene Begleitung kann beim Verstehen wichtiger sein als technische Zusatzfunktionen.

Hier besitzt Wolfs Kulturkritik ihren eigentlichen Kern. Das Problem ist nicht, dass Kinder einen Text auf einem Bildschirm lesen. Das Problem entsteht, wenn ihnen der Bildschirm eine Lesekultur beibringt, in der jeder Text wie ein Menü behandelt wird: kurz hinein, kurz heraus, nächster Reiz. Wer so sozialisiert wird, entwickelt nicht notwendig ein schwächeres Gehirn; er entwickelt aber Gewohnheiten, die mit der konzentrierten Verarbeitung komplexer Texte kollidieren können.

Man könnte es noch schärfer sagen: Die größte Gefahr des digitalen Lesens besteht nicht darin, dass wir schlechter lesen. Sie besteht darin, dass wir immer häufiger glauben, wir hätten einen Text verstanden, weil wir ihn schnell genug durchlaufen haben. Das ist eine andere Krankheit als Analphabetismus; es ist eine Krankheit der scheinbaren Informiertheit.

Gerade hier wird Wolfs Hinweis auf die Metakognition interessant. Wenn Leser ihre eigene Leistung auf dem Bildschirm etwas schlechter einschätzen können als auf Papier, dann betrifft die digitale Transformation nicht nur das Verstehen, sondern auch das Urteil über das eigene Verstehen. Das ist kulturell brisant. Ein Mensch, der einen komplizierten Text nicht verstanden hat und es weiß, befindet sich in einer intellektuell gesunden Lage. Er kann noch einmal lesen. Ein Mensch, der ihn nicht verstanden hat und glaubt, ihn verstanden zu haben, hat ein weitaus größeres Problem.

Doch auch hier wäre es falsch, das Papier zum moralischen Rettungsmedium zu erklären. Platt gesagt, kann auch ein gedrucktes Buch Dummheit nicht verhindern. Es gibt sehr viele Menschen, die zweihundert Seiten lesen, ohne einen einzigen Gedanken an den Rand zu schreiben. Es gibt Bibliotheken voller Bücher und Köpfe voller Gewissheiten. Die Materialität des Buches erzeugt keine geistige Tiefe, sie ermöglicht sie.

Und genau deshalb ist Wolfs Buch stärker, wenn man es gegen seine gelegentlichen Übertreibungen liest. Die eigentliche Frage lautet nämlich nicht: „Was macht der Bildschirm mit dem Gehirn?“ Sie lautet: „Welche Formen der Aufmerksamkeit trainieren wir täglich?“ Das ist eine wesentlich größere Frage. Denn neuronale Plastizität ist weder Freund noch Feind des Buches. Sie ist ein Verstärker unserer Gewohnheiten. Was wir ständig tun, wird leichter. Was wir selten tun, wird mühsamer. Wer täglich fünf Stunden zwischen kurzen Texten, Bildern, Videos, Nachrichten und Links wechselt, trainiert andere Aufmerksamkeitsmuster als jemand, der täglich eine Stunde lang einen anspruchsvollen Roman oder Essay liest. Das ist keine moralische Wertung. Es ist zunächst eine Beschreibung von Übungsroutinen. — Der Bildschirm ist deshalb unschuldig, aber die digitale Aufmerksamkeitsökonomie ist es nicht.

Das ist die Stelle, an der Wolf weit über ihre ursprüngliche Frage hinausweist. Die großen Plattformen konkurrieren nicht um unsere Meinung, sondern um unsere Aufmerksamkeit. Ihr ökonomisches Modell belohnt Unterbrechung. Der Leser dagegen braucht Kontinuität. Das Buch ist deshalb nicht deshalb kulturell überlegen, weil Papier dem Gehirn einen geheimen chemischen Vorteil verschafft. Es ist überlegen, weil es uns in Ruhe lässt: Ein Buch sendet keine Benachrichtigung.

Diese Banalität ist eine der tiefsten Einsichten der Debatte. Wer ein Buch liest, akzeptiert für eine gewisse Zeit die Diktatur eines fremden Bewusstseins. Der Autor bestimmt die Reihenfolge der Gedanken. Der Leser kann nicht einfach auf den nächsten Reiz wischen, ohne die Konstruktion zu zerstören. Darin liegt die politische und intellektuelle Bedeutung des langen Lesens. Es trainiert eine Form der Aufmerksamkeit, die sich der Logik des unmittelbaren Konsums entzieht.

Man sollte deshalb auch mit dem Mythos aufräumen, digitale Leser würden grundsätzlich langsamer oder schneller lesen. Die Forschung liefert dafür kein schlichtes Bild. Beim Lesetempo finden Meta-Analysen keinen robusten allgemeinen Unterschied zwischen Papier und Bildschirm. Das Entscheidende ist nicht die Geschwindigkeit des Auges, sondern die Tiefe der Verarbeitung. Ein schneller Leser kann hervorragend lesen. Ein langsamer Leser kann trotzdem nichts verstehen. Die entscheidende Fähigkeit besteht darin, das Tempo dem Gegenstand anzupassen.

Ein Smartphone ist für einen solchen flexiblen Leser kein Problem. Für einen ungeübten Leser kann es dagegen zur permanenten Versuchung werden, aus jedem Text ein Informationshäppchen zu machen. Und genau hier liegt die pädagogische Aufgabe der kommenden Jahre: Kinder müssen nicht vom Bildschirm weg erzogen werden. Sie müssen lernen, den Bildschirm zu beherrschen.

Das ist ein wesentlich anspruchsvolleres Ziel als die Forderung, wieder mehr Bücher zu kaufen. Denn die Zukunft wird nicht papierlos sein. Sie wird auch nicht papierdominant bleiben. Sie wird multimodal sein. Wissenschaft, Schule, Journalismus und Literatur werden auf verschiedenen Trägern existieren. Der gebildete Mensch der Zukunft muss deshalb zwei Lesemodi beherrschen: den schnellen, navigierenden, digitalen und den langsamen, analytischen, vertiefenden. Wolf nennt das „biliterate brain“. Dieser Begriff ist überzeugender als jede nostalgische Rückkehr zum Buch. Denn die Alternative lautet nicht Buch oder Bildschirm. Sie lautet: souveränes Lesen oder fremdgesteuertes Lesen.

„Bücher lesen“ ist dort am überzeugendsten, wo es diese Entscheidung sichtbar macht. Es ist dort schwächer, wo aus der Verteidigung der Aufmerksamkeit eine fast metaphysische Verteidigung des Buches wird. Die Forschung erlaubt keine Behauptung, gedruckte Texte veränderten das Gehirn auf eine evolutionär tiefere oder grundsätzlich intensivere Weise als digitale Texte. Sie erlaubt aber sehr wohl die nüchterne Feststellung, dass Papier bei bestimmten anspruchsvollen Leseaufgaben einen kleinen Vorteil besitzt und dass dieser Vorteil durch Textart, Scrollen, Zeitdruck, Alter und Leseumgebung beeinflusst wird.

Das ist weniger romantisch als Wolfs große Erzählung. Aber es ist wissenschaftlich interessanter. Und vielleicht ist es sogar kulturkritisch radikaler. Denn wenn nicht das Papier, sondern die Aufmerksamkeit geschützt werden muss, dann reicht es nicht, Kindern Bücher zu schenken. Man muss ihnen beibringen, dass nicht jeder Text sofort verstanden werden muss, dass ein schwieriger Gedanke Zeit braucht und dass geistige Arbeit dort beginnt, wo der nächste Reiz noch nicht aufgetaucht ist.

Wer das Buch nur als Gegenstand liebt, wird aus Maryanne Wolf eine Apologetin der Druckerschwärze machen. Wer das Lesen liebt, sollte genauer hinhören. Ihre eigentliche Botschaft lautet nicht: Kehrt zum Papier zurück. Sie lautet: Rettet die Fähigkeit, bei einem Gedanken zu bleiben. Das ist dringlicher als die Verteidigung eines Mediums.

Und es betrifft keineswegs nur Kinder. Eltern und Lehrer finden in Wolfs Buch Argumente für eine Lesepädagogik, die digitale Kompetenz nicht gegen vertieftes Lesen ausspielt. Studierende können daraus lernen, warum sie wissenschaftliche Texte nicht bloß markieren und durchsuchen, sondern gedanklich bewohnen müssen. Erwachsene, die bemerken, dass sie nach zwanzig Minuten Bildschirmlektüre unruhig werden und lieber noch einmal die Schlagzeilen lesen, erhalten eine plausible Erklärung für ihre eigene Erfahrung.

Besonders profitieren aber jene Leser von „Bücher lesen“, die zwischen zwei Welten stehen: Sie lieben Bücher, leben aber längst in einer digitalen Informationsumgebung. Für sie ist Wolfs Buch weniger ein Aufruf zur Flucht als eine Warnung vor der Gewöhnung. Denn das wirklich Gefährliche am digitalen Lesen ist nicht, dass es uns das Buch wegnimmt, sondern dass es uns daran gewöhnen könnte, keinen Gedanken mehr lange genug festzuhalten, damit er uns verändert.

 

 

 

 

 

Autor: Maryanne Wolf

Titel: „Bücher lesen — Über die Kunst des Lesens im digitalen Zeitalter“

Herausgeber: Pantheon Verlag

Seitenzahl: 304 Seiten

ISBN-10: 3570555321

ISBN-13: 978-3570555323