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Walter Nigg: „Das Buch der Ketzer“

Am: | Februar 27, 2009

Walter Nigg: "Das Buch der Ketzer"„Gut gemeint“ würde man heute sagen. Der Pfad zwischen Heiligen und Ketzer war im Lauf der Kirchengeschichte oft sehr schmal. Dies zeigt „Das Buch der Ketzer“ von Walter Nigg auf sehr anschauliche Weise. Oft waren es durchaus eifrige Menschen mit durchaus guten Absichten, die dann sehr schnell nicht mehr ins Bild der Kirchenlinie passten und auf diese oder andere Weise als Ketzer gebrandmarkt wurden.

Walter Nigg hat aus der Vielzahl von Schicksalen diejenigen ausgewählt, die besonders anschaulich schildern, dass diese Häretiker als religiöse Menschen aus einem tief empfundenen Glauben heraus handelten. Sie lebten sowohl für den Glauben als auch für ihre Überzeugungen.

So finden sich in dem vorliegenden Buch die Lebensbeschreibungen von Origines, Meister Eckhart, Luther, Spinoza, Pascal, Bruno, Lessing, Tolstoi und vielen anderen. In gewohnt spannendem Erzählstil gewährt uns der Autor Einblicke in die faszinierenden Lebensumstände dieser Großen.

Im Diogenes-Verlag ist dieses im Jahre 1949 erstmals veröffentlichte Werk neben anderen bekannten Büchern Niggs über „Große Heilige“ und „Vom Geheimnis der Mönche“ erschienen. Auf fast 570 Seiten liest man wie in einem Roman, in dem alle Einzelheiten genau geschildert und dem wissensdurstigen Leser präsentiert werden.

Eine Rüge geht allerdings auch hier – wie im Diogenes-Band „Vom Geheimnis der Mönche“ – an die Setzer. Das vorliegende Taschenbuch (Auflage 1986) hat einen unzumutbaren Satzspiegel – nämlich gar keinen. Wie gesagt, fast 570 Seiten lang fließt der Text dahin, nur hier und da durch kleine Abschnitte unterbrochen. Oft hat es den Anschein, als habe der Autor Luft geholt und dann Seite um Seite runtergetippt, bis ihm die Finger schmerzten. Erst dann wieder ein Absatz, und weiter gehts. Das kann man heute besser machen, und das sollte auch in der nächsten Auflage zugunsten des Lesers geschehen.

„Das Buch der Ketzer“ erzählt mit einer reichen Detailtreue, wie Gläubige zu Ketzern mutierten, und macht klar, dass die Beantwortung der Frage, ob Glaubensmensch oder Häretiker, immer nur von der Kurie seiner Zeit entschieden wurde.

Galileo Galilei wurde übrigens erst im Jahr 1992 offiziell vom Vorwurf der Häresie freigesprochen und im katholischen Sinne „rehabilitiert“. – Manchmal dauert es eben etwas länger. Seitdem dreht sich auch in Rom die Erde um die Sonne.

Bewertung: ****

Autor: Walter Nigg
Titel: „Das Buch der Ketzer“
Taschenbuch: 608 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag
ISBN: 325721460X
EAN: 978-3257214604

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