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Klaus Siblewski: „Es kann nicht still genug sein — Schriftsteller sprechen über ihre Schreibtische. Mit 22 Fotografien“

Am: | September 29, 2021

Wie sieht eigentlich Ihr Schreibtisch aus? — Diese Frage wird man kaum jemandem stellen, ganz einfach, weil es auch niemanden interessieren würde. Was für die allermeisten Schreibtische gelten mag, sieht bei den Schreibtischen von Schriftstellern jedoch ganz anders aus! Denn hier könnte man, so die Vermutung, den Autoren vielleicht das eine oder andere Geheimnis entlocken, was ihren kreativen Arbeitsplatz oder gar den Prozess des Schreibens betrifft.

Dies dachte sich auch Klaus Siblewski, Verlagslektor, Autor und Professor am Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft in Hildesheim. Schon lange üben die Schreibtische berühmter Menschen auf ihn eine starke Anziehungskraft aus. Von ihnen gehe eine „dunkle Kraft“ aus, schreibt er in seinem Epilog. Das klingt leicht mystifizierend, doch je länger man den Interviews in diesem Buch zuhört, desto mehr schenkt man selbst diesem Gefühl Glauben, dass an jener dunklen Kraft irgendwie was dran zu sein scheint.

Der Schreibtisch, ist er jener heilige Ort der schöpferischen Tätigkeit des Schriftstellers? — Für manche ja, für die meisten nein. Oft wird am Schreibtisch nur zusammengetragen und abgetippt, was woanders handschriftlich entstanden ist. In manchen Fällen beginnt aber erst am Schreibtisch der eigentliche Prozess des kreativen und literarischen Schreibens. An ihm — dem Schreibtisch — finden auch die Korrekturen und die Umschreibungen vieler Texte statt.

Diese neun Autorengespräche geben einen faszinierenden Einblick in die Werkstätten der deutschen Gegenwartsliteratur. Von Friederike Mayröcker bis zu Jan Wagner, von Ingo Schulze bis zu Hanns-Josef Ortheil, von Mariana Leky bis Terézia Mora spannt sich der Bogen schriftstellerischer Selbstaussagen.

Dieses Buch ist spannend, praxisnah und an vielen Stellen sehr erhellend. Denn es zeigt nicht nur, dass Schriftsteller auch nur Menschen aus Fleisch und Blut sind und mit denselben alltäglichen Fährnissen zu kämpfen haben wie wir alle; sondern die Gespräche zeigen auch, welchen großen Einfluss die Materialität der Werkzeuge — Computer, Schreibstifte, Kladden und Ausdrucke und eben auch Schreibtische — auf den kreativen Prozess des literarischen Schreibens haben (können).

Dieses Buch ist nicht nur Pflicht-Lektüre für jeden Kreativen und im Besonderen für alle angehenden oder praktizierenden Schriftsteller, sondern auch für alle Leser literarischer Texte! Blicken Die zusammen mit Klaus Siblewski durchs Schlüsselloch der Schreibzimmer von neun zeitgenössischen Autoren!

 

Autor: Klaus Siblewski
Titel: „Es kann nicht still genug sein — Schriftsteller sprechen über ihre Schreibtische. Mit 22 Fotografien“
Herausgeber: Kampa Verlag
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
ISBN-10: 3311140192
ISBN-13: 978-3311140191

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