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Lukas Hässig: „Der UBS-Crash“

Am: | April 7, 2009

Lukas Hässig: "Der UBS-Crash"Es liest sich wie ein Krimi. Und doch ist die Krise des Schweizer Finanz-Multis UBS eine wahre und traurige Geschichte. Traurig weil die Schieflage des größten Schweizer Bankhauses keine schicksalshafte Naturkatastrophe war, sondern eine durch konsequentes Wegschauen und durch wiederholte Fehlentscheidungen selbstverschuldete Entwicklung war, die den Schweizer Staat und die Anleger der UBS viele Milliarden Franken kostete.

Der Schweizer Journalist Lukas Hässig kennt sich aus. Er absolvierte seine kaufmännische Lehre bei der Schweizer Nationalbank und studierte Betriebswirtschaft, bevor er quasi die Fronten wechselte und zum Journalismus kam. Sein Buch „Der UBS-Crash“ beschreibt die Bankenkrise von innen heraus und lässt den Leser hautnah an den Entscheidungen des Top-Managements teilhaben.

Gern wird die internationale Finanzkrise nach dem Platzen der amerikanischen Immobilien-Blase als Hauptgrund der UBS-Krise angeführt. Es scheint jedoch zumindest teilweise genau umgekehrt gewesen zu sein. Der Autor vertritt und belegt in seinem Buch die These, dass das vom UBS-Präsidenten Marcus Ospel heraufbeschworene Bild einer „Naturkatastrophe“, die über die UBS und andere Großbanken hereingebrochen ist, einer ernsthaften Prüfung nicht standzuhalten vermag. Gerade die UBS und andere Großbanken haben durch jahrelange Spekulation unter Ausblendung der hohen und nicht kalkulierbaren Risiken selbst den Markt angeheizt und in unverantwortlicher Weise mit fremdem Geld gezockt.

In der Rückschau ist das Kartenhaus der Finanz-Derivate mit seinen vielen Abhängigkeits-Ebenen und gegenseitigen Verflechtungen sogar erstaunlich lange stehen geblieben. Die Zeche zahlt diesmal nicht nur – wie sonst beim Glücksspiel und bei Börsenspekulationen üblich – der geprellte Anleger sondern aufgrund des globalen Ausmaßes der Krise wir alle.

Lukas Hässig gibt in „UBS-Crash“ einen faszinierenden und zugleich schauderhaften Einblick in die Innenwelt der Bankensysteme, und es gelingt ihm, dem Leser einen Eindruck von der kalten, rein funktionalen und losgelösten Atmosphäre zu geben, die in den Chefetagen herrscht. Die UBS-Krise erweist sich als Synonym für die katastrophale Situation an vielen Banken der Welt.

Es ist das altbekannte und immer wieder neue Spiel: Ein Bankangestellter kommt morgens an seinen Arbeitsplatz. Er ist ein rechtschaffener Mann. Er hat seine Arbeit gut gemacht. Alle haben ihre Arbeit gut gemacht. Und doch ist seine Bank heute nicht mehr dieselbe. Es ist nicht seine Schuld. In den Führungsetagen werden über viele Jahre falsche Entscheidungen getroffen. Auch dort bemerkt kaum einer, dass etwas falsch läuft. Es werden Warnhinweise ignoriert, Risiken geschönt, Papier ist geduldig, und wie immer ist die Gier am Ende größer als die Vernunft. Alle waren letztlich nur kleine Rädchen im globalen Räderwerk; aber die UBS war eines der größeren Zahnräder, und was sie tat, hatte Auswirkungen auf viele andere.

Das Vermeiden unnötiger Risiken und eine konservative Anlagepolitik, dies waren die Werte, für die die Schweizer Bank im Allgemeinen und die UBS im Besonderen seit Jahrzehnten standen. Die Redewendung „so sicher wie eine Schweizer Bank“ kannte jedes Kind. Nun wird man eine neue Redewendung lernen müssen.

Sicher ist nur, dass die UBS-Krise viele Milliarden gekostet hat und dass die Zukunft der UBS unsicher ist. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die UBS noch im Jahr 2008 für ihre eigenen Dienste in einer groß angelegten Werbekampagne mit dem Slogan warb: „Jeder verdient eine zweite Chance.“ – Für die UBS selbst wird diese „Chance“ wohl nur in einer gezielten Zerschlagung und Aufteilung des Konzerns in einzelne Häppchen bestehen.

Ob die UBS als so genannte „systemische Bank“ überleben wird, steht wohl außer Frage. Der Schaden für die Wirtschaft wäre wohl noch schlimmer und letztlich unkalkulierbar, wenn man die UBS wie Lehman Bros. fallen ließe.

Es wird also auch in Zukunft eine UBS geben. Aber die UBS wird nie wieder dieselbe sein. Die gesamte Finanzwelt wird nicht mehr dieselbe sein. Die UBS und ihr Top-Management sind daran nicht ganz unschuldig.

Während man sich über viele Jahre eine goldene Nase verdiente, indem man (vor allem amerikanische) Hypothekenpapiere per „slicing and dicing“ (zerhacken und abstoßen) unter das geldgierige Volk brachte und die „Geschichte von der wunderbaren Geldvermehrung“ tausendfach kopierte, ist nun eine Zeit angebrochen, wo man andere Sorgen hat und sich um das „slicing and dicing“ von Großbanken kümmern muss.

Das wird einige Zeit dauern. Machen Sie es doch wie die Top-Manager der Großbanken: Warten Sie, bis sich der Sturm wieder legt. Genießen Sie ihren wohlverdienten Feierabend, und lesen Sie den spannenden Tatsachen-Krimi über den „UBS-Crash“ von Lukas Hässig. Das macht schlau und hilft vielleicht manchem, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. – Für die nächste Runde im Finanz-Karussell.

Autor: Lukas Hässig
Titel: „Der UBS-Crash“
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Hoffmann und Campe 
ISBN: 345550115X
EAN: 978-3455501155

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