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Rezensionen von Büchern aus den Kultur- und Geisteswissenschaften

Hellmuth Vetter: „Grundriss Heidegger – Ein Handbuch zu Leben und Werk“

Am: | April 11, 2014

Heidegger ist schwer. Das lernt jeder Student der Philosophie bereits im ersten Semester. Heideggers Sprache wirkt seltsam, schwer verständlich und erschwert den Zugang zu seinem Denken. Und doch ist es gerade diese „Eigenheit“ Heideggerschen Denkens und Schreibens, die seinen Zauber und seinen „Klang“ ausmachen. Ist der mühsame Zugang durch die enge Pforte erst einmal bewältigt, öffnet sich ein neuer Kosmos, er nicht nur die Sprache zum Instrument der Erkenntnis macht, sondern auch dem eigenen Denken einen ganz neuen „Drive“ geben wird.

Die ersten Schritte sind die schwersten, und die Pforte bleibt ohne Anleitung, ohne Hilfestellunbg, für die Meisten verschlossen. Hierzu dienen vielleicht kurze und einfache Einführungen in Heideggers Werk (wie z.B. von Michael Inwood), doch schnell stoßen sie aufgrund ihres geringen Umfangs an die natürlichen Grenzen der Vermittlung.

Wer sich wirklich und ernsthaft mit Heidegger beschäftigen will – und diese Beschäftigung ist sehr lohnend! -, sollte sich einen professionellen Führer suchen, der den Weg kennt. Wer sich auf unbekanntem Terrain bewegt, in felsigen Höhen und auf schmalen Pfaden über gähnenden Abgründen den richtigen Weg sucht, wird einen Ortskundigen schätzen, der den gesamten Berg kennt, der weiß, woran man erkennt, wann das Wetter umschlägt, und der den Wanderer nicht nur auf die Gefahren des Weges, sondern auch auf die Schönheiten der Landschaft aufmerksam macht.

Einen solchen Wanderführer finden wir in Hellmuth Vetter. Vetter ist Mitglied der Martin-Heidegger-Gesellschaft, österreichischer Philosoph, der an der bis zu seiner Emeritierung 2004 Universität Wien lehrte und seitdem weiter forscht und publiziert.

Vetters „Grundriss Heidegger“ bietet, um im Bild zu bleiben, einen kompletten Wanderführer durch die Heidegger-Welt: Im ersten Teil – Synopsis – befasst sich Vetter ausführlich mit dem philosophischen Werk Heideggers. In diesem vielleicht wichtigsten Teil des ganzen Buches gelingt ihm auf 225 Seiten eine konzise Einführung in dieses hochkomplexe Werk, die dank des hervorragenden Stils und seiner behutsamen Vorgehensweise allgemein verständlich ist.

Nachdem dieses kleine „Wunder“ vollbracht wurde, bietet der zweite Teil – Lemmata – auf 160 Seiten eine Art Heidegger-Lexikon, in dem die wichtigsten Begriffe Heideggerschen Denkens knapp und präzise erklärt werden. Der dritte Teil – Daten – betrachtet Heideggers Leben und Werk und bündelt mit ausführlichen Anmerkungen seine biographischen und bibliographischen Daten. Der vierte und letzte Teil – Appendices – versammelt schließlich noch eine aktuelle Bibliographie sowie ein umfangreiches Sachregister zum ersten Teil.

Der „Grundriss Heidegger“ von Hellmuth Vetter wird vom Felix-Meiner-Verlag als „eine Einführung in das Leben und Werk Martin Heideggers“ beworben, was schamlos untertrieben ist. Dieses 560 Seiten starke Kompendium ist viel mehr als das: Es ermöglicht dem ernsthaft an Heidegger Interessierten – sei es als Student, Forscher oder Autodidakt – einen begleiteten Zugang zu seinem Leben und Werk. Der „Grundriss Heidegger“ ist eine Anleitung, Hinleitung, die Einleitung zu einem neuen Denk-Kosmos. Wer einmal die Bekanntschaft mit Heideggers Denken gemacht und es in seiner Eigen- und Einzigartigkeit verstanden hat, wird von ihm be-geistert sein. – Den Schlüssel zu diesem neuen Denk-Raum bietet dieser „Grundriss Heidegger“ von Hellmuth Vetter.

 

Autor: Hellmuth Vetter
Titel: „Grundriss Heidegger – Ein Handbuch zu Leben und Werk“
Gebundene Ausgabe: 560 Seiten
Verlag: Meiner, Felix
ISBN-10: 3787322760
ISBN-13: 978-3787322763

 

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