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Helme Heine: „Oh… diese Philosophen“

Am: | Oktober 23, 2015

Helme Heine ist Schriftsteller und Illustrator. Er schreibt vor allem sehr erfolgreiche Kinderbücher. Mitte der 1960er Jahre zog der gebürtige Berliner nach Südafrika und lebt seit 1990 in Neuseeland. Nun hat er ein Buch über Philosophen geschrieben, und man fragt sich unwillkürlich: Darf der das?

„Oh… diese Philosophen“ ist ein schmales, nur hundertfünfzig Seiten starkes Büchlein, in dem alle wichtigen abendländischen Philosophen von Anaximander bis Zenon Platz finden sollen. Wie kann man zweieinhalb Tausend Jahre abendländischer Philosophiegeschichte auf so wenigen Seiten unterbringen?!

Die Antwort auf die oben gestellte Frage nach der Berechtigung ist eng verknüpft mit der nach der Kompetenz des Autors. Heine ist kein Philosoph, verfügt nicht über eine entsprechende akademische Ausbildung, die ihn zur Abfassung einer Philosophiegeschichte berechtigen würde, doch das ist auch gar nicht die Absicht des Autors. Wenn man einen ersten Blick in dieses Buch wirft, wird schnell klar, dass es Heine um etwas ganz Anderes geht.

Die chronologisch geordneten Philosophen-Portraits, die Heine hier, im doppelten Sinne, zeichnet (denn jeder Philosoph wird mit einer eigenen Illustration geehrt), erheben gar nicht den Anspruch auf Vollständigkeit der Darstellung von Philosoph und Werk in einer solch kleinen Form. Wenngleich die Aufmachung dieses Philosophen-Lexikons, als das man das Buch vielleicht besser bezeichnen könnte, durchaus ein wenig naiv anmutet, ist der Verfasser dieser Texte selbst alles Andere als naiv.

Helme Heine weiß ganz genau, was er tut. Er hat ein Buch für Erwachsene geschrieben, denn bei aller Leichtigkeit der Form würde der Inhalt kindliche und jugendliche Leser schnell überfordern. Wie immer bei solchen Lebensbeschreibungen, ist der Genuss des Lesers größer, je mehr Vorkenntnisse er mitbringt. Aber auch derjenige Leser, der bislang gänzlich unbeleckt von philosophischen Biographien ist, kann an „Oh… diese Philosophen“ gefallen gewinnen.

Denn Helme Heine hat ganze Arbeit geleistet: Lassen wir uns nicht von der kleinen Form täuschen. Was hier jeweils auf nur ein bis drei Seiten pro Philosoph zusammengedampft wurde, brauchte jahrelange Vorbereitungen und eine ganze Bibliothek an philosophischen Originaltexten und einschlägiger Sekundärliteratur. Mit anderen Worten: Was der Autor hier schreibt, hat Hand und Fuß.

Natürlich kann man zurecht anmerken, dass jedes Unterfangen, einem Philosophen wie Kant, Wittgenstein oder Aristoteles auf zwei, drei Seiten gerecht zu werden und dabei nicht nur sein Leben, sondern auch, zumindest in groben Umrissen, sein philosophisches Werk zu skizzieren, zum Scheitern verurteilt sein muss. Doch wenn man sich frei macht von jenem Anspruch einer konzisen Behandlung des jeweiligen Philosophen, indem man sich die Freiheit einer skizzenhaften und durchaus auch emphatischen Herausarbeitung von Charakteristika gewährt, dann wird deutlich, welche großartigen Möglichkeiten eine solche formale wie inhaltliche Vorgabe dem Autor bietet.

Während der Lektüre wird schnell deutlich, dass wir es hier mit einem beschwingten, leichtfüßigen Text zu tun haben, der in seiner (positiv verstandenen!) humorigen Oberflächlichkeit an die Texte eines Joachim Fernau erinnert, der seinerzeit den deutschen Leser ihre eigene Nationalgeschichte und das Leben und Werk wichtiger Berühmtheiten nahe brachte. Gehen wir weiter in der Literaturgeschichte zurück, wäre hier vielleicht Klabund zu nennen, dessen Schriften einen ähnlichen Sound hatten. Schaut man sich in der jüngeren Vergangenheit der europäischen Sachbuch-Literatur um, so darf ein Vergleich von Helme Heines Philosophen-Buch zu Luciano de Crescenzos philosophischen Satiren gezogen werden.

Wenn wir einen Menschen kennen lernen, interessieren wir uns für seine Meinungen und Ansichten, für seine Gedanken und Ideen. „Oh… diese Philosophen“ macht den Leser bekannt mit den besten Denkern des Abendlandes, indem der Autor zunächst pointiert und anekdotenhaft in das Leben der Philosophen einführt, um dann auf seine wichtigsten philosophischen Gedanken zu sprechen zu kommen. Auf diese Weise lernen wir während der Lektüre einen ganzen Haufen interessanter Menschen kennen und beginnen uns für ihre Philosophien zu interessieren. – Das ist die eigentliche Stärke dieses leichtfüßig daher kommenden Buches: es macht neugierig auf die Philosophie als Ganzes und auf einzelne Philosophen des Abendlandes im Besonderen.

 

Autor: Helme Heine
Titel: „Oh… diese Philosophen“
Gebundene Ausgabe: 152 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann Verlag
ISBN-10: 357010253X
ISBN-13: 978-3570102534

 

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