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Paul Wietzorek: „König Ludwig II. von Bayern und seine Schlösser“

Am: | August 24, 2011

Als am 13. Juni 1886, also vor ziemlich genau 125 Jahren, Ludwig II., König von Bayern, unter ungeklärten Umständen am Starnberger See ums Leben kam, konnte er noch nicht ahnen, dass ziemlich genau 125 Jahre später ein gewisser Vicco von Bülow (alias: Loriot), der einst eine herrliche Parodie auf König Ludwig II. in einem seiner Sketche verewigte, an eben jenem Starnberger See, allerdings unter durchaus geklärten Umständen verschied.

So ist Deutschland, wenn auch mit einer gewissen Zeitverschiebung, um gleich zwei schillernde Persönlichkeiten ärmer. Während sich das Feuilleton zu Recht in seinen Lobpreisungen und Würdigungen des bedeutendsten deutschen Humoristen geradezu überschlägt, waren die Feierlichkeiten zum 125. Todestag Ludwigs II. weniger auffällig.

Selbstverständlich gab es an seinem Todestag einen Gedenkgottesdienst am Starnberger See. In der Münchner Michaelskirche, in deren Gruft Ludwig II. bestattet wurde, hält der katholische Erzbischof Reinhard Marx ein Requiem für den König. Aber das war’s auch schon. Die mediale Öffentlichkeit nimmt den 125. Todestag des schillernden Bayern-Königs mehr oder weniger beiläufig zur Kenntnis und geht dann schnell wieder zur Tagesordnung über.

Dabei ist König Ludwig II. wirklich eine interessante, jedoch zutiefst gespaltene Persönlichkeit gewesen, die nicht nur als ein Freund und Förderer der Künste in Erscheinung trat, sondern der Nachwelt vor allem durch seine Tätigkeit als königlicher Bauherr ein steinernes Vermächtnis hinterließ.

Die Schlösser Hohenschwangau, Neuschwanstein, Berg am Starnberger See, Linderhof und Herrenchiemsee geben ein eindrucksvolles Zeugnis von dem prachtvollen und reichen Kunstgeschmack des bayerischen Königs. Seine Schlösser sind heute noch Prunkstücke der königlichen Baukunst und Zeichen eines erlesenen und stark von der Spätromantik beeinflussten Kunstempfindens.

Ludwig II. war ein scheuer König, der sich von den weltlichen Anforderungen, die an einen König gestellt wurden, schnell überfordert fühlte und lieber in seine märchenhafte Welt der Träumereien und der schönen Künste floh. Den Anforderungen seines hohen Amtes nicht gewachsen, zog er sich immer weiter von der Realität zurück und fand seinen Frieden in seinen Märchenschlössern und während nächtelanger Schlitten- und Kutschfahrten durch die tiefen Wälder Bayerns.

Ein neuer Bildband aus dem Michael Imhof Verlag beschäftigt sich nun mit „König Ludwig II. von Bayern und seine Schlösser“. Wie von diesem Verlag nicht anders zu erwarten, ist die Qualität der abgedruckten Fotos hervorragend. Aber auch die begleitenden Texte zu Ludwigs Leben und seinem Wirken als Bauherr sind sehr gut recherchiert und bieten dem interessierten Laien eine gut lesbare und informative Einführung in die Welt des „Märchen-Königs“ der Bayern.

Kurz: Eine runde Sache, ein schön gemachtes und ansprechendes Buch über König Ludwig II. von Bayern und seine Schlösser.

Autor: Paul Wietzorek
Titel: „König Ludwig II. von Bayern und seine Schlösser“
Gebundene Ausgabe: 64 Seiten
Verlag: Imhof, Petersberg
ISBN-10: 3865686834
ISBN-13: 978-3865686831

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