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Thomas Vašek: „Philosophie! Die 101 wichtigsten Fragen“

Am: | Dezember 4, 2017

Es gibt seit einigen Jahren zwei wirklich ausgezeichnete Philosophie-Zeitschriften in Deutschland: das PhilosophieMagazin und die Hohe Luft; der Chefredakteur von letzterem ist der Philosoph Thomas Vašek.

Jetzt ist ein neuer Titel im Theiss-Verlag in Zusammenarbeit mit ebenjenem Magazin Hohe Luft erschienen, in dem, so wird es zumindest angekündigt, die 101 wichtigsten philosophischen Fragen erörtert werden. Das Ganze präsentiert sich im Coffeetable-Look eines quadratischen und reich illustrierten Bildbandes, was einerseits schon ein wenig über die avisierte Zielgruppe verrät, andererseits aber auch unweigerlich etwas skeptisch macht: Ist ein solcher „Bildband“ wirklich das geeignete Medium zur Erörterung philosophischer Fragen?

Werfen wir einen ersten vorsichtigen Blick in dieses Buch, so wird deutlich, dass es sich um den Versuch handelt, möglichst alle philosophischen Bereiche abzudecken, die entweder für die individuelle Lebensführung oder in Bezug auf den gesellschaftlichen Aspekt des Zusammenlebens relevant sind.

Somit unterteilt sich diese Publikation in die Abschnitte „Geist und Erkenntnis“, „Mensch und Beziehung“, Ethik und Moral“ sowie „Gesellschaft und Politik“, also vom Ich und seinem Bewusstsein bis hin zu den großen politischen Fragen unserer Zeit.

Was ein solches Projekt problematisch macht, ist zum einen der beschränkt zur Verfügung stehende Platz für die einzelnen Reflexionen und zum anderen die grundsätzliche Frage nach der Positionierung des Autors selbst: Thomas Vašek müsste im Grunde aus einer diffusen und indifferenten Position eines allgemeinen Autors heraus die jeweiligen Fragen zu beantworten suchen. Denn für jede Form einer eindeutigen Subjektivierung und deren Argumentation führt schlichtweg der nötige Raum. Wie also geht der Autor mit dieser Problematik um?

Die meisten Beiträge bzw. Fragen dieses Buches umfassen nur eine Seite. Das bedeutet beispielsweise den Versuch, über die Frage der „Privatsphäre“ in nur 25 Zeilen (im zweispaltigen Satz) etwas aussagen zu wollen. Oder für die Erörterung der Frage „Was dient allen?“ werden immerhin 64 Zeilen reserviert, in denen der philosophische Bogen von Aristoteles über Thomas von Aquin bis zu John Rawls geschlagen wird.

Schnell wird deutlich, worum es (in) dieser Publikation eigentlich geht: um die Aussendung von Denkimpulsen. „Lesen ist Denken mit fremdem Gehirn“ — dieser kluge Satz stammt von dem argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borges, und bei aller problematischen Verkürzung bringt er die Sache auf den Punkt. Wenn man das vorliegende Buch in genau diesem Sinne versteht und verwendet, wird man Nutzen aus ihm ziehen können.

Jedes Philosophieren beginnt mit einer Frage. Dass man nicht gleich nach vorgefertigten Antworten sucht, sondern diese Frage als eine Aufforderung zum Nachdenken, als einen willkommenen Denkanstoß, betrachtet, darin liegt der eigentliche Sinn des Philosophierens. Und in diesem Sinne kann auch diese Kompilation der „101 wichtigsten Fragen“ der gegenwärtigen Philosophie zu einer hervorragenden inspirierenden Anleitung zum eigenen Philosophieren werden.

 

 

Autor: Thomas Vašek
Titel: „Philosophie! Die 101 wichtigsten Fragen“
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Theiss, Konrad
ISBN-10: 3806236313
ISBN-13: 978-3806236316

 

 

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