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Peter Hook: „Unknown Pleasures – Die Joy Division Story“

Am: | September 21, 2013

Jene Gruppe jüdischer Frauen, die in den KZs den Nazi-Schergen mit sexuellen Dienstleistungen „Freude“ bereiten mussten, die so genannte „Joy Division“, deren Name aus einem Roman des jüdischen Autors Ka-Tzetnik 135633 stammt, hat es wirklich gegeben. Diese „Freuden-Abteilung“ der Nazis diente auch als Namensgeber für die wohl einflussreichste nordenglische Kultband der späten 1970er und frühen 1980er Jahre: Joy Division.

Joy Division – der Name klang düster und sein grausamer historischer Hintergrund machte die Sache nun auch nicht besser. Wieviel in einem Namen steckt, zeigt dieses Beispiel auf anschauliche Weise. Denn fast hätten sich die Jungs aus Salford „Slaves of Venus“ genannt, was eine komplett andere Story gewesen wäre, ja womöglich wäre sogar die Musikgeschichte anders geschrieben worden…

Peter Hook war der Bassist, der seinen Schulterriemen so lang runterhängen ließ, dass sein Bass tief an den Knien hing. Seine Bassläufe waren eines der Markenzeichen des Joy Division-Sounds, den man nicht beschreiben kann, sondern hören muss, und wenn man ihn einmal gehört hat, nie wieder vergessen kann.

Die knödelnde, knarzende, schreiende Stimme von Ian Curtis, Hooks Bassmelodien, die Gitarren-Riffs von Bernard Sumner vertonen den Zeitgeist der englischen Spätsiebziger wie keine andere Band jener Zeit. Nicht die Sex Pistols, The Clash, The Damned oder irgendeine andere Band gab den Ton an, sondern Joy Division. Keiner klang düsterer, keiner war wütender und niemand schaffte es wie sie, von Anfang an zu einem Mythos zu werden.

Der charismatische Ian, die dunkel rattenden und scheppernden Songs, die melancholischen Texte – all dies verdichtete sich zu einem Klangteppich der besonderen Art, der den Zeitgesit besser widerspiegeln konnte als Punk oder New Wave. Bildlich gesprochen, haben wir es bei Joy Division mit Schwatzweiß-Fotos zu tun. Verlassene Industrieanlagen, menschenverlassene Schneelandschaften und Brachen, Relikte einer niedergegangenen Kultur.

All das war der Blick von außen. Peter Hook gewährt dem Leser nun einen ersten authentischen(!) Blick von innen, aus der Mitte des Zyklons. Es ist ein frech und rotzig dahin geschriebenes Buch, ein ehrlicher und sehr persönlicher Bericht aus einer wilden, unruhigen Zeit. Es ist der vielstimmige Ausdruck einer Leidenschaft, einer verzweifelten Leidenschaft, die sich allein durch Musik und Texte zu artikulieren versucht.

Man liest dieses Buch wie ein Album von Joy Division. Und in der tat empfiehlt Hook an mehreren Stellen des Buches, das eine oder andere Album quasi als Soundtrack im Hintergrund mitlaufen zu lassen, um dem Geist jener Zeit noch näher zu kommen.

Zusammen mit der Musik von Joy Division und den zahlreichen Abbildungen, Setlists, chronologischen Angaben und (mitunter sehr privaten) Fotos des Buches wird „Unknown Pleasures“ zu einem multimedialen Erlebnis. Erschienen im Berliner Metrolit-Verlag, nimmt es den Leser mit auf eine Zeitreise in ein musikalisches Biotop, das heutzutage leider vergeblich Seinesgleichen sucht: Joy Division standen für Authentizität – für heutige Popsternchen selbst im Indie-Bereich ein absolutes Fremdwort.

Deshalb gilt diese Buchempfehlung nicht nur für die alten Haudegen, die mit der Musik von Joy Division aufgewachsen sind, sondern vor allem für die Nachgeborenen, die den „Spirit“ und das „Feeling“ jener Zeit der verstörenden „Disorder“ und musikalischen Umbruchphase nachempfinden wollen.

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Autor: Peter Hook
Titel: „Unknown Pleasures – Die Joy Division Story“
Gebundene Ausgabe: 368 Seiten
Verlag: Metrolit
ISBN-10: 3849300641
ISBN-13: 978-3849300647

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